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01/29/2026 10:00

Neuer Datensatz zeigt: Alterung in Ostdeutschland schritt bereits vor 60 Jahren schneller voran

Dr. Christian Fiedler Pressestelle
Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB)

    Dass die Bevölkerung in Ostdeutschland schneller altert als die im Westen, wird oftmals mit den Folgen der ökonomischen Unsicherheit nach der Wiedervereinigung in Verbindung gebracht. Die nach 1990 erfolgte Abwanderung junger Menschen in den Westen und ein Rückgang des Geburtenniveaus haben diese Entwicklung verstärkt. Allerdings zeigt ein Blick auf die langfristige Perspektive des demografischen Wandels: Die räumlichen Unterschiede im Alterungsprozess in Deutschland reichen teilweise deutlich weiter zurück. Dies geht aus neuen Analysen eines Datensatzes des Bundesamts für Kartographie und Geodäsie (BKG) hervor, an denen das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) mitgewirkt hat.

    „Schon zur Zeit des Mauerbaus Anfang der 1960er Jahre war die Bevölkerung in den Kreisen der damaligen DDR durchschnittlich älter als in der Bundesrepublik“, erklärt Dr. Frank Swiaczny vom BiB. Regionen wie Sachsen und der Osten Brandenburgs waren schon damals von der demografischen Alterung besonders stark betroffen. In Sachsen hing dies unter anderem mit strukturellen wirtschaftlichen Belastungen aufgrund der deutschen Teilung sowie dem Rückgang von traditionell starken Wirtschaftsbeziehungen mit Regionen im heutigen Tschechien zusammen. „Demgegenüber wiesen jene Städte und Regionen in Ostdeutschland, die im Fokus von Investitionen durch die DDR-Führung standen, besonders junge Bevölkerungsstrukturen auf“, so Swiaczny. Dazu zählten unter anderem die Hafenstadt Rostock sowie die neu aufgebauten Schwerindustriestandorte Eisenhüttenstadt und Schwedt.

    In Westdeutschland war Anfang der 1960er Jahre der Anteil älterer Menschen insbesondere im katholisch geprägten Nordwesten vergleichsweise niedrig. Diese Regionen verzeichneten damals und zum Teil noch heute ein überdurchschnittlich hohes Geburtenniveau. Daneben wiesen auch Standorte der Schwerindustrie wie das Ruhrgebiet und das Saarland junge Bevölkerungen auf. In vielen Städten wie etwa München oder Stuttgart war die Bevölkerung dagegen älter als im jeweiligen Umland, weil damals viele junge Familien in die neu entstehenden Vorstädte wegzogen.

    Bemerkenswerter Wandel in Berlin

    Heute sind in Gesamtdeutschland vor allem abgelegene ländliche und strukturschwache Regionen stärker gealtert. In vielen Groß- und Universitätsstädten sind die Bevölkerungen hingegen auch aufgrund von Zuwanderung aus dem Ausland deutlich jünger. Eine bemerkenswerte Diskontinuität stellt die Entwicklung Berlins dar: Das geteilte Berlin nahm Anfang der 1960er Jahre eine Spitzenposition bei der Alterung ein. Heute weist die Hauptstadt – sowohl im ost- als auch im westdeutschen Vergleich – einen besonders niedrigen Anteil älterer Menschen auf. Berlin profitiert dabei von der Zuwanderung junger Menschen aus anderen Regionen Deutschlands und dem Ausland.

    Neuer Geodatensatz umfasst Daten seit 1945

    Der neue Geodatensatz „Verwaltungsgebiete Historisch (VG-Hist)“ beinhaltet die Verwaltungsgebiete auf Kreisebene im Gebiet des heutigen Deutschlands von 1945 bis 2025. Damit liegen erstmals harmonisierte Kartengrundlagen vor, welche die zahlreichen Gebietsstandsänderungen der Kreise in Deutschland seit 1945 vollständig berücksichtigen. Mit ihm lassen sich historische Zeitreihen – etwa demografische und sozioökonomische Daten aus Volks- und Wohnungszählungen – für alle administrativen Gebietsstände von 1945 bis 2025 kartografisch visualisieren. „Damit steht für Deutschland erstmals ein qualitätsgesicherter Datensatz zur Verfügung, der die Kartierung langfristiger Entwicklungen von regionalen Unterschieden in Deutschland in konsistenter Form erlaubt“, ergänzt Jörgen Spradau vom BKG. Für das Produkt haben zahlreiche Institutionen und Behörden zusammengearbeitet – durch Bereitstellung von Daten, Entwicklung eines einheitlichen Datenmodells und Konsistenzprüfungen. Das BKG hat die Daten aufbereitet und georeferenziert.


    Contact for scientific information:

    Dr. Frank Swiaczny Frank.Swiaczny@bib.bund.de
    Prof. Dr. Sebastian Klüsener Sebastian.Kluesener@bib.bund.de


    More information:

    https://gdz.bkg.bund.de/index.php/default/digitale-geodaten/verwaltungsgebiete/v...


    Images

    Bevölkerung 65 Jahre und älter je 100 Einwohner – BRD 1961/DDR 1964 und Deutschland 2024
    Bevölkerung 65 Jahre und älter je 100 Einwohner – BRD 1961/DDR 1964 und Deutschland 2024

    Copyright: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB)


    Criteria of this press release:
    Journalists
    Geosciences, Politics, Social studies, Traffic / transport
    transregional, national
    Research results
    German


     

    Bevölkerung 65 Jahre und älter je 100 Einwohner – BRD 1961/DDR 1964 und Deutschland 2024


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