„Die Zukunft gehört Dir!“: Unter diesem Motto öffnete der Girls‘ und Boys‘ Day des Ada-Lovelace-Projekts an der Universität Koblenz für 170 Teilnehmende die Türen zu neuen Perspektiven in der Studien- und Berufsorientierung.
Reges Treiben auf dem Campus der Universität Koblenz: 100 Mädchen und 70 Jungen der 5. bis 12. Klassen von mehr als 30 Schulen aus über 20 Orten und Städten im Umkreis von bis zu 100 Kilometern folgten der Einladung des Ada-Lovelace-Projekts und schnupperten am Zukunftstag in die verschiedenen Studiengänge der Universität Koblenz.
Mit einem digitalen Grußwort des Universitätspräsidenten Prof. Dr. Stefan Wehner starteten die Teilnehmenden in ihren Girls‘ und Boys‘ Day, den das Ada-Lovelace-Projekt seit mehr als 20 Jahren organisiert. Das Ada-Lovelace-Projekt hat es sich zur Aufgabe gemacht, Mädchen und jungen Frauen einen kreativen Raum des „Sich-Ausprobierens“ zu schaffen, in dem sie männerdominierte MINT-Bereiche erkunden können. Dabei stehen ihnen Mitarbeiter*innen und Mentorinnen – Studentinnen der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik – als Rollenvorbilder zur Seite.
Spannende Einblicke in 13 verschiedenen Workshops
In den 13 verschiedenen Workshops wurde programmiert, gelötet, experimentiert und handwerklich gearbeitet, wobei spielerisch Berührungsängste und Selbstzweifel abgebaut wurden. Doch nicht nur den jungen Frauen müssen neue Räume eröffnet werden. Beim diesjährigen Zukunftstag organisierte das Ada-Lovelace-Projekt der Uni Koblenz bereits zum vierten Mal auch Angebote für Jungen und junge Männer in Bereichen, die überwiegend von Frauen gewählt werden. So nahmen Schüler die Möglichkeit wahr, die Studienfächer Psychologie, Soziologie, Pflegewissenschaften und Germanistik zu erkunden.
Aktuelle Befragungen der Teilnehmenden am bundesweiten Aktionstag zeigen sowohl die Wirkung als auch die Wichtigkeit der Aktionstage für die Jugendlichen. Mit 78 Prozent der befragten Schülerinnen und 83 Prozent der Schüler gibt ein Großteil der Befragten an, ein Tagespraktikum sei für sie (sehr) hilfreich, um sich über Berufe und die Arbeitswelt zu informieren. Rund zwei Drittel der befragten Jugendlichen gaben sogar an, der Girls' Day und Boys' Day habe ihnen konkret dabei geholfen, eine bessere Vorstellung davon zu bekommen, was sie später beruflich machen wollen.
Diese Ergebnisse bestätigen die Organisatorinnen Stephanie Justrie und Katharina Schuster vom Ada-Lovelace-Projekt: „Die Jugendlichen erleben am Girls‘ und Boys‘ Day die Universität Koblenz als lebendigen und interessanten Studienort und können sich in vielfältigen Gesprächen, Diskussionsrunden und Workshops über Berufsbilder und Studiengänge informieren und ihre beruflichen Interessen erweitern. Hier und heute werden die Studierenden von morgen erreicht“, erklären sie.
Schülerinnen lernen Grundlagen der Elektro- und Löttechnik
So verbachten zwölf Teilnehmerinnen einen aufregenden Vormittag in der Physik-Werkstatt am Campus der Universität und entdeckten, dass Physik mehr ist als nur abstrakte Formeln. Unter fachkundiger Anleitung bauten und löteten die jungen Frauen einen elektronischen Würfel, der auf Bewegungen reagiert. Dabei lernten sie spielerisch wichtige Grundlagen der Elektro- und Löttechnik kennen. Besonders einprägsam war die Verschmelzung von Theorie und Praxis und dass die Teilnehmerinnen ihren selbst gefertigten Schüttelwürfel mit nach Hause nehmen durften. Prof. Dr. Silke Rathgeber, Geschäftsführende Leiterin der Abteilung Physik, betonte: „Studien zeigen, dass Mädchen in MINT-Fächern oft weniger Selbstvertrauen haben - nicht, weil ihnen das Talent fehlt, sondern weil sie seltener ermutigt werden. Mit unserem Angebot möchten wir Mädchen ermutigen, sich aktiv mit Physik und Technik auseinanderzusetzen und ihnen zeigen, dass sie genauso erfolgreich tüfteln, forschen und entdecken können. Wir wollen nicht nur Interesse wecken, sondern auch das Selbstvertrauen stärken, denn wer sich Physik zutraut, kann die Welt mitgestalten.“
Die Teilnehmerinnen des Workshops „Tech meets Textil“ feierten eine erfolgreiche Premiere und erfuhren, wie viel kreative Arbeit in der Informatik steckt. Dabei durchliefen die zwölf Mädchen einen kompletten Informatikprozess - von der Problemstellung über die Konzeption und Programmierung hin zu einem fertigen Produkt und dessen Präsentation. „Mit Vorbehalten umzugehen und stereotype Vorstellungen aufzubrechen, sind anstrengende und langwierige Prozesse. Wir sind noch immer wenige Frauen in der Informatik, aber es braucht viele Vorbilder und deren Sichtbarkeit", erklärte Informatikprofessorin Nadine Dittert ihre Motivation, den Girls‘ Day zu unterstützen.
Im Workshop „Biochemie“ tauchten zwölf Nachwuchswissenschaftlerinnen in die faszinierende Welt der „Life Science“ ein und erlebten spannende Experimente. Besonders beeindruckte der forensische Nachweis von Blut, eine Methode der Kriminalistik, die selbst scheinbar vollständig entfernte Blutflecken aufspüren kann.
Brücken bauen, komplexe Zahlen & 3D-Druck
Im Workshop „Brücken bauen leicht gemacht“ herrschte große Anspannung unter den 15 Teilnehmerinnen: Würde die selbst zusammengesteckte Leonardo-Brücke die Last einer Schülerin tragen? Die gute Nachricht: Ja, sie hielt. Neben der großformatigen Leonardo-Brücke durfte jede Teilnehmerin ihre eigene Brücke kreieren und dabei selbst über Statik und Form entscheiden.
Dass Mathematik auch kunstvoll sein kann, erfuhren die Teilnehmerinnen im Workshop „Mathematik und Kunst“ unter Leitung von Prof. Dr. Martin Bracke. Mit Begeisterung und Freude am Fach setzten sie sich intensiv mit Fraktalen, komplexen Zahlen und Turtle Grafik auseinander.
In weiteren Workshops tauchten die Teilnehmerinnen tief in die Welt der Programmierung ein. Im Workshop „3D-Druck“ unter der fachlichen Anleitung von Ralf Gillmann, Ausbildungsbeauftragter im ZIMT, kreierten sie mit einer speziellen Design-Software eigene 3D-Modelle, die am Ende für jede Teilnehmerin ausgedruckt wurden. Im Workshop „Dein Einstieg in die App-Programmierung“ entwickelten die Mädchen ihre erste eigene App mit dem MIT App Inventor und führten erste Testläufe direkt auf ihren Handys durch.
Schülerinnen lernen Programmiersprache „Java“
Auch im Workshop „Programmieren leicht gemacht“ tauchten die Teilnehmerinnen in die Welt der Informatik ein. Neben einer abwechslungsreichen Uni-Führung und Studienberatung lernten sie die Programmiersprache „Java“ kennen. Java ist besonders leicht zu erlernen und äußerst vielseitig in der Anwendung, von einfachen Spielen über nützliche Apps bis hin zu professionellen Webseiten.
Auch für die Teilnehmer des Boys‘ Days gab es viele spannende Workshops. So erhielten 13 Teilnehmer im Workshop „Karrierewege in der Pflege“ ein völlig neues Bild von Pflege im beruflichen Kontext. Sie lernten, dass neben hohem Fachwissen, Entscheidungsfähigkeit und professioneller Haltung auch anspruchsvolle Tätigkeiten wie die Mobilisation bewegungseingeschränkter Menschen und das Anlegen von Verbänden erforderlich sind. Silke Doppelfeld, die zum ersten Mal dabei war, ist von der Wichtigkeit des Boys‘ Day überzeugt: „Pflege als traditioneller Frauenberuf hat ein immer noch allzu altruistisches Image, das völlig überholt ist. Unser Ziel ist, ein realistisches Berufsbild zu vermitteln sowie einen Überblick über berufliche Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten zu geben und damit mehr junge Männer für das Thema zu begeistern.“
Eine weitere Premiere feierte ein spannender Workshop des Instituts für Germanistik. Hier wurde der Nachweis erbracht, dass Lesen und Literatur nicht nur etwas für Mädchen und Frauen sind. Gemeinsam reflektierten und diskutierten die Teilnehmer am Beispiel der Künstlichen Intelligenz in Jugendmedien, wie KI in Jugendromanen und -hörspielen dargestellt wird und welche Fragen sich dadurch für unsere reale Welt ergeben.
Eine weitere Gruppe von Jungs und jungen Männer informierten sich im Workshop „Echt oder angepasst“ über das Studienfach Soziologie. Gemeinsam wurde intensiv und angeregt diskutiert, ob wir in jeder Gruppe immer wir selbst sind oder ob wir unser Verhalten und unsere Worte anpassen, je nachdem wo wir uns befinden – und was sagt das letztlich über uns aus.
Wie bereits im vergangenen Jahr waren die Plätze im Psychologie-Workshop „Das Experiment“ schnell ausgebucht. Hier erfuhren die Teilnehmer, wie man psychologische Experimente designt, Daten sammelt, analysiert und die Ergebnisse auswertet. Auch der beliebte Marketing-Workshop stand wieder auf dem Programm und ermöglichte 16 jungen Männern in praktischen Übungen die eigene Produktidee überzeugend an potentielle Kund:innen zu vermitteln.
Informationen zum Zukunftstag
Der Girls´ Day wurde 2001 ins Leben gerufen, um Mädchen ab den weiterführenden Schulen die Möglichkeit zu geben, ihre Fähigkeiten im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) zu testen und neue Berufsfelder für sich zu erschließen. Das Ada-Lovelace-Projekt an der Universität in Koblenz unterstützt diese Initiative bereits seit 2002 und bot in diesem Jahr bereits zum dritten Mal auch Jungs und jungen Männern die Gelegenheit, in Studien- und Berufsfelder zu schnuppern, die überwiegend von Frauen gewählt werden.
Informationen zum Ada-Lovelace-Projekt
Das Ada-Lovelace-Projekt wurde 1997 auf Initiative des rheinland-pfälzischen Ministeriums für Bildung, Frauen und Jugend (MBFJ) an der Universität Koblenz ins Leben gerufen. Seitdem engagieren sich Studentinnen und seit 2000 auch weibliche Auszubildende als Mentorinnen im Ada-Lovelace-Projekt, die von Beginn an durch Trainings bei Ihrer Tätigkeit unterstützt werden. Die Mentorinnen informieren Schülerinnen über Studien- und Ausbildungsmöglichkeiten und erzählen von ihrem eigenen Weg. In Workshops und Arbeitsgemeinschaften arbeiten die Mentorinnen mit den Schülerinnen an konkreten technischen und naturwissenschaftlichen Aufgabenstellungen und fördern so das Selbstvertrauen der Mädchen im MINT-Bereich.
Mittlerweile verfügt das Ada-Lovelace-Projekt über zehn Hochschulstandorte in ganz Rheinland-Pfalz (davon zwei in Koblenz an Universität und Hochschule) mit ca. 150 aktiven Mentorinnen. Das Ada-Lovelace-Projekt wird kofinanziert durch den Europäischen Sozialfonds Plus, das rheinlandpfälzische Ministerium für Familie, Frauen, Kultur und Integration sowie das Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit Rheinland-Pfalz.
Dipl.-Päd. Stephanie Justrie
Projektleitung
Ada-Lovelace-Projekt
Universität Koblenz
Universitätsstraße 1
56070 Koblenz
justrie@uni-koblenz.de
0261 2871938
Der Girls' und Boys' Day an der Universität Koblenz bietet Jungen und Mädchen einen kreativen Raum d ...
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Bild: Ada-Lovelace-Projekt
Criteria of this press release:
Journalists, Teachers and pupils, all interested persons
interdisciplinary
transregional, national
Miscellaneous scientific news/publications, Schools and science
German
Der Girls' und Boys' Day an der Universität Koblenz bietet Jungen und Mädchen einen kreativen Raum d ...
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Bild: Ada-Lovelace-Projekt
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