Am 9. Januar 2026 fand die erste digitale Klausur an der Juristischen Fakultät der Universität Potsdam statt. Ca. 30 Studierende des ersten Semesters schrieben im PC-Pool mit der Prüfungssoftware EDUTIEK (Einfache DUrchführung Text-Intensiver E-Klausuren) Übungsklausuren und konnten dabei ein kostenloses Online-Gesetzbuch (lexmea.de) verwenden. Neben der herkömmlichen menschlichen Korrektur wird auch eine KI-unterstützte erprobt, die von dem bundesweiten Forschungsnetzwerk „DigitalProjekt“ entwickelt wird. Ziel ist es, Bewertungen von juristischen Prüfungen mithilfe unterstützender KI-Systeme objektiver und damit fairer zu machen.
„Aktuell sieht der Prüfungsalltag in den Rechtswissenschaften bis einschließlich des Ersten Staatsexamens noch ganz anders aus: Papier und Stift sowie zahlreiche gedruckte Gesetzestexte, die sich die Studierenden kaufen müssen“, sagt Prof. Dr. Susanne Hähnchen, die die Probeklausur zum Grundkurs von Prof. Dr. Julia Kraft organisiert hat. „Die heutige Erprobung markiert einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu bestmöglicher digitaler Unterstützung im Jura-Studium.“
Gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus Berlin, Bielefeld, Köln, München und Passau begleitet Susanne Hähnchen die Klausur in dem bundesweiten Forschungsnetzwerk „DigitalProjekt“ auch wissenschaftlich. Im Zentrum der wissenschaftlichen Untersuchungen stehen dabei die durch unterschiedlich konzipierte KI-Systeme generierten Noten (summatives Feedback) sowie Korrekturanmerkungen (formatives Feedback).
Erstmals wird es dabei nicht nur um den Vergleich des summativen Feedbacks zwischen menschlicher und KI-Korrektur gehen, wie bei den beiden Probeklausuren in Bielefeld und München. Diese haben die Forschenden des Netzwerks um Susanne Hähnchen und Michael B. Strecker von der Humboldt-Universität zu Berlin bereits ausgewertet und ihre Ergebnisse nun in der Zeitschrift „Ordnung der Wissenschaft“ veröffentlicht. „Wir konnten zeigen, dass KI-Korrekturen bereits jetzt bedeutende Vorteile bieten, sowohl mit Blick auf objektive Noten als auch auf die Individualität und den Umfang des formativen Feedbacks für die Studierenden“, sagt Erstautor Michael B. Strecker. „Studierende schreiben in der Examensvorbereitung unzählige Übungsklausuren, bei denen es weniger auf die genaue Note als vielmehr auf hilfreiches inhaltliches Feedback ankommt. Hier versprechen KI-Systeme schnelle, kostengünstige Übungsmöglichkeiten.“ Examensrelevante Bewertungen sollten zumindest in der Letztverantwortung nach Ansicht der Projektbeteiligten stets Menschen vornehmen. „Auch hier bieten KI-Korrekturen langfristig das Potenzial, den korrigierenden Personen zu signalisieren wie ‚streng‘ oder ‚gutmütig‘ sie korrigieren, um so zu mehr Objektivität beizutragen“, so Hähnchen.
Im Nachgang zur ersten KI-unterstützten Jura-Probeklausur an der Universität Potsdam soll nun nach dem bereits erfolgten Vergleich der Notengebung durch KI und Menschen vertieft die inhaltliche Qualität des formativen Feedbacks untersucht werden.
„Der Mehrwert digitaler Prüfungen für Hochschulen ist bereits eingehend analysiert worden. Die Möglichkeiten von KI-Systemen zur Unterstützung der Bewertung zu untersuchen, ist daher folgerichtig. Wenngleich im ersten Schritt noch die Sicherstellung der inhaltlichen Güte formativer KI-Feedbacks fokussiert werden muss, so ist bereits absehbar, dass sich für IT-Einrichtungen der Hochschulen die Frage nach der fachdisziplinübergreifenden Skalierbarkeit und den damit verbundenen Aufwendungen zeitnah stellen wird“, sagt Alexander Schulz, der Leiter des Zentrums für Informationstechnologie und Medienmanagement (ZIM) der Uni Potsdam, das die universitären PC-Schulungsräume für diese Prüfung temporär in eine Technology-Enhanced-Assessment-Hall (TEA-Hall) konvertiert hat.
Als Gäste waren bei der Klausur u.a. die Präsidentin des Gemeinsamen Justizprüfungsamtes Berlin-Brandenburg, Dr. Anja Teschner, sowie Dr. Thomas Habbe, Referent im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, anwesend, um einen Eindruck von den aktuellen Möglichkeiten zu erhalten.
Fotos:
Die Computer eines Computerpools des Campus Griebnitzsee wurden für die digitale Klausur eigens konfiguriert. Foto: Thomas Roese
Die Organisatoren und Gäste der digitalen Probeklausur besuchen vorab den Prüfungsraum. In der Mitte (sprechend): Alexander Schulz, Leiter des ZIM der Universität Potsdam. Foto: Thomas Roese
Michael B. Strecker führt die Arbeit mit dem kostenlosen Online-Gesetzbuch (lexmea.de) vor. Foto: Thomas Roese
Die Veröffentlichung zu bisherigen KI-gestützten Jura-Klausuren online:
Strecker/Hähnchen/Herberger u.a., KI-Unterstützung und Rohpunkteschemata: Die Zukunft der juristischen Klausurkorrektur? OdW 2026, 1-14, open access unter: https://ordnungderwissenschaft.de/wp-content/uploads/2025/12/Herberger.pdf
Keynote von Alexander Schulz zu digitalem Prüfen an Hochschulen online:
Schulz, A. (2022). Keynote: Digitales Prüfen an Hochschulen: Die Theorie der Praxis, Vortrag auf dem e-Prüfungs-Symposium 2022, Technische Universität Hamburg, 25.11.2022, Hamburg unter: https://www.mat.tuhh.de/veranstaltungen/eps2022/Book_of_abstracts_final.pdf
Das kostenlose Online-Gesetzbuch:
www.lexmea.de
Kontakt:
Prof. Dr. Susanne Hähnchen, Juristische Fakultät
Tel.: 0331/977-3335
E-Mail: ls-haehnchen@uni-potsdam.de
Medieninformation 09-01-2026 / Nr. 004
Matthias Zimmermann
Universität Potsdam
Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Am Neuen Palais 10
14469 Potsdam
Tel.: 0331/977-1474
Fax: 0331/977-1130
E-Mail: presse@uni-potsdam.de
Internet: www.uni-potsdam.de/presse
Prof. Dr. Susanne Hähnchen, Juristische Fakultät
Tel.: 0331/977-3335
E-Mail: ls-haehnchen@uni-potsdam.de
Strecker/Hähnchen/Herberger u.a., KI-Unterstützung und Rohpunkteschemata: Die Zukunft der juristischen Klausurkorrektur? OdW 2026, 1-14, open access unter: https://ordnungderwissenschaft.de/wp-content/uploads/2025/12/Herberger.pdf
https://www.uni-potsdam.de/de/nachrichten/detail/2026-01-09-jurastudium-mit-ki-e...
Criteria of this press release:
Journalists, Scientists and scholars
Law
transregional, national
Research projects, Studies and teaching
German

You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.
You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).
Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.
You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).
If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).