Eine aktuelle Analyse des RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung zeigt, wie groß die ungenutzten Potenziale sind: Würden mehr Menschen in Arbeit gebracht, könnte das BIP einmalig um bis zu 12,3 Prozent steigen – und sich von diesem neuen Niveau aus weiterentwickeln. Gleichzeitig würden die öffentlichen Haushalte jährlich um bis zu 143 Milliarden Euro entlastet.
Die RWI-Ökonomen Niklas Isaak, Robin Jessen und RWI-Präsident Christoph M. Schmidt simulieren in ihrer Wirtschaftsdienst-Analyse verschiedene Szenarien zur Aktivierung von Nichterwerbstätigen. Dabei fokussieren sie sich auf 4,7 Millionen Personen unter 65 Jahren – jene Zahl ergibt sich nach Abzug einer natürlichen Arbeitslosenrate von 3,5 Prozent. Zusätzlich heben die Forscher in ihrer Modellrechnung die Erwerbsbeteiligung der 65- bis 74-Jährigen auf schwedisches Niveau. Dort arbeiten 20 Prozent dieser Altersgruppe – in Deutschland sind es nur neun Prozent.
Deutliche Effekte auf Wachstum und Staatsfinanzen
Die Studie verwendet das RWI-Einkommensteuer-Mikrosimulationsmodell (EMSIM), um die Auswirkungen auf das BIP sowie auf die Steuer- und Sozialbeitragseinnahmen und die Sozialausgaben zu berechnen. Die Ergebnisse sind selbst bei konservativen Annahmen beachtlich: Würden alle Erwerbsfähigen unter 65 Jahren einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen und Rentnerinnen und Rentner im Umfang von 20 Stunden pro Woche tätig sein, würde das BIP einmalig um 12,3 Prozent im Vergleich zum Status quo steigen. Gleichzeitig würde der Staatshaushalt jährlich um 143 Milliarden Euro durch höhere Steuern und Sozialbeiträge sowie geringere Transferausgaben entlastet werden.
Auch bei geringerer Arbeitszeit bleiben die Effekte groß. Bei durchschnittlich 35 bzw. 15 Wochenstunden ergäbe sich ein um 10,6 Prozent höheres BIP und eine fiskalische Entlastung von 122 Milliarden Euro. Selbst bei einer geringen Aktivierung von 28 bzw. 11 Wochenstunden würde sich ein BIP-Plus von 8,3 Prozent sowie jährliche fiskalische Mehreinnahmen von knapp 94 Milliarden Euro ergeben.
Die „doppelte Dividende” für die Gesellschaft
„Die Aktivierung des Arbeitskräftepotenzials ist eine besonders wirksame Stellschraube auf der Angebotsseite“, sagt RWI-Ökonom Robin Jessen. „Sie ermöglicht eine doppelte Dividende: Höhere Einnahmen durch Steuern und Abgaben stehen sinkenden Ausgaben für Sozialtransfers gegenüber. Dadurch entstehen größere Spielräume, um die hohe Abgabenlast für Unternehmen und Haushalte zu senken und gleichzeitig zentrale Herausforderungen wie die Dekarbonisierung, die Verteidigungsfähigkeit und den demografischen Wandel zu finanzieren.“
Die Sozialversicherungen werden besonders stark entlastet. Da die neu aktivierten Erwerbspersonen bereits krankenversichert sind, können ihre zusätzlichen Beitragszahlungen zu direkten Senkungen des Beitragssatzes führen.
Politische Weichenstellungen für 2026
Die Autoren betonen, dass die Aktivierung ungenutzter Arbeitskräfte in der Regel nicht mit hohen Kosten verbunden ist. Maßgeblich sind vor allem der Abbau von Regulierungshemmnissen und bessere Anreize. Angesichts eines geschätzten Potenzialwachstums von derzeit unter 0,5 Prozent pro Jahr stellt die Mobilisierung der „stillen Reserve“ das wichtigste verfügbare Leistungsreservoir der deutschen Volkswirtschaft dar.
„Wir brauchen 2026 einen echten Reformschub“, mahnt Jessen. „Erwerbsarbeit bedeutet gesellschaftliche Teilhabe. Das ist nicht nur wirtschaftlich klug, sondern auch sozial geboten, wenn wir unseren Wohlstand bei schrumpfender Bevölkerung erhalten wollen.“
Dr. Robin Jessen, robin.jessen@rwi-essen.de, Tel.: 030 2021 598-23
https://doi.org/10.2478/wd-2026-0010
https://Dies ist eine mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellte Pressemitteilung des Originaltextes: Isaak, Niklas, Robin Jessen, and Christoph M. Schmidt. 2026. "Entfesselung des Arbeitskräftepotenzials für Wachstum und entlastete Staatsfinanzen." Wirtschaftsdienst 2026 (106, 1): 28-34. doi: https://doi.org/10.2478/wd-2026-0010. Der Text wurde unter den Gesichtspunkten der KI-Regelungen am RWI sorgfältig überprüft und überarbeitet.
Criteria of this press release:
Business and commerce, Journalists, Scientists and scholars, Students, Teachers and pupils, all interested persons
Economics / business administration, Politics
transregional, national
Research results, Transfer of Science or Research
German

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