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01/28/2026 17:00

Licht polt Magneten um

Reto Caluori Kommunikation
Universität Basel

    Forschenden der Universität Basel und der ETH Zürich ist es gelungen, einen besonderen Ferromagneten mithilfe eines Laserstrahls umzupolen. Mit dieser Methode könnten zukünftig anpassbare elektronische Schaltkreise mit Licht erzeugt werden.

    In einem Ferromagneten gilt: einzeln schwach, gemeinsam stark. Damit sich eine Kompassnadel nach Norden ausrichtet oder ein Kühlschrankmagnet an der Kühlschranktür haften bleibt, müssen sich die unzähligen Elektronenspins in deren Innerem, die einzeln nur ein winziges Magnetfeld erzeugen, alle in dieselbe Richtung ausrichten. Dies geschieht durch Wechselwirkungen zwischen den Spins, die stärker sein müssen als die ungeordnete thermische Bewegung im Ferromagneten. Liegt die Temperatur des Materials unter einem kritischen Wert, so wird es ferromagnetisch.

    Umgekehrt gilt: Um das Magnetfeld eines Ferromagneten umzupolen, muss man ihn normalerweise zunächst über seine kritische Temperatur erwärmen. Dann können sich die Elektronenspins neu orientieren, und nach dem Abkühlen zeigt das Magnetfeld des Ferromagneten schliesslich in eine andere Richtung.

    Einem Forschungsteam um Prof. Dr. Tomasz Smoleński von der Universität Basel und Prof. Dr. Ataç Imamoğlu von der ETH Zürich ist es nun gelungen, eine solche Neuausrichtung allein mithilfe von Licht zu erreichen – ganz ohne Aufheizen. Ihre Ergebnisse dazu haben sie soeben im Fachjournal «Nature» veröffentlicht.

    Wechselwirkungen und Topologie

    «Das Spannende an unserer Arbeit ist, dass wir hier die drei grossen Themen der modernen Festkörperphysik in einem Experiment vereint haben: starke Wechselwirkungen zwischen den Elektronen, Topologie und dynamische Kontrolle», sagt Imamoğlu. Dazu verwendeten die Forschenden ein spezielles Material aus zwei hauchdünnen Schichten des organischen Halbleiters Molybdänditellurid, die leicht gegeneinander verdreht sind.

    In solchen Materialien können sich sogenannte topologische Zustände bilden. Vereinfacht kann man sagen, dass sich topologische Zustände dadurch charakterisieren lassen, ob sie zum Beispiel wie ein Ball (kein Loch) oder wie ein Teigkringel (ein Loch) aussehen. Dabei ist wichtig, dass sich ein Ball nicht einfach durch Verformung in einen Teigkringel verwandeln lässt und topologische Zustände daher eindeutig und dauerhaft definiert sind.

    In den neuen Experimenten, die von Smoleński und Imamoğlu gemeinsam angeleitet wurden, konnten die Elektronen zwischen solchen topologischen Zuständen, die isolierend sind, und metallischen, also leitenden Zuständen umgeschaltet werden. Bemerkenswert ist dabei, dass die Wechselwirkungen die Elektronen in beiden Zuständen dazu bewegen, sich parallel zueinander auszurichten, wodurch das Material zu einem Ferromagneten wird.

    «Der Clou ist nun, dass wir mithilfe eines Laserpulses die kollektive Ausrichtung der Spins ändern können», sagt ETH-Doktorand Olivier Huber, der die Experimente zusammen mit seinem Kollegen Kilian Kuhlbrodt und Tomasz Smoleński durchgeführt hat. Das war für einzelne Elektronen schon vor einigen Jahren gelungen, doch neu ist nun das «Umschalten» oder Umpolen des gesamten Ferromagneten. «Dieses Umschalten ist dauerhaft, und zudem beeinflusst die Topologie die Dynamik des Umschaltens», sagt Smoleński.

    Dynamische Kontrolle des Ferromagneten

    Mit dem Laserpuls können so auch neue Begrenzungslinien gezogen werden, innerhalb derer sich der topologische ferromagnetische Zustand befindet. Dies kann wiederholt geschehen, wodurch eine dynamische Kontrolle der topologischen und ferromagnetischen Eigenschaften des Materials möglich ist. Um nachzuweisen, dass sich der nur wenige Mikrometer grosse Ferromagnet tatsächlich umgepolt hatte, massen die Forschenden die Reflektion eines zweiten, viel schwächeren Laserstrahls, welche Auskunft über die Orientierung der Elektronenspins gab.

    «Mit unserer Methode können wir in Zukunft beliebige und anpassbare topologische Schaltkreise auf einem Chip optisch erzeugen», sagt Smoleński. Auf diese Weise könnten dann zum Beispiel winzige Interferometer realisiert werden, mit denen sich extrem kleine elektromagnetische Felder messen lassen.


    Contact for scientific information:

    Prof. Dr. Tomasz Smoleński, Universität Basel, Departement Physik, Tel. +41 61 207 37 85, E-Mail: tomasz.smolenski@unibas.ch

    Prof. Dr. Ataç Imamoğlu, ETH Zürich, Departement Physik, Tel. +41 44 633 45 70, E-Mail: iatac@ethz.ch


    Original publication:

    Olivier Huber, Kilian Kuhlbdrodt et al.
    Optical control over topological Chern number in moire materials
    Nature (2026), doi: 10.1038/s41586-025-09851-w
    https://www.nature.com/articles/s41586-025-09851-w


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    Mit einem Laserpuls (blau) konnten die Forschenden einen ferromagnetischen Zustand in einem speziellen Material aus verdrehten atomaren Lagen (rot) umpolen.
    Mit einem Laserpuls (blau) konnten die Forschenden einen ferromagnetischen Zustand in einem speziell ...
    Source: Enrique Sahagún, Scixel
    Copyright: Universität Basel, Departement Physik


    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars, all interested persons
    Materials sciences, Physics / astronomy
    transregional, national
    Research results, Scientific Publications
    German


     

    Mit einem Laserpuls (blau) konnten die Forschenden einen ferromagnetischen Zustand in einem speziellen Material aus verdrehten atomaren Lagen (rot) umpolen.


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