Wer sich auf eine neue Stelle bewirbt, sollte mit politischen Äußerungen vorsichtig sein. Denn die Personalverantwortlichen lassen sich davon beeinflussen, ob und wie sich jemand politisch äußert – insbesondere in Richtung extremer politischer Ränder. Steht die politische Meinung der des Recruiters entgegen, sinken die Jobchancen. Das zeigt eine Studie der Universität des Saarlandes, die vor Kurzem im Journal of Business and Psychology veröffentlicht wurde.
Im Zeitalter digitaler Bewerbungsverfahren greifen Personalverantwortliche zunehmend auch auf Plattformen wie LinkedIn zurück, um sich ein Bild über die Bewerberinnen und Bewerber zu machen. Viele Menschen teilen dort aber nicht nur berufsrelevante Informationen, sondern auch politische Inhalte, die nahelegen, welcher politischen Strömung sie sich zugehörig fühlen. „Diese Informationen werden aber nicht nur beiläufig wahrgenommen, sondern sie können das Urteil der Entscheidungsträger in den Personalabteilungen entscheidend prägen“, erklärt Dr. Denise Vesper, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität des Saarlandes.
Sie hat gemeinsam mit weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern untersucht, wie diejenigen, die in den Personalabteilungen Bewerbungen sichten, auf politische Äußerungen der Bewerberinnen und Bewerber reagieren und ob sie diese Personen am Ende auch einstellen würden. Dazu haben sie 350 französischen Entscheidungsträgern ein fiktives LinkedIn-Profil vorgelegt, dessen politische Ausrichtung systematisch zwischen extrem, moderat oder neutral variiert wurde.
Waren sich Bewerber und Bewerter in politischer Hinsicht näher, hatte die betreffende Person eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass sie positiver bewertet wird. „Extreme politische Positionen führten hingegen zu signifikant kritischeren Bewertungen – selbst bei gleicher Qualifikation“, so Denise Vesper weiter. „Wurde eine Person auf dem fiktiven Karriereprofil politisch moderat dargestellt, hat der Personalverantwortliche sie zwar durchaus ambivalenter beurteilt, die Reaktion war jedoch weniger stark negativ als bei einer Extremposition“, führt die Wissenschaftlerin weiter aus. Erstaunlich ist auch, dass mehr als ein Fünftel der 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angab, politische Informationen aktiv in die Entscheidungsfindung einzubeziehen.
Die Studie ist insbesondere für zentralistische politische Systeme wie zum Beispiel das französische aussagekräftig. Die Herausgeber des Journal of Business and Psychology fanden die Erkenntnisse der saarländischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler derart bemerkenswert, dass sie sie mit einer „Editor Commendation“ hervorgehoben haben. Diese Auszeichnung wird nur wenigen Aufsätzen in Fachjournalen zuteil. In diesem Fall ist das Paper von Denise Vesper und Kollegen einer von 16 ausgewählten Aufsätzen.
Dr. Denise Vesper
Tel.: (0681) 3023303
E-Mail: denise.vesper@uni-saarland.de
Vesper, D., Mönke, F.W., Regh, T.S.D. et al. Evaluating Potential Political Bias in Recruitment: Effects of Extreme vs. Moderate Party Affiliaton. J Bus Psychol (2025). https://doi.org/10.1007/s10869-025-10096-7
Criteria of this press release:
Journalists
Economics / business administration, Politics, Psychology
regional
Research results, Scientific Publications
German

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