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01/30/2026 10:27

Weniger Regulierungen bringen mehr

Dr. Jutta Gröschl Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Institut für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn

    Ziel der aktuellen Wirtschaftspolitik ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in Deutschland zu stärken. Dazu gehört nach Untersuchungen des IfM Bonn auch, die gesetzlichen Vorgaben im Zuge der Dekarbonisierung so zu gestalten, dass der Mittelstand seine originären Stärken - Flexibilität, Kreativität - ausspielen kann.

    Überwiegend herrscht in den Familienunternehmen in Deutschland Konsens darüber, dass es der ökologischen Transformation bedarf. Aktuell stellt sich jedoch aus Sicht des Mittelstands die Frage, wie die Unternehmen den klimafreundlichen Umbau erreichen – und trotzdem wettbewerbsfähig bleiben können.

    "Der Mittelstand wird die ökologische Transformation umso erfolgreicher umsetzen, je besser die Politik diese ganzheitlich durchdenkt. Nur so können die Familienunternehmen ihre spezifischen Vorteile wie Flexibilität und Kreativität einbringen, um die gewünschten Ziele zu erreichen. Derzeit gibt es jedoch ein Sammelsurium von unterschiedlichen und nicht aufeinander abgestimmten Maßnahmen: Neben umweltökonomischen Elementen wie dem CO2-Zertifikatehandel gibt es eine Vielzahl an ordnungsrechtlichen Vorgaben, Berichtspflichten und Förderungen", erläutert IfM-Projektleiter Hans-Jürgen Wolter.

    Gemeinsam mit seinem Team hat er in der Studie "Ordnungspolitische Rahmenbedingungen für eine zukunftsorientierte Mittelstandspolitik" die Frage untersucht, wie die gesetzlichen Vorgaben in Deutschland so gestaltet werden können, dass sie den Herausforderungen der Dekarbonisierung gerecht werden – und zugleich dem Mittelstand die Möglichkeit geben, seine originären Stärken auszuspielen. Dabei stellten sie fest, dass die in Deutschland und der Europäischen Union immer noch weit verbreiteten Ge- und Verbote und umfassenden Informationspflichten zu enormen bürokratischen Belastungen für die mittelständischen Unternehmen führen. Zugleich verhindern die Vorgaben kreative, unternehmensindividuelle Lösungen.

    "Die Wirtschaftspolitik muss den mittelständischen Unternehmen Planungssicherheit bieten, damit sie sich auf ihr unternehmerisches Kerngeschäft konzentrieren können", appelliert Hans-Jürgen Wolter. "Zugleich muss sie auf eine Verhältnismäßigkeit der Vorgaben achten. Oder anders ausgedrückt: Eine Klimapolitik, die mögliche Wohlstands- und Arbeitsplatzverluste sowie soziale Umverteilungswirkungen in Deutschland nicht berücksichtigt, läuft Gefahr, aufgrund mangelnder Akzeptanz zu scheitern. Ebenso stößt eine Klimapolitik auf wenig Verständnis, die zu De-Industrialisierung, Verlagerung der Produktion in Staaten mit geringeren Standards und anschließendem Re-Import der Güter von dort führt."

    Um die mittelständischen Unternehmen in Deutschland im Zuge des EU Emissions Trading System nicht gegenüber ihren Mitbewerbern in anderen Staaten zu benachteiligen, empfehlen die IfM-Wissenschaftler beispielsweise, die Einnahmen aus der einheitlichen Bepreisung von Treibhausgasemissionen pauschal an alle Unternehmen zurückzugeben, die am jeweiligen Emissionshandel teilnehmen. Alternativ könnten aber auch den Marktteilnehmern CO2-Zertifikate im Rahmen von Emissionshandelssystemen kostenfrei zugeteilt werden. Im Hinblick auf die beabsichtigten Lenkungswirkungen ist es schließlich irrelevant, ob den Unternehmen reale Kosten oder Opportunitätskosten in Form entgangener Gewinne entstehen. Die aktuell für die EU vorgesehene Einführung eines Grenzausgleichsmechanismus ist hingegen aus Mittelstandsperspektive zu kompliziert und bürokratisch. Insgesamt würden es die IfM-Wissenschaftler befürworten, wenn der Zeitraum für die Umsetzung der ökologischen Transformation gestreckt würde, damit die mittelständischen Unternehmen in der Lage sind, alle notwendigen Investitionen umzusetzen. Schließlich müssen auch die Wertschöpfungsketten und Geschäftsmodelle, die oft über viele Jahrzehnte entwickelt wurden, mit großem Aufwand und unter erheblichen Risiken neu aufgebaut werden.


    More information:

    https://www.ifm-bonn.org/fileadmin/data/redaktion/publikationen/ifm_materialien/...


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    Criteria of this press release:
    Business and commerce, Journalists, Scientists and scholars, Students, Teachers and pupils, all interested persons
    Economics / business administration
    transregional, national
    Research results
    German


     

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