Der „Willehalm“ von Wolfram von Eschenbach gehört zu den am häufigsten überlieferten Werken der mittelhochdeutschen Literatur. Ein neues, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Langfristvorhaben hat sich zum Ziel gesetzt, das Werk in den kommenden zehn Jahren erstmals in seinem vollständigen historischen Kontext digital zu erfassen und zu analysieren.
Der bekannteste Text von Wolfram von Eschenbach ist der Roman „Parzival“, der Anfang des 13. Jahrhunderts entstand. Zu seinem Werk gehört aber ebenso der „Willehalm“, der mit rund 90 bekannten Handschriften und Fragmenten zu den zentralen Werken des Mittelalters zählt. „Wenn man so will, kann man Wolfram von Eschenbach als den Johann Wolfgang von Goethe des Mittelalters bezeichnen“, erklärt Juniorprofessorin Dr. Lina Herz, die das neue Projekt „Willehalm im Kontext – Digitale Edition des Willehalm und seiner Ergänzungsdichtungen“ („WiK digital“) leitet.
Auf Schatzsuche nach dem „Willehalm“ – in Vorgeschichte und Fortsetzung
Die überlieferten Texte – in denen über ein Familienepos die Konflikte zwischen Christen und Muslimen verhandelt werden – sind auf verschiedene Bibliotheken, kleinere Forschungsbestände, private Sammlungen und Familienarchive verteilt. Derzeit führt Herz zum Beispiel Verhandlungen mit den Eigentümern eines Ritterguts in der Nähe von Hannover, wo sich bislang unerforschte Fragmente befinden. „Hier gehen wir tatsächlich gemeinsam auf Schatzsuche nach überlieferten Text-Fragmenten“, so die Wissenschaftlerin aus dem Fachbereich „Sprache, Literatur und Medien I“ der Universität Hamburg.
Ziel des Kooperationsprojekts, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird, ist es, sämtliche historischen Handschriften und Textbestände von „Willehalm“ sowie die unmittelbar mit ihm in Verbindung stehenden Werke aus seinem zeitlichen und kulturellen Umfeld zu identifizieren und zu analysieren. Dabei betrachten die Forschenden „Willehalm“ nicht nur als eigenständiges, unvollendetes Werk, sondern setzen es in Beziehung zu den Erzählungen „Arabel“ (Vorgeschichte) und „Rennewart“ (Fortsetzung). „Der wissenschaftliche Fokus lag aufgrund der Bekanntheit Wolframs von Eschenbach bisher fast ausschließlich auf ‚Willehalm‘ – nicht aber auf den ergänzenden Werken, mit denen ‚Willehalm‘ zumeist überliefert wird und die von zwei anderen Autoren stammen“, erläutert Herz. Dabei sei „Willehalm“ in der mittelalterlichen Rezeption wahrscheinlich stets als dreiteilige Erzählung wahrgenommen und rezipiert worden.
Künstliche Intelligenz als Hilfsmittel für die digitale Editionswissenschaft
Das digitale Editionsprojekt setzt dabei neue Maßstäbe für die Erforschung mittelalterlicher Literatur. Angesichts der enormen Überlieferungslage wäre eine klassische textkritische Edition kaum umsetzbar. Die digitale Aufbereitung erlaubt eine umfassende und differenzierte Darstellung der verschiedenen Textvarianten und ihres historischen Kontextes.
Besonders vorteilhaft für das langfristige Forschungsprojekt ist die schnelle Entwicklung innovativer Methoden in den Digital Humanities. So wird auch der Einsatz von künstlicher Intelligenz neue Formen der Texterkennung, Analyse und Vernetzung von Handschriften schneller ermöglichen.
Das Hamburger Projektteam startet im April unter der Leitung von Juniorprofessorin Dr. Lina Herz in die erste Phase des Projekts. Unterstützt wird sie von Dr. Angila Vetter als koordinierender Postdoktorandin sowie vier studentischen Hilfskräften. Gemeinsam mit weiteren Hilfskräften der Partnerinstitutionen – der Ruhr-Universität Bochum und der Universitätsbibliothek Heidelberg – wird eine nachhaltige digitale Infrastruktur für Forschung und Lehre aufgebaut. Dies stärkt den interdisziplinären Austausch, fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs und trägt zur internationalen Erforschung mittelalterlicher Literatur bei.
Ein DFG-Langfristvorhaben ist ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Forschungsprojekt in den Geistes- und Sozialwissenschaften, das eine kontinuierliche Förderperiode von mindestens sieben und maximal zwölf Jahren hat. Ziel ist die Unterstützung von langfristigen Projekten von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung, die häufig einen über Fachgrenzen hinausgehenden infrastrukturellen Ertrag liefern.
Jun.-Prof. Dr. Lina Herz
Universität Hamburg
Fakultät für Geisteswissenschaften
Institut für Germanistik
E-Mail: lina.herz@uni-hamburg.de
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/de/wik/index.html
Juniorprofessorin Dr. Lina Herz (r.) mit dem Hamburger Forschungsteam vor einer Handschrift des „Wil ...
Leonie Göttling
UHH/Göttling
Eine Handschrift des „Willehalm“ im Handschriftensaal der SUB.
Leonie Göttling
UHH/Göttling
Criteria of this press release:
Journalists, Scientists and scholars, all interested persons
Cultural sciences, Information technology, Language / literature
transregional, national
Cooperation agreements, Research projects
German
Juniorprofessorin Dr. Lina Herz (r.) mit dem Hamburger Forschungsteam vor einer Handschrift des „Wil ...
Leonie Göttling
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Eine Handschrift des „Willehalm“ im Handschriftensaal der SUB.
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