Ein neues, EU-gefördertes Forschungsprojekt aus Brandenburg setzt auf digitale und personalisierte Therapien, um Gefäßerkrankungen wirksamer zu behandeln und Amputationen zu vermeiden.
Die Präsidenten der Medizinischen Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB), Prof. Dr. Hans-Uwe Simon, und der Technischen Hochschule Brandenburg (THB), Prof. Dr. Andreas Wilms, haben sich in dieser Woche getroffen, um das gemeinsame Projekt „ECMAdigital“ vorzustellen - ein Programm zur besseren Behandlung von Gefäßerkrankungen im Land Brandenburg. Es wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) im Rahmen des Programms „StaF-Verbund 2023 - Stärkung technologischer und anwendungsnaher Forschung“ gefördert.
Viele Menschen in Brandenburg leiden unter verkalkten Gefäßen, die die Beine oder das Herz schlecht durchbluten. Sogenannte atherosklerotische Verschlusskrankheiten zählen zu den häufigsten Ursachen für chronische Durchblutungsstörungen und funktionelle Einschränkungen. Aufgrund von peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK) werden in Deutschland jährlich mehr als 80.000 Amputationen oberhalb des Knöchels durchgeführt.
Durch eine frühzeitige Diagnostik, strukturierte Prävention und eine gezielte Therapie hätten schwere Verläufe in vielen Fällen vermieden werden können. Hier setzt das von der Europäischen Union kofinanzierte und gemeinsam von der MHB und der THB entwickelte Projekt „ECMAdigital“ an. Ziel ist es, neue digitale und personalisierte Therapieansätze zu entwickeln und in die Versorgung zu überführen.
Grundlage des Projekts ist ein von der MHB entwickeltes, äußerlich anwendbares Verfahren zur gezielten Stimulation von Muskeln und Gefäßen. Dabei wird der Blutfluss mithilfe von Manschetten an den Extremitäten gesteuert und zeitweise beschleunigt. Durch diese kontrollierten Strömungsreize werden die Arterien ähnlich belastet wie bei intensiver körperlicher Aktivität. "Die Therapie imitiert gewissermaßen die positiven Effekte von Ausdauertraining auf die Gefäße, ohne dabei die Patientinnen und Patienten körperlich stark zu belasten. Diese sogenannte Flussmedizin eignet sich insbesondere für Patientinnen und Patienten, die krankheitsbedingt nicht ausreichend trainieren können oder bereits in ihrer Mobilität eingeschränkt sind", erklärt PD Dr. Philipp Hillmeister, Leiter des Projekts auf Seiten der MHB.
Als ein Effekt dieses "Trainings" wird die Gefäßregeneration angeregt und es kommt zur Neubildung kleiner Umgehungsgefäße, die die Durchblutung nachhaltig verbessern. Der Erfolg einer solchen Therapie bleibt jedoch begrenzt, wenn sie nicht im Rahmen eines patientenzentrierten Ansatzes erfolgt. "Es hat sich zunehmend gezeigt, dass nachhaltige Behandlungserfolge vor allem dann erreicht werden, wenn individuelle und personalisierte Therapiekonzepte verfolgt werden, die neben dem Gefäßstatus auch den Lebensstil, die Lebenssituation sowie körperliche und seelische Faktoren der Patientinnen und Patienten berücksichtigen. Diese Patientendaten werden dazu in einer Datenbank systematisch erfasst und durch ein spezielles diagnostisches Verfahren ergänzt. Auf dieser Grundlage sollen dann mithilfe von KI-Analysen und Machine-Learning-Verfahren personalisierte Empfehlungen zur Optimierung der Therapie generiert werden", erklärt Prof. Dr. Andreas Johannsen von der THB die technische Seite des Vorhabens.
Bei dem gemeinsamen Termin wurden wesentliche Projektbestandteile wie die zentrale Datenbank, ein Fragebogen zu Beinschmerzen und ein Therapiegerät namens „Marathor“ gezeigt. Und auch die beiden Präsidenten lobten die hochschulübergreifende Kooperation: "ECMAdigital hilft Patientinnen und Patienten individuell und modern. Unser Ziel ist es, ihnen eine bessere Durchblutung, weniger Schmerzen und ein aktiveres Leben zu ermöglichen und so Amputationen zu verhindern, die in Deutschland leider immer noch zu oft nötig sind", blicken die Präsidenten Hans-Uwe Simon und Andreas Wilms voraus.
PD Dr. Philipp Hillmeister
Forschungsleiter Angiologie
philipp.hillmeister@mhb-fontane.de
THB-Präsident Prof. Dr. Andreas Wilms, Prof. Dr. Andreas Johannsen (THB), PD Dr. Philipp Hillmeister ...
Source: THB/Norman Giese
Copyright: THB/Norman Giese
Korrektur im zweiten Absatz. Dort ist leider eine falsche Zahl genannt. Richtig muss es lauten: "Aufgrund von peripherer arterieller Verschlusskrankheit (PAVK) werden in Deutschland jährlich mehr als 18.500 Amputationen oberhalb des Knöchels durchgeführt."
Criteria of this press release:
Journalists, Scientists and scholars, all interested persons
Biology, Information technology, Medicine, Nutrition / healthcare / nursing
transregional, national
Cooperation agreements, Research projects
German

THB-Präsident Prof. Dr. Andreas Wilms, Prof. Dr. Andreas Johannsen (THB), PD Dr. Philipp Hillmeister ...
Source: THB/Norman Giese
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