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01/21/2026 10:09

Gesunder Lebensstil und Zugang zu Abnehmmedikamenten: Leopoldina Policy Brief zu Prävention und Therapie von Adipositas

Sonja Kastilan Abteilung Wissenschaftskommunikation
Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina

    Jedes sechste Kind, zwei Drittel der Männer und die Hälfte der Frauen leiden in Deutschland an Übergewicht oder starkem Übergewicht. Ab einem Body-Mass-Index (BMI) von 30 sprechen Fachleute von Adipositas. Ein heute erschienener Policy Brief in der Reihe „Leopoldina Fokus“ der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina schlägt Strategien zur Eindämmung von Adipositas vor. Die beteiligten Autorinnen und Autoren empfehlen, Maßnahmen zur Prävention und Therapie zu verbinden, beispielsweise durch Abgaben auf stark zucker- oder fetthaltige Lebensmittel und eine bessere Zugänglichkeit zu Adipositas-Medikamenten wie die Abnehmspritze.

    Adipositas ist eine komplexe und weit verbreitete chronische Erkrankung, die zu schweren Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Diabetes oder Krebs führen kann. Hinzu kommt, dass Adipositas große soziale Auswirkungen hat, mit Diskriminierung verbunden ist und gesellschaftliche Teilhabe erschwert. Die Zahlen steigen – Fachgesellschaften sprechen gar von einer „Adipositas-Epidemie“. Der Policy Brief stellt zudem dar, wie starkes Übergewicht hohe gesamtgesellschaftliche Kosten verursacht. Laut den Autorinnen und Autoren lassen sich die Folgekosten auf 2 bis 3 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts schätzen, also circa 113 Milliarden Euro. Durch eine Kombination von Präventionsmaßnahmen und neuen Therapieansätzen ließen sich Kosten sparen bzw. hohe Gesundheitsgewinne erzielen.

    Die Autorinnen und Autoren schlagen für die Vermeidung von Adipositas frühe Präventionsmaßnahmen vor, die bereits in der Schwangerschaft oder in Kitas ansetzen, beispielsweise durch die Vermittlung von Gesundheits- und Bewegungskompetenzen. Sie empfehlen zudem regulatorische Maßnahmen wie Abgaben auf stark zucker- oder fetthaltige Lebensmittel. Solche auch als „Zuckersteuer“ bekannten Abgaben haben in anderen Ländern wie im Vereinigten Königreich große Wirkung erzielt. Maßnahmen dieser Art könnten auch durch eine Verringerung der Abgaben auf gesunde Lebensmittel begleitet werden. Die Autorinnen und Autoren sprechen sich zudem für eine nationale Adipositas-Präventionsinitiative aus, die Maßnahmen ressortübergreifend koordiniert und die Datengrundlage zur Adipositas verbessert.

    Um Adipositas-Patientinnen und -Patienten effektiv zu behandeln, betonen die Autorinnen und Autoren, dass verschiedene Therapieformen individuell aufeinander abgestimmt werden sollten. Dazu zählen die Verschreibung von Abnehm-Medikamenten, Lifestyle-Interventionen wie Gesundheitsverhaltenstrainings, psychologische Unterstützung oder – wo nötig – chirurgische Eingriffe wie Magen-Bypässe. Medikamente wie Abnehmspritzen, sogenannte Inkretin-Mimetika, unterstützen beim Gewichtsverlust und vermeiden Begleiterkrankungen wie Typ-2-Diabetes. Diese Medikamente sind derzeit jedoch kaum für Adipositas-Betroffene verfügbar. Die Gesetzgebung verhindert, dass die Kosten der Inkretin-Mimetika für die Adipositas-Behandlung von den Krankenkassen übernommen werden. Die Autorinnen und Autoren sprechen sich für eine Anpassung der Gesetzgebung aus, um moderne Adipositas-Medikamente für alle betroffenen Bevölkerungsgruppen zugänglich zu machen.

    Der Leopoldina-Fokus „Prävention stärken & neue Therapieansätze nutzen: Wie lässt sich die Adipositas-Epidemie eindämmen?“ ist auf der Website der Leopoldina veröffentlicht: https://www.leopoldina.org/adipositas

    In der Reihe „Leopoldina Fokus“ erscheinen Policy Briefs, die aktuelle Themen aus wissenschaftlicher Perspektive einordnen. Sie basieren auf dem fachlichen Austausch ausgewiesener Expertinnen und Experten der Leopoldina. Dieser Policy Brief wurde von der Arbeitsgruppe „Strategien zur Prävention und Therapie der Adipositas“ erarbeitet. Zur Arbeitsgruppe: https://www.leopoldina.org/aufgaben/empfehlen-und-beraten/politikberatung-in-deu...

    Medienkontakt:
    Sonja Kastilan
    Leiterin der Abteilung Wissenschaftskommunikation
    Tel.: +49 (0)345 472 39-800
    E-Mail: presse@leopoldina.org

    Über die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina:
    Als Nationale Akademie der Wissenschaften leistet die Leopoldina unabhängige wissenschaftsbasierte Politikberatung zu gesellschaftlich relevanten Fragen. Dazu erarbeitet die Akademie interdisziplinäre Stellungnahmen auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse. In diesen Veröffentlichungen werden Handlungsoptionen aufgezeigt, zu entscheiden ist Aufgabe der demokratisch legitimierten Politik. Die Expertinnen und Experten, die Stellungnahmen verfassen, arbeiten ehrenamtlich und ergebnisoffen. Die Leopoldina vertritt die deutsche Wissenschaft in internationalen Gremien, unter anderem bei der wissenschaftsbasierten Beratung der jährlichen G7- und G20-Gipfel. Sie hat rund 1.700 Mitglieder aus mehr als 30 Ländern und vereinigt Expertise aus nahezu allen Forschungsbereichen. Sie wurde 1652 gegründet und 2008 zur Nationalen Akademie der Wissenschaften Deutschlands ernannt. Die Leopoldina ist als unabhängige Wissenschaftsakademie dem Gemeinwohl verpflichtet.

    Die Leopoldina auf Bluesky: https://bsky.app/profile/leopoldina.org

    Die Leopoldina auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/company/nationale-akademie-der-wissenschaften-leopoldin...

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    https://www.leopoldina.org/


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    Criteria of this press release:
    Journalists
    Medicine, Nutrition / healthcare / nursing, Social studies, Sport science, Teaching / education
    transregional, national
    Scientific Publications
    German


     

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