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09/06/2023 12:23

Der ethische Blickwinkel führt zu anderen technischen Lösungen

Stefanie Terp Stabsstelle Kommunikation, Events und Alumni
Technische Universität Berlin

    „Berliner Ethik Zertifikat“ erstmals an neun Absolvent*innen verliehen

    Es gibt derzeit wohl kaum eine andere Technologie als die Künstliche Intelligenz (KI), an der deutlich wird, dass Technik nicht wertfrei ist, sondern komplexe ethische Fragen berührt. Landauf, landab wird diskutiert, was KI für das schulische und universitäre Bildungssystem bedeutet, ob sie das Zeug dazu hat, den Menschen überflüssig zu machen, ob durch KI-basierte Fake News ein Dritter Weltkrieg ausgelöst werden könnte und ob und wie ihr Grenzen gesetzt werden müssen.

    Ethische Fragen von Anfang an bei der Entwicklung von Technik in den Blick zu nehmen und den Einsatz von Technik in gesellschaftlichen, sozialen, kulturellen und historischen Kontexten zu sehen – dazu sollen Studierende in der Lehrveranstaltung „Reflexion und Verantwortung – Berliner Ethik Zertifikat“ befähigt werden. Gestartet ist das Programm im Wintersemester 2021 am Fachgebiet „Wissensdynamik und Nachhaltigkeit in den Technikwissenschaften“ unter der Leitung von Prof. Dr. Sabine Ammon. Mit Abschluss des Sommersemesters 2023 wurde erstmals an der TU Berlin das „Berliner Ethik Zertifikat“ verliehen. Die neun Absolvent*innen kamen aus ganz unterschiedlichen Studiengängen wie dem Technischen Umweltschutz, der Wirtschaftsinformatik, den Wirtschaftsingenieurwissenschaften oder der Philosophie.

    Es geht um mehr, als nur um effizientere Geräte
    „Die Ingenieur*innen, die wir an der TU Berlin ausbilden, sollen verinnerlichen, dass sie mit ihren Entwicklungen weitreichendere Entscheidungen treffen, als ein Gerät nur schneller und effizienter zu machen“, sagt Prof. Dr. Sabine Ammon. Warum Technik unter ethischen Fragestellungen entwickelt werden müsse, lasse sich gut an der Gestaltung eines Pflegeroboters verdeutlichen, so Ammon. „In der Robotik ging es lange darum, Roboter so zu entwickeln, dass sie die Arbeit der Pflegenden übernehmen. Damit lag das Augenmerk auf der Funktionsfähigkeit des Roboters. Weitet man jedoch den Blick und stellt die Frage, was macht gute Pflege eigentlich aus, geraten Aspekte wie menschliche Interaktion, miteinander Sprechen und Zuhören in den Fokus. Und dann geht es beim Einsatz des Pflegeroboters nicht mehr darum, die Pflegekraft zu ersetzen, sondern sie zu entlasten und das führt zu anderen technischen Lösungen.“

    Fragen, die über die technische Gebrauchsfähigkeit hinausgehen, von Beginn an in die Entwicklung von Technik einzubeziehen, führt unweigerlich zu einem interdisziplinären Lehren und Lernen. Ein Ziel ist es, die Student*innen für die unterschiedlichen Perspektiven, Probleme, Phänomene und auch Methoden des jeweiligen Fachs zu sensibilisieren. Sie sollen lernen, diese unterschiedlichen disziplinären Zugänge zu verstehen und ganz wichtig – sie zu wertschätzen.

    Beides berechtigt: schnell handeln und problematisieren
    Ingenieur*innen versuchen, zügig eine Lösung zu finden und ins Handeln zu kommen mit der Gefahr, eine entscheidende Frage zu übersehen, was dazu führen kann, dass die Technik von den Menschen abgelehnt wird. Bei den Geisteswissenschaftler*innen dagegen ist die Haltung ausgeprägt, kritisch zu durchleuchten, zu problematisieren, was sehr zeitintensiv werden und zu Blockaden führen kann. „Zu erkennen und zu akzeptieren, dass beide Perspektiven für die Technikgestaltung sinnvoll und berechtigt sind – diese Kompetenz soll in der Lehrveranstaltung vermittelt werden. Deshalb spielt das gemeinsame Lernen eine wichtige Rolle“, erklärt Prof. Dr. Sabine Ammon. In der heutigen Technikgestaltung müsse das Fachwissen aus Mathematik, Informatik, den Natur- und Ingenieurwissenschaften mit dem Wissen aus Soziologie, Philosophie, Psychologie, Ethik und Geschichte zusammengeführt werden und in einem weiteren Schritt der universitäre Raum verlassen und das Wissen aus der Praxis dazu geholt werden.

    In den vier Profilbereichen der Lehrveranstaltung – Ethik der KI, Bio- und Medizinethik, Technikethik und Technikfolgenabschätzung sowie Tierethik – erhalten die Student*innen zum einen Einblicke in ethische Basistheorien und erlangen Fähigkeiten, sich mit ethischen Werten wie Verantwortung, Gerechtigkeit, Teilhabe, Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen, und werden zum anderen im interdisziplinären, transdisziplinären und projektorientierten Zusammenarbeiten geschult.

    Das Berliner Ethik Zertifikat ist ein Zertifizierungsprogramm der Berlin University Alliance. Es wird vom Präsidium der TU Berlin verliehen und vom Berlin Ethics Lab an der TU Berlin koordiniert.

    „Berliner Ethik Zertifikat“: https://www.tu.berlin/philtech/studium-lehre/berliner-ethik-zertifikat

    Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
    Prof. Dr. Sabine Ammon
    TU Berlin
    Fachgebiet Wissensdynamik und Nachhaltigkeit in den Technikwissenschaften
    E-Mail: ammon@tu-berlin.de


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    Criteria of this press release:
    Journalists
    Philosophy / ethics
    transregional, national
    Research projects
    German


     

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