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04/16/2024 11:00

Blutvergiftung: Das muss man über diese Diagnose wissen

Susanne Herda, Swetlana Meier Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V.

    Expertenwissen der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) zum Thema Blutvergiftung (Sepsis)

    Laut Medienberichten erlitt der Schauspieler Til Schweiger infolge einer Verletzung am Unterschenkel eine Blutvergiftung (Sepsis). Eine Sepsis ist häufig lebensbedrohlich. Ob man nach einer Sepsis vollständig geheilt ist, was zu beachten ist oder ob gar es einen Rückfall geben kann, darüber informieren Orthopäden und Unfallchirurgen.

    Wissenswertes über die Diagnose Sepsis erläutert Experte Prof. Dr. Andreas Seekamp, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und Direktor der gemeinsamen Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein am Campus Kiel.

    1) Was gibt es nach einer frisch überstandenen Sepsis zu beachten?
    „Man sollte sich weiterhin schonen und körperlich nicht anstrengen, also keinen Sport, keine Flugreisen, sondern nur tägliche Verrichtungen durchführen: Haushalt führen, einkaufen gehen und gegebenenfalls auch wieder zur Arbeit gehen, wenn es sich nicht um körperliche Tätigkeiten handelt. Das Immunsystem ist noch geschwächt, der Körper kann keinen zusätzlichen Stress vertragen.“

    2) Ist man dann wieder vollständig gesund oder gibt es die Gefahr eines Rückfalls?
    „Als vollständig gesund kann man sich erst nach etwa vier bis sechs Wochen betrachten, ältere Menschen, etwa jenseits des 70sten Lebensjahres können auch Monate benötigen. Bei körperlicher Überanstrengung gibt es durchaus die Möglichkeit eines Rückfalls, vornehmlich dann, wenn das Immunsystem noch geschwächt ist. In jedem Fall muss die Ursache der Sepsis vollständig ausgeheilt sein, damit es nicht zu einer erneuten Keimverschleppung kommt. Die nicht ausreichend therapierte und ausgeheilte Ursache stellt die wesentliche Gefahr für einen Rückfall dar.“

    3) Was sollte man besonders beachten?
    „Neben körperlicher Schonung sind regelmäßige Blutuntersuchungen und Kontrollen der ausgeheilten Ursache als Verlaufsbeobachtung wichtig. In den Blutkontrollen sind die Entzündungsparameter zu kontrollieren und es ist die gegebenenfalls anhaltende Zirkulation von Keimen im Blut auszuschließen. Zudem müssen gleichzeitige Beeinträchtigungen von Organen, wie beispielsweise Herz und Nieren, ausgeschlossen werden. Eine Sepsis kann über die Blutzirkulation von Bakterien zu Herzklappenfehlern und Nierenschäden führen.“

    4) Warum ist eine Sepsis lebensgefährlich?
    „Eine Sepsis ist lebensgefährlich, wenn durch die Einschwemmung von Bakterien in die Blutbahn und die Organe das Immunsystem des Körpers überfordert ist und mehrere Organsysteme durch den Keimbefall und die daraus entstehenden Entzündungsreaktionen versagen. Menschen versterben in der Sepsis an einem gleichzeitigen Versagen mehrerer Organe, selbst die Intensivmedizin mag schwere Verläufe dann nicht mehr aufhalten. Ein solcher schwerer Verlauf kann sich innerhalb von wenigen Stunden entwickeln und mit dem Tod enden.“

    5) Wie kann eine Sepsis bei einer Bagatellverletzung entstehen?
    „Die Verschleppung von Keimen in die Blutbahn kann durch sehr kleine Wunden, Bagatellverletzungen, entstehen. Auch kleine Bissverletzungen oder Kratzspuren können die Ursache sein. Jeder noch so kleinen Bagatellverletzung muss man daher seine Aufmerksamkeit schenken, jede Wunde muss gesäubert werden, wobei schon reines Wasser dafür ausreicht. Verhindert werden muss in jedem Fall die gleichzeitige Infektion der Wunde. Ist eine Wunde infiziert und zeigt nach zwei Tagen keine Heilungstendenz, haben sich bereits Keime in der Wunde festgesetzt, zu diesem Zeitpunkt ist notfallmäßig medizinische Behandlung aufzusuchen. Häufig wird dann eine chirurgische Intervention erforderlich, um das infizierte Gewebe zu entfernen und die Wunde wieder in einen reinen Zustand zu versetzen. Es folgt in der Regel eine offene Wundbehandlung mit regelmäßiger Spülung der Wunde.“

    6) Welche Anzeichen sprechen für eine Sepsis?
    „Der Beginn einer Sepsis ist schwierig zu erkennen und wird häufig verkannt. Klinische Symptome sind ein schneller Puls, gegebenenfalls niedriger Blutdruck, erhöhte Atemfrequenz und eine zunehmende Bewusstseinsstörung, beginnend mit Müdigkeit, sowie das Gefühl der Abgeschlagenheit und ein vermehrtes Durstgefühl. Fieber tritt häufig erst später auf, in jedem Fall spricht eine normale Körpertemperatur nicht gegen eine Sepsis.“

    7) Was muss bei Verdacht auf Sepsis sofort gemacht werden?
    „Es muss möglichst rasch eine medizinische Behandlung erfolgen, am besten Vorstellung in der Notaufnahme einer Klinik und zwar schon wenn nur zwei der oben genannten Symptome wahrgenommen werden und eine Bagatellverletzung vorliegt oder wenige Tage zuvor erinnerlich ist.“

    8) Welche Rolle spielt die Tetanus-Impfung?
    „Die Tetanus-Schutzimpfung ist ganz wichtig und muss im Zuge einer Bagatellverletzung in jedem Fall überprüft werden. Bei Unsicherheiten über den bestehenden Impfschutz muss der Impfschutz großzügig erneuert werden. Die Impfung hilft aber nur gegen den auslösenden Keim des Wundstarrkrampfes, eine Sepsis mit anderen Keimen lässt sich durch die Tetanus-Schutzimpfung nicht verhindern.“

    9) Wie kann man sich vor einer Sepsis schützen?
    „Der beste Schutz gegen eine Sepsis ist der aufmerksame Umgang mit jeglichen Bagatellverletzungen, dazu zählen im Übrigen auch Sonnenbrandverletzungen mit Blasenbildung. Das Grundprinzip ist eine primäre Säuberung, klares Wasser ist ausreichend, und eine saubere mechanische Abdeckung bis die Wundflächen trocken sind und sich eine Wundheilung einstellt. Frühe alarmierende Zeichen sind eine Rötung, Überwärmung und zunehmende Schwellung um die Wunde herum. Schon dann sollte man medizinische Hilfe aufsuchen. Ein "ist doch nicht so schlimm" ist in dieser Situation nicht mehr angebracht.“

    Kontakt für Rückfragen:
    Susanne Herda, Swetlana Meier
    Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
    Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) e.V.
    Straße des 17. Juni 106-108, 10623 Berlin
    Telefon: +49 (0)30 340 60 36 -06 oder -16
    Telefax: +49 (0)30 340 60 36 01
    E-Mail: presse@dgou.de


    More information:

    http://www.dgou.de


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    Criteria of this press release:
    Journalists, all interested persons
    Medicine, Nutrition / healthcare / nursing
    transregional, national
    Miscellaneous scientific news/publications, Transfer of Science or Research
    German


     

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