idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
01/12/2026 08:30

Nicht jeder Nudge wirkt – Lehren aus der Gaskrise

Bastian Thüne Presse und Redaktion
ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH Mannheim

    Können kleine verhaltensökonomische Impulse („Nudges“) private Haushalte in der Energiekrise zu mehr Einsparungen beim Gasverbrauch bewegen? Eine aktuelle Studie des ZEW Mannheim, der Universität Paderborn und der Vrije Universiteit Amsterdam hat diese Frage untersucht. In einem Feldexperiment mit knapp 2.600 Haushalten während der Energiekrise 2022/23 zeigte sich: Soziale Vergleiche und schriftliche Erinnerungen an geplante Sparmaßnahmen können die individuelle Sparanstrengung in Hochpreisphasen zwar grundsätzlich stützen, dennoch zeigen sich klare Einschränkungen. Teilweise können sie sogar zu gegenteiligen Effekten führen.

    „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Haushalte während extremer Preisspitzen ohnehin stark sparen. Zusätzliche Nudges entfalten nur dann eine Wirkung, wenn sie gezielt abgestimmt werden. Sie sollten jedoch nicht als ‚One size fits all‘-Baustein missverstanden werden“, ordnet Prof. Dr. Martin Kesternich, Professor für Volkswirtschaftslehre im Paderborn Research Center for Sustainable Economy (PARSEC) an der Universität Paderborn und Research Associate im ZEW-Forschungsbereich „Umwelt- und Klimaökonomik“, die Ergebnisse ein. „Vor allem ein Vergleichsfeedback, das den eigenen Haushaltsverbrauch in Relation zu anderen Haushalten darstellt, birgt ein Risiko: Wenn eine Person erfährt, dass der eigene Haushalt mehr spart als der Durchschnitt, reduziert dies möglicherweise ihre Anstrengungen.“

    „Verhaltenspolitische Instrumente sind keineswegs wirkungslos. Doch in Hochpreisphasen zeigt sich, dass Nudges an ihre Grenzen stoßen“, ergänzt Ko-Autorin Dr. Madeline Werthschulte von der Vrije Universiteit Amsterdam und Junior Research Associate im ZEW-Forschungsbereich „Umwelt- und Klimaökonomik“.

    Bumerang-Effekt beim sozialen Vergleich

    Besonders auffällig sei der sogenannte „Bumerang-Effekt“. Haushalte, die eine Rückmeldung erhielten, dass sie im Vergleich zu anderen überdurchschnittlich viel Gas einsparen, reduzierten in der Folge ihre Bemühungen. Umgekehrt motivierte die Information, weniger als andere einzusparen, die Teilnehmenden nicht vollumfänglich zu höheren Einsparungen. Damit zeigt die Studie, dass selbst unter den Bedingungen einer akuten Energiekrise soziale Vergleichsinformationen auch kontraproduktiv sein können.

    Erinnerungen schließen keine Umsetzungslücke

    Auch Erinnerungsschreiben an geplante Energiesparmaßnahmen erzielten nur geringe Effekte. Zwar ließen sich in alternativen Berechnungen Einsparungen von rund einem Prozentpunkt feststellen, statistisch robust sind diese Ergebnisse jedoch nicht. Zudem zeigten begleitende Befragungen, dass viele Haushalte ihre eigenen Sparmöglichkeiten überschätzten oder geplante Investitionen – etwa in Dämmung oder wassersparende Duschköpfe – nicht umsetzten. Der Intention-Action-Gap (die Diskrepanz zwischen Absicht und Handeln) bleibt also bestehen.

    Über die Studie

    Die Studie basiert auf einem Feldexperiment in Kooperation mit einem großen deutschen Energieversorger. Rund 2.600 Haushalte nahmen zwischen Oktober 2022 und März 2023 am sogenannten Gasbonusprogramm teil. Teilnehmende erhielten finanzielle Prämien für die Reduktion ihres witterungsbereinigten Gasverbrauchs im Vergleich zu den Vorjahren. Maximal konnten 165 Euro pro Haushalt erzielt werden – bestehend aus individuellen Boni sowie einem zusätzlichen Gemeinschaftsbonus, wenn alle Teilnehmer gemeinsam bestimmte Einsparziele erreichten.

    Im Rahmen des Programms testeten die Forscher zwei verhaltensökonomische Instrumente: (1) Soziale Vergleiche der eigenen Einsparungen im Verhältnis zum Durchschnitt der Gruppe und (2) Erinnerungsschreiben an geplante Sparmaßnahmen. Die Wirkung dieser Maßnahmen wurde mit Hilfe von Verbrauchsdaten und begleitenden Befragungen ausgewertet.


    Contact for scientific information:

    Prof. Dr. Martin Kesternich
    Research Associate im ZEW-Forschungsbereich „Umwelt- und Klimaökonomik“
    Tel.: +49 (0)5251 60-4709
    E-Mail: martin.kesternich@upb.de


    Original publication:

    ZEW Policy Brief: https://www.zew.de/fileadmin/FTP/policybrief/de/pb16-25.pdf


    Images

    Criteria of this press release:
    Business and commerce, Journalists, all interested persons
    Economics / business administration, Environment / ecology
    transregional, national
    Research results
    German


     

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).