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02/10/2026 15:49

Demokratieerfahrungen junger Fridays-for-Future-Aktivistinnen und -Aktivisten

Dr. Antje Mohr Wissenschaftskommunikation
Hochschule Fulda

    Dr. Christina Cazzini hat untersucht, welche Demokratieerfahrungen junge Aktivistinnen und Aktivisten der Jugendbewegung vor dem Hintergrund der Klimakrise machen. Zugleich liefert sie Ansätze, wie diese Erfahrungen der Sozialen Arbeit helfen können, demokratische Strukturen zu stärken und deren Weiterentwicklung zu fördern.

    Die Demokratie und grundlegende Prinzipien, wie Gleichheit und Freiheit, werden vielerorts infrage gestellt. Der Ruf nach Alternativen erscheint bedrohlich laut. „Soziale Arbeit, die sich in Praxis und Theorie als demokratisch verstehen und denken will, sollte gerade jetzt die sich zeigenden Schieflagen und Potentiale ausloten und hierzu Gesellschaft auf unterschiedlichste Weise befragen“, meint Dr. Christina Cazzini.

    Die Jugendhilfeplanerin hat wissenschaftlich untersucht, welche Erfahrungen junge Menschen in der Fridays-for-Future-Bewegung mit Demokratie machen. „In sozialen Bewegungen wird sichtbar, wo Demokratie blockiert wird und wo sich neue Möglichkeiten für demokratisches Handeln eröffnen“, sagt sie und erläutert: „Soziale Bewegungen liefern neben offensichtlichen demokratischen Praxen, wie Demonstration und freier Meinungsäußerung, auch Einblicke in Aktionsformen und Aushandlungsprozesse, die für die Öffentlichkeit meist unsichtbar bleiben.“

    Rekonstruktion der Erfahrungen

    In qualitativen Interviews befragte Christina Cazzini die Aktivistinnen und Aktivisten, wie sie innerhalb der Bewegung agieren und wie sie mit äußeren Strukturen umgehen. Dabei legte sie einen Demokratiebegriff aus radikal-demokratischer Perspektive zugrunde, der Demokratie nicht nur als Regierungssystem versteht, sondern als einen offenen Prozess und als Praxis der Aushandlung von Konflikten. Aus den so gesammelten Daten rekonstruierte sie die Demokratieerfahrungen der jungen Menschen vor dem Hintergrund der Klimakrise.

    Suchbewegung und Statuspassage

    Ihre Befunde legen nahe, dass die befragten jungen Aktivistinnen und Aktivisten eine Suchbewegung vollziehen, die den Übergang ins politische gemeinsame Handeln ermöglicht. „Es wird eine Statuspassage mit verschiedenen Phasen sichtbar, also eine Entwicklung im persönlichen und politischen Lebensweg sowie in der kritischen Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Machtverhältnissen.“ Die Autorin beschreibt das als „Passagen des Politischen“.

    Neue Praxen gegen Ungleichheit

    Diese Passagen ermöglichen weitergehende Entwicklungen: „Die jungen Menschen setzen sich mit Gesellschaft und Politik auseinander, aber auch mit ihrer Protestbewegung selbst. Sie erleben Selbstwirksamkeit, aber auch Kontroversen über Teilhabe und Strukturen in einer keineswegs homogenen Bewegung. Dabei reproduzieren sie auch bestehende gesellschaftliche Verhältnisse wie Geschlechter- oder Hierarchieverhältnisse und versuchen, mit Strategien aktiv gegenzusteuern.“

    So habe sich gezeigt, dass es eine männliche Rededominanz in Ortsgruppen gibt, gleichzeitig weibliche Aktivistinnen in der Öffentlichkeit selbstverständlich reden. Eine Strategie seien neue Beteiligungsverfahren, wie etwa das Steuern von Redebeiträgen durch Redelisten, die auf unterschiedlichsten Organisationsebenen der Jugendbewegung umgesetzt würden.

    Gesellschaftliche Widersprüche nutzbar machen

    Um diese Erkenntnisse für eine Politische Theorie der Sozialen Arbeit fruchtbar zu machen, plädiert die Autorin dafür, Wege zu finden, um Ungleichheitserfahrungen kontinuierlich zu hinterfragen und so ex negativo, also aus dem Erleben von Ungleichheit, neue Praxen von Demokratie zu ermöglichen.

    Aufgabe einer Politischen Theorie Sozialer Arbeit – verstanden als kritische befragende Metapraxis – wäre es demnach, gesellschaftliche Widersprüche theoretisch zu reflektieren und damit praktisch nutzbar zu machen. „Utopischen und noch unbenannten Gehalten von Demokratie kann man sich auf diese Weise annähern. So bleibt Demokratie eine niemals endende theoretische und praktische Herausforderung – gerade für die Soziale Arbeit.“

    Kontakt:
    Wissenschaftskommunikation
    Hochschule Fulda
    Dr. Antje Mohr
    antje.mohr@verw.hs-fulda.de
    +49 661 9640 1050


    Original publication:

    https://doi.org/10.3224/84743173


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    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars, Students, Teachers and pupils, all interested persons
    Social studies
    transregional, national
    Scientific Publications
    German


     

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