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04/03/2025 15:00

Mit moderner Technologie gegen häusliche Gewalt. Cologne Game Lab entwickelt Trainingsprogramm für Polizei

Sybille Fuhrmann Referat für Kommunikation und Marketing, Team Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Technische Hochschule Köln

    Der Umgang mit Opfern von häuslicher Gewalt stellt Polizeikräfte vor besondere Herausforderungen: Sie müssen effektiv und empathisch vorgehen, damit sie die Lage richtig erfassen und entsprechende Maßnahmen einleiten können. Um das Training für solche Situationen zu erleichtern, hat das Cologne Game Lab der TH Köln im Rahmen des EU-Projekts „ISEDA“ ein Serious Game entwickelt – ein digitales Spiel, das Informationen und Wissen vermittelt. Mit hyperrealistischen Charakteren und Dialogoptionen können damit individuelle Gespräche realitätsnah simuliert werden. Das Trainingsprogramm steht kostenfrei zur Verfügung.

    „Klassische Schulungsprogramme für Polizist*innen, die im Bereich häusliche Gewalt eingesetzt werden, bringen in der Regel einige Probleme mit sich: Zum einen unterscheiden sich Qualität und Häufigkeit der Durchführung solcher Kurse zwischen europäischen Ländern und Regionen teils erheblich. Zum anderen ist unklar, wie gut sich die Theorie in die Praxis übertragen lässt und wie die Fähigkeiten der interviewenden Polizeikräfte durch zeit- und kostenintensive Schulungen wirklich verbessert werden können“, erklärt Prof. Emmanuel Guardiola vom Cologne Game Lab (CGL) der TH Köln.

    Hyperrealistische Avatare und dynamisches Dialogsystem

    Im Serious Game des CGL können Spieler*innen aktuell zwischen drei Interviewszenarien mit den Avataren Elena, Salma und Pilar wählen, die für die internationalen Partner entwickelt wurden. Das virtuelle Interview erlaubt dank eines fortschrittlichen Dialogsystems dynamische und mehrschichtige Konversationen mit verschiedenen Frageoptionen, die den weiteren Verlauf des Gesprächs beeinflussen. Diese werden durch die hyperrealistischen Darstellungen der Avatare ergänzt. Dazu wurden Schauspielerinnen und deren Bewegungen mit Hilfe von Motion-Capture-Technologien präzise erfasst und in einem virtuellen Umfeld reproduziert. Das soll nicht nur für emotionale Tiefe und Glaubwürdigkeit sorgen, sondern auch ermöglichen, subtile nonverbale Signale zu erkennen.

    „Das Spiel erlaubt Polizeikräften, ohne den Zeitdruck realer Gespräche über ihre Fragen und die Antworten der interviewten Person zu reflektieren“, erklärt Guardiola. „Durch wiederholtes Spielen und eingebettetes Feedback entwickeln Spielende ein geschärftes Bewusstsein für die Komplexität sensibler Gesprächssituationen. Sie lernen relevante Fragen und angemessene Reaktionen kennen, die essentiell sind, um ein Vertrauensverhältnis zu den Opfern aufzubauen, sie unterstützend zu begleiten und gleichzeitig die Gefahrensituation professionell und effektiv einzuschätzen.“ Darüber hinaus sei der Einsatz des Trainingsprogramms auch auf andere Bereiche übertragbar, in denen ein besonders sensibler Umgang gefragt ist – etwa in der Arbeit mit Geflüchteten oder der Sozialarbeit.

    Europaweite Kooperation ermöglicht modernen, opferzentrierten Ansatz

    Die Simulation wurde in Kooperation mit der griechischen, bulgarischen und katalanischen Polizei entwickelt. Zudem hat das CGL mit dem European Network for the Work with Perpetrators of Domestic Violence (WWP), der Association for the Prevention and Handling of Violence in the Family (SPAVO), Demetra Bulgaria, dem European Anti-Violence Network, dem Center for Security Studies (KEMEA), der University of Alicante und der Glasgow Caledonian University zusammengearbeitet. Dadurch sollte sichergestellt werden, dass ein moderner, opferzentrierter Ansatz in Design und Skript der Interview-Szenarien integriert wird.

    Das fertige Spiel wird bis zum offiziellen Projektende im August dieses Jahres in einer Pilotstudie evaluiert. Durchgeführt wird diese von Partnern im European Anti-Violence Network gemeinsam mit den kooperierenden Polizeibehörden. Im Rahmen der Studie werden die Auswirkungen des Trainings mit dem Simulator analysiert und bewertet. Auf dieser Basis soll das Serious Game weiterentwickelt und um weitere Interviewszenarien ergänzt werden.

    Das Serious Game zum kostenfreien Download:
    https://colognegamelab.de/research/research-projects/iseda2022-2025/

    Über das Projekt „ISEDA“
    Im Forschungsprojekt „Innovative Solutions to Eliminate Domestic Abuse“ (ISEDA) arbeiten insgesamt 15 zivilgesellschaftliche Einrichtungen, Hochschulen, Polizeibehörden und Firmen aus neun europäischen Ländern an innovativen und modernen Lösungen, um häusliche Gewalt zu bekämpfen. Das CGL koordiniert das Gesamtvorhaben und ist für das Serious Game zuständig. Die Projektpartner haben darüber hinaus einen Chatbot für Betroffene, einen Leitfaden zur Beurteilung von Rehabilitierungsprogrammen für Täter*innen sowie Sensibilisierungs- und Bildungsprogramme für die breite Öffentlichkeit und den Schulunterricht entwickelt. Das Projekt wird von der Europäischen Union im Rahmen des Horizon Europe Rahmenprogramms (HORIZON) mit rund drei Millionen Euro gefördert und läuft noch bis Ende August 2025.

    Die Projektpartner: Asociacia Demetra Sdruzhenie (Bulgarien), Association for the Prevention and Handling of Violence in the Family (Zypern), C.A.M Centro di Ascolto Uomini Maltrattanti Onlus (Italien), Departament d'interior i Seguretat Pública - Generalitat de Catalunya (Spanien), European Network for the Work with Perpetrators of Domestic Violence e.V. (Deutschland), Euroquality SAS (Frankreich), Evropaiko Diktyo Kata Tis Vias (Griechenland), Glavna direktsia Natsionalna politsia (Bulgarien), Hellenic Police (Griechenland), Kentro Meleton Asfaleias (Griechenland), Sopra Steria Group (Frankreich), Tampereen Korkeakoulusaatio SR (Finnland), The Glasgow Caledonian University (Schottland) und Universidad de Alicante (Spanien).

    Weitere Informationen zum Gesamtvorhaben: https://iseda-project.eu/


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    Criteria of this press release:
    Business and commerce, Journalists, Scientists and scholars, Students
    Information technology, Law, Media and communication sciences, Psychology, Social studies
    transregional, national
    Cooperation agreements, Research projects
    German


     

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