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03/31/2025 17:19

Umbruch, Aufbruch und Durchbruch: Leibniz-IZW verabschiedet langjährigen Direktor Prof. Heribert Hofer

Jan Zwilling Wissenschaftskommunikation
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im Forschungsverbund Berlin e.V.

    Am 28. März 2025 verabschiedete das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) seinen Direktor Prof. Heribert Hofer nach über 25 Jahren Amtszeit in den Ruhestand. Die vorübergehende Nachfolge tritt zum 1. April 2025 der Leiter der Abteilung für Evolutionsgenetik, Prof. Jörns Fickel, an. Ein gemeinsames Berufungsverfahren für die Leitung des Leibniz-IZW und die Professur für Interdisziplinäre Zoo- und Wildtierforschung an der Freien Universität Berlin läuft.

    Der Verhaltensökologe Heribert Hofer trat die Leitung des Leibniz-IZW am 01.01.2000 an und führte das Institut als Direktor bis zum heutigen Tag. Bis 2017 war er zudem der Leiter der Abteilung für Evolutionäre Ökologie. In den 25 Jahren seiner Tätigkeit als Direktor wurde das Leibniz-IZW insgesamt dreimal positiv evaluiert (2006, 2013, 2020) und beantragte erfolgreich ein großes Erweiterungsvorhaben für das Institut mit dem Titel „Erfassen, Beurteilen, Eingreifen – Einsatz von High-Tech für die Wildtierforschung im Anthropozän“. Das Leibniz-IZW hat sich in dem Vierteljahrhundert seines Wirkens grundlegend gewandelt – von einem kleinen, wenig bekannten Institut im Berliner Osten zu einer modernen, international renommierten Spitzenforschungseinrichtung, die Wildtierforschung für den Artenschutz im Kontext des globalen Umweltwandels betreibt. Hofer entwickelte mit dem Leibniz-IZW eine umfassende Mission und Vision, welche die vielen exzellenten Forschungsarbeiten in einem großen, evolutionären Kontext verknüpft und sich stets den drängenden Herausforderungen des Artenschutzes im Anthropozän stellte.

    „Als ich Ende 1999 hier am Leibniz-IZW aufschlug, war das Institut noch ganz anders aufgestellt als heute. In weiten Teilen der Zoo- und Wildtierforschung in Deutschland wurde der Schritt, als Direktor an ein ostdeutsches Leibniz-Institut zu gehen, als Rückschritt angesehen“, erinnert sich Hofer. „Das Institut war noch enorm geprägt von den Umbrüchen der Wendezeit – die Neugründung lag gerade einmal sieben Jahre zurück – und es fehlte dem Institut eine umfassende Mission und Vision als Klammer für die zum Teil schon damals exzellenten Forschungsarbeiten. Zudem musste es als ehemaliges Ostinstitut in die internationale Szene eingeführt werden. Ich habe beim Antritt gesagt: wir wollen in zehn Jahren eines der führenden Wildtierforschungs-Institute in Europa sein. Da haben einige Leute am Institut gestaunt und waren skeptisch, ob das zu erreichen war. Ich fand aber, dass das Institut alle Voraussetzungen und das ganze Spektrum an Forschenden dafür mitbrachte.“ Hofer betont zudem die Wichtigkeit einer ganzheitlichen Wildtierforschung von der molekularen bis zur landschaftlichen Ebene und die produktive Verbindung exzellenter Grundlagenforschung mit Forschungsarbeiten zum Artenschutz als Errungenschaften des Instituts in den letzten 25 Jahren. „Wir können wesentliche Beiträge zum Verständnis der Anpassungsfähigkeit von Wildtieren und zur Bewältigung der Biodiversitätskrise geltend machen. Ich bin stolz, dass wir konzeptionell, methodisch und finanziell so gut aufgestellt sind wie noch nie. Wir haben die beste Generation aller Forschenden, die ich je erlebt habe, – damit können wir auch einen echten Unterschied für den Naturschutz machen.“

    Nicht nur inhaltlich, sondern auch strukturell entwickelte sich das Institut in den vergangenen Jahren fundamental weiter. Das Leibniz-IZW verdoppelte die Zahl seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und realisierte zwei bauliche Erweiterungen, die wesentliche neue Forschungsinfrastrukturen wie den veterinärmedizinischen klinischen Bereich, den Computer-Tomographen und modernste Labore ermöglichten und dem wachsenden Institut den nötigen Raum gaben. Zudem etablierte Hofer mit den Abteilungen für Evolutionäre Ökologie und Ökologische Dynamik zwei neue wissenschaftliche Abteilungen und gründete mit dem Bereich Wissenschaftsmanagement eine integrierte Funktionseinheit für Wissenschaftskommunikation und -transfer, Stakeholderdialoge und Citizen Science. Damit stärkte er die Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Gesellschaft im Sinne des Institutsziels, Forschungsergebnisse für den Artenschutz gesellschaftlich nutzbar und wirksam zu machen.

    Auf dem Festakt anlässlich seiner Verabschiedung am 28. März 2025 im Tierpark Berlin würdigten Kollegen, Weggefährten und langjährige Partner das Wirken von Prof. Hofer für das Leibniz-IZW und die deutsche Wildtierforschung.

    Dr. Andreas Knieriem, Direktor des Zoos, Tierparks und Aquariums Berlin:
    „Seit ihrer Gründung sind das IZW und der Tierpark Berlin engstens miteinander verbunden – eine Zusammenarbeit, die bis heute wertvolle Erkenntnisse für den Schutz bedrohter Arten liefert. Der Austausch zwischen zoologischen Einrichtungen und Forschungsinstituten wie dem IZW ist essenziell, um nachhaltige Schutzmaßnahmen zu entwickeln und wissenschaftliche Grundlagen für den Erhalt der Biodiversität zu schaffen. Professor Dr. Heribert Hofer hat viele Jahrzehnte diesen Austausch mit großem Engagement geprägt und damit dem Tierpark Berlin einen großen Dienst erwiesen. Zum Glück bleibt uns Prof. Hofer als wertvolles Stiftungsratsmitglied in unserer Zoo Stiftung auch weiterhin erhalten. Für seinen neuen Lebensabschnitt wünsche ich ihm nur das Allerbeste und danke ihm sehr persönlich für seinen wertvollen Beitrag zum Wohle unserer Tiere.“

    Prof. Dr. Martina Brockmeier, Präsidentin der Leibniz-Gemeinschaft:
    Die Präsidentin der Leibniz-Gemeinschaft würdigt das außergewöhnliche Engagement von Heribert Hofer. „Als aktives Mitglied der Gemeinschaft hat er wichtige Meilensteine mit zu verantworten. Über 13 Jahre hinweg hat Heribert Hofer sich für Gleichstellung und Chancengleichheit eingesetzt. Sein bemerkenswerter Einsatz und seine Gabe, in Allem das Positive hervorzuheben, sind stets eine großartige Bereicherung. Für Heribert Hofer ist das Glas immer halb voll! Seine Fähigkeit, individuelle Interessen zu vereinen, haben maßgeblich zur wissenschaftlichen Exzellenz und zum Erfolg der Leibniz-Gemeinschaft beigetragen.“

    Dr. Björn Maul, Leiter des Referats Natur-, Material- und Lebenswissenschaften, Berliner Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege:
    „Während seiner Amtszeit ist das Institut endgültig zu einer auf seinem Gebiet – der Zoo- und Wildtierforschung – international hoch renommierten und auf modernste Forschungsansätze ausgerichteten Einrichtung geworden. Prof. Heribert Hofer hat das IZW mit seinem hochmotivierten Team dabei stets einen wichtigen und unverzichtbaren Partner in der Berliner Wissenschaftslandschaft sein lassen – ein großer Beitrag dazu, dass diese Stadt als Standort der Spitzenforschung gilt.“

    Prof. Dr. Stefan Eisebitt, Sprecher des Vorstandes des Forschungsverbunds Berlin e.V.:
    „Der Forschungsverbund Berlin – mit seinen derzeit sieben Forschungsinstituten eine der größten außeruniversitären Forschungseinrichtungen Berlins – ist Herrn Prof. Heribert Hofer aus mehreren Perspektiven zu großem Dank verpflichtet:
    Als Direktor des Leibniz-Instituts für Zoo und Wildtierforschung hat er das Institut über einen Zeitraum von mehr als 25 Jahren kontinuierlich und sehr erfolgreich weiterentwickelt und geprägt. Unter seiner Leitung wurde die Freilandforschung an Tieren in natürlichen Lebensräumen etabliert und international betrieben. Ein besonderes Verdienst ist, dass er diese Forschung sowohl akademisch exzellent als auch gleichzeitig praxisorientiert unter Einbeziehung aller Stakeholder ausrichten konnte, sodass sie in den Dienst des Naturschutzes gestellt werden kann.
    Parallel zu seinem Wirken am IZW hat Prof. Hofer als Mitglied des Vorstands des Forschungsverbunds Berlin sowie als dessen Sprecher von 2003 bis 2005 mit seiner engagierten, kooperativen und strategischen Art auch den Forschungsverbund Berlin insgesamt entscheidend gestaltet und maßgeblich zu seinem Erfolg beigetragen.“

    Prof. Dr. Uwe Rösler, Dekan des Fachbereichs Veterinärmedizin der Freien Universität Berlin:
    „Das IZW ist einer der wichtigsten Kooperationspartner der beiden Fachbereiche Veterinärmedizin und Biologie, Chemie und Pharmazie der Freien Universität Berlin. Heribert Hofer steht für diese enge, freundschaftlich-kollegiale Zusammenarbeit wie kein anderer. Es ist an „seinen“ beiden Fachbereichen immer präsent und steht mit Rat und vor allem auch mit Tat immer zur Verfügung. In der Zoo- und Wildtiermedizin hat Heribert Hofer und das IZW uns und unseren Tiermedizin-Studierenden vollkommen neue Möglichkeiten eröffnet.“

    Prof. Dr. Martin Lohse, Vizepräsident der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte (GDNÄ):
    „Was als Erstes an Heribert Hofer auffällt: Das Strahlen in seinen Augen und das Lächeln, mit dem er auf Menschen zugeht – und besonders, wenn er jungen Menschen begegnet. Bei den Tagungen der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte, GDNÄ, der ältesten interdisziplinären Vereinigung für Wissenschaft in Deutschland, hat er schon viele Jahre Science Slams mit Schülerinnen und Schülern organisiert. Das waren immer spannende, informative und oft lustige Stunden, die ein großes Publikum anzogen und begeisterten. Als Präsident der Gesellschaft hat er dieser Begeisterung eine neue Form gegeben und die Junge GDNÄ gegründet. Es war eine Freude, mit ihm in dieser Gesellschaft zusammenzuarbeiten und seine ansteckende Lust an Wissenschaft und Wissensvermittlung zu erleben und zu teilen.“

    Prof. Dr. Jörg Junhold, Direktor des Zoos Leipzig, Präsident des Verbandes der Zoologischen Gärten:
    „Mit Heribert Hofer verabschieden wir heute einen Vollblut-Wissenschaftler mit Herz für den Natur- und Artenschutz, das Tierwohl und das ständige Streben nach Lösungen für das sichere Leben von Wildtieren in den wohlverdienten Ruhestand. Er ist enger Weggefährte und Ratgeber für eine ganze Generation von Wissenschaftlern, Tiergärtnern und Artenschützern sowie deren Nachwuchs. Ich danke ihm im Namen aller Kolleginnen und Kollegen in den deutschsprachigen Zoos für seine Expertise und praxisnahe Unterstützung. Sein Wirken ist beispielhaft – und nachhaltig. Sein Wissen wird den internationalen Artenschutz weiter beeinflussen.“


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    Prof. Hofer und Gäste beim Festakt anlässlich des Endes seiner Amtszeit als Direktor des Leibniz-IZW
    Prof. Hofer und Gäste beim Festakt anlässlich des Endes seiner Amtszeit als Direktor des Leibniz-IZW
    Jan Zwilling
    Leibniz-IZW/Jan Zwilling

    Prof. Heribert Hofer beim Festakt anlässlich des Endes seiner Amtszeit als Direktor des Leibniz-IZW
    Prof. Heribert Hofer beim Festakt anlässlich des Endes seiner Amtszeit als Direktor des Leibniz-IZW
    Jan Zwilling
    Leibniz-IZW/Jan Zwilling


    Criteria of this press release:
    Journalists
    Biology
    transregional, national
    Miscellaneous scientific news/publications
    German


     

    Prof. Hofer und Gäste beim Festakt anlässlich des Endes seiner Amtszeit als Direktor des Leibniz-IZW


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    Prof. Heribert Hofer beim Festakt anlässlich des Endes seiner Amtszeit als Direktor des Leibniz-IZW


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