idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
01/15/2026 14:53

Hagener Archiv „Deutsches Gedächtnis“ ist Forschungsdatenzentrum

Benedikt Reuse Stabsstelle Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit
FernUniversität in Hagen

    Das FernUni-Archiv stellt Oral-History-Interviews mit Zeitzeug:innen für Forschungen bereit. Jetzt hat es der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten offiziell als Forschungsdatenzentrum akkreditiert.

    „Forschungsdaten haben innerhalb der letzten zehn Jahre unheimlich an Bedeutung gewonnen“, erklärt Dr. Almut Leh, Geschäftsführerin des Instituts für Geschichte und Biographie (IGB) der FernUniversität in Hagen. „Innerhalb der Geschichtswissenschaft hat dadurch auch die Oral History eine stärkere Aufmerksamkeit bekommen.“ Der Begriff Oral History steht für eine geschichtswissenschaftliche Methode, die persönliche Lebensgeschichten vor allem in narrativen Interviews erfasst. Dabei stehen subjektive Erfahrungen und Erinnerungen der Zeitzeug:innen im Zentrum. Einflussreicher Vertreter dieser Methode ist seit seiner Gründung Anfang der 1990er Jahre das Hagener IGB, dessen Archiv „Deutsches Gedächtnis“ tausende Interviews mit Zeitzeug:innen aufbewahrt. Jetzt hat der Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten (RatSWD) das Archiv offiziell als Forschungsdatenzentrum akkreditiert.

    Für die FernUniversität, die ihr Profil als digitale „DatenUni“ weiter stärken möchte, ist das ein konsequenter Schritt – und eine gute Nachricht: Durch die Akkreditierung wird das Archiv „Deutsches Gedächtnis“ Teil eines einflussreichen Netzwerks von 39 Forschungsdatenzentren in Deutschland, die datenschutzkonform und qualitätsgesichert sensible quantitative und qualitative Daten für die Wissenschaft bereitstellen.

    Neben einem Bestand aus rund 4.000 Zeit:zeuginnen-Interviews, die als Filme oder Tondokumente vorliegen, sichert das Archiv über 1.000 Autobiografien, Tagebücher, Briefsammlungen und viele andere subjektive Erinnerungszeugnisse. Entstanden sind die Interviews seit Beginn der 1980er-Jahre – im Rahmen der zeitgeschichtlichen Forschung des Instituts und seiner Vorläuferprojekte. Hinzu kommt Material, übergeben von anderen Wissenschaftler:innen verschiedener Fächer.

    Quellenschatz der Oral History

    „Das Archiv ‚Deutsches Gedächtnis‘ war im Prinzip schon immer das ‚Forschungsdatenzentrum‘ unseres Instituts – auch, wenn es noch nicht so hieß“, so Almut Leh. „Üblicherweise entstehen historische Quellen nicht im Forschungsprozess, sondern sind schon vorher da“, erklärt die Geschichtswissenschaftlerin. Anders in der Oral History: „Das Besondere hierbei ist, dass wir uns mit unseren Interviews eigene Quellen schaffen, eben Forschungsdaten – so wie sie zum Beispiel auch bei psychologischen Erhebungen entstehen.“

    Professioneller Umgang mit Daten

    Die generierten Daten sind personenbezogen und oft sensibel, weshalb es im Archiv klare Regeln mit Blick auf die Aufbewahrung, Einsicht und weitere Verarbeitung gibt. „Der verantwortungsvolle Umgang mit Daten war für uns seit jeher ein wichtiger Punkt“, sagt Leh. Das bedeutet einerseits den Schutz der Daten nach hohen Standards, andererseits aber auch die Öffnung für Sekundäranalysen: „Für uns war immer klar, dass die Interviews über unsere eigenen Projekte hinaus genutzt werden würden.“ Der Grund ist ein natürlicher: Zeug:innen, etwa des Nationalsozialismus und zweiten Weltkriegs, versterben – die Archivierung der Interviews bewahrt ihre Erinnerungen für die Nachwelt.

    Nutzbarkeit erleichtern

    Auch deshalb ist dem Team des Instituts wichtig, die gesammelten Forschungsdaten für angemeldete Nutzer:innen auch online erreichbar zu machen und sammlungsbergreifende Recherchen zu erleichtern – etwa durch die Beteiligung an der webbasierten Infrastruktur „oral-history.digital“, in der das Archiv „Deutsches Gedächtnis“ derzeit bereits über 1.500 Interviews bereitstellt. „Damit sind wir der größte Anbieter von Daten bei oral-history.digital“, ordnet Leh ein. „Die leichtere Zugänglichkeit über die Plattform steigert wiederum die Nachfrage.“ Das gilt nicht nur für Forschende, sondern zum Beispiel auch für Studierende, für die das Quellenmaterial eine perfekte Ausgangslage für Abschluss- und Seminararbeiten bieten kann.

    Technik erhöht das Potenzial

    Angesichts der stetig wachsenden Fülle an Filmen, Tonaufnahmen, Briefen und vielem mehr bleiben die Hagener Forschenden immer am Ball: Zur Sichtung, Transkription, Verzeichnung und Dokumentation der historischen Quellen nutzen sie moderne Mittel – zum Beispiel automatische Spracherkennung und andere KI-Werkzeuge. Die digitale Technik gibt der Oral History weiteren Auftrieb. „Früher hat man vielleicht 30 Interviews miteinander vergleichen können, heute kann man sich leicht 300 auf einmal vornehmen und nach Gemeinsamkeiten untersuchen“, nennt Almut Leh ein Beispiel. Neben der Technik soll es bald auch mehr „Manpower“ geben: „Wir sind sehr froh, dass wir mit Beginn des Jahres eine Archivmitarbeiterin einstellen konnten, um uns weiter zu professionalisieren und unsere Forschungsdaten so vielen Menschen wie möglich zugänglich zu machen.“


    More information:

    https://www.fernuni-hagen.de/geschichteundbiographie/ Institut für Geschichte und Biographie
    https://www.fernuni-hagen.de/geschichteundbiographie/deutschesgedaechtnis/ Archiv „Deutsches Gedächtnis“


    Images

    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars
    History / archaeology, Politics, Social studies
    transregional, national
    Research projects, Transfer of Science or Research
    German


     

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).