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02/24/2026 09:25

Künstlerin Tina Reichel auf DGTHG-Jahrestagung in Köln: Interview über die Gemeinsamkeiten zwischen Kunst und Medizin

Sandra Arens Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V.

    Auf der 55. Jahrestagung der DGTHG am vergangenen Wochenende in Köln gab es dieses Mal einen neuen Blickfang: die Kunstausstellung der Düsseldorferin Tina Reichel, die im Confex ausgewählte Skulpturen und Malereien zeigte. Das Ziel dahinter? Zwischen Sitzungen, Workshops und Seminaren einen Raum zum Innehalten zu schaffen. Der Plan ist aufgegangen! Im Interview erzählt Tina Reichel, wie es zu der Verbindung mit der DGTHG kam und warum Medizin und Kunst wunderbar zusammenpassen.

    DGTHG: Frau Reichel, eine wissenschaftlich medizinische Jahrestagung ist ein ungewöhnlicher Anlass für eine Kunstausstellung. Wie kam es dazu?

    Tina Reichel: Der Kontakt entstand durch den Tagungspräsidenten Prof. Hagl, den ich auf einer meiner Ausstellungen kennengelernt habe. Er ist länger vor meinen Arbeiten stehen geblieben, wir kamen ins Gespräch – und daraus entstand sein Wunsch, meine Werke in einen völlig anderen Kontext zu bringen: in die Welt der Herzmedizin. Das habe ich als große Anerkennung empfunden – weil es zeigt, dass meine Arbeiten nicht nur im Kunstkontext wirken, sondern auch dort berühren, wo Menschen täglich unter höchster Verantwortung arbeiten. Für mich ist diese Einladung deshalb etwas sehr Besonderes: Sie ist kein kuratorisches Konzept von außen, sondern aus einer echten Resonanz heraus entstanden.

    DGTHG: Sie sind gewohnt, dass die Menschen Ihre Ausstellungen besuchen, um gezielt Ihre Kunst zu betrachten. Auf unserer Jahrestagung treffen Sie hingegen auf ein Publikum mit anderem Fokus. Wie empfinden Sie das?

    Tina Reichel: Genau das liebe ich! Die Besucherinnen und Besucher kommen nicht wegen der Kunst. Sie begegnen ihr also unvorbereitet. Ohne Erwartung, ohne Urteil. Und genau dann geschieht oft etwas Echtes. Jemand bleibt stehen, atmet, schaut noch einmal hin – und geht anders weiter, als er gekommen ist. Das ist für mich der kostbarste Moment.

    DGTHG: Können denn solche Momente in einem Gebäude wie dem Confex entstehen, das eher sachlich und nüchtern ist? Tina Reichel: Gerade eine klare, sachliche Umgebung kann die Wirkung von Kunst verstärken. Meine Arbeiten setzen bewusste Kontrapunkte: organische Formen, lebendige Oberflächen, wechselnde Perspektiven. In einem reduzierten Umfeld werden diese Eigenschaften besonders deutlich wahrgenommen. Das Confex bietet damit keinen Widerspruch, sondern eine Bühne – die Kunst darf dort wirken, ohne mit anderen Reizen zu konkurrieren.

    DGTHG: Welche Ihrer Werke sind im Confex zu betrachten?

    Tina Reichel: Ich zeige ausgewählte abstrakte Malereien und Bronze-Skulpturen, die aus einer geformten Leinwand hervorgegangen sind. Bei der Auswahl steht der Raum übrigens auch immer im Fokus: Licht, Architektur, Blickachsen und Bewegungsströme bestimmen, welche Werke ihre Wirkung entfalten können.

    DGTHG: Spielt bei der Auswahl auch unser herzmedizinischer Kontext eine Rolle?

    Tina Reichel: Das sehe ich eher übergeordnet: Natürlich lassen sich die Komplexität und Verantwortung der Herzchirurgie in keiner Weise mit dem künstlerischen Schaffensprozess gleichsetzen. Medizin entscheidet über Menschenleben – Kunst nicht. Die Verbindung zum Herzensthema entsteht für mich daher ausschließlich auf einer inspirativen Ebene: Meine Arbeiten möchten Räume öffnen, in denen Wahrnehmung geschärft, Perspektiven geweitet und innere Klarheit gefördert werden – Dinge, die sicher auch für jede Herzchirurgin und jeden Herzchirurgen sehr wichtig sind. Wenn Kunst in diesem Umfeld eine begleitende, energetische Wirkung entfalten kann, empfinde ich das als sehr wertvoll.

    Denken Sie, dass Kunst unsere Gesundheit beeinflussen kann?

    Tina Reichel: Ich glaube ja – nicht im medizinischen Sinn, sondern auf der Ebene, auf der wir Menschen überhaupt erst anfangen, uns gut oder nicht gut zu fühlen. So, wie es im Confex anders ist als in einer Galerie, weil die Menschen nicht vorbereitet sind und nichts erwarten, wirkt Kunst auch anders als etwas, das man bewusst für seine Gesundheit nutzt. Man läuft vorbei, man bleibt stehen, man atmet anders, man wird stiller oder klarer. Oder wacher! Und genau dort beginnt für mich Gesundheit. Nicht als Messwert, sondern als innerer Zustand. Als ein Moment, in dem etwas in uns in Ordnung kommt, ohne dass wir es steuern. Ich erlebe oft, dass meine Arbeiten genau das auslösen: Sie holen Menschen kurz aus dem inneren Druck heraus; aus dem Funktionieren, aus dem Müssen — und bringen sie für einen Moment zurück in ein anderes Erleben.

    DGTHG: Was meinen Sie damit konkret?

    Tina Reichel: Dabei denke ich an die Entstehungsgeschichte meiner Bronze-Skulpturen. Sie sind aus einem vermeintlichen „Kunstfehler“ hervorgegangen: Eine Leinwand ist mir eingerissen. Statt sie zu entsorgen, verspürte ich den Impuls, daraus etwas Neues entstehen zu lassen. Ich knüllte die Leinwand zusammen – und hatte sofort das Gefühl: Oh mein Gott, das ist großartig. Diese Form habe ich anschließend konserviert und als Vorlage für meine Bronze-Skulpturen genutzt. Für mich zeigt das sehr deutlich, dass aus einem vermeintlichen Fehler durch einen Perspektivwechsel und ein anderes Erleben etwas Wunderbares entstehen kann – sei es in der Herzmedizin, in der Kunst oder in jedem anderen Bereich. Wir sollten gnädiger mit uns selbst sein und Dinge, die wir zunächst als Niederlage empfinden, neu bewerten. Es ist wie ein inneres Aufräumen. Vielleicht brauchen wir alle mehr solcher Räume im Alltag – Räume, in denen wir nicht ständig leisten müssen, sondern einfach sein dürfen.

    Wir danken Ihnen für das Gespräch und die tolle Ausstellung auf der DGTHG-Jahrestagung!


    Contact for scientific information:

    DGTHG-Geschäftsstelle
    Langenbeck-Virchow-Haus
    Luisenstraße 58/59
    10117 Berlin
    030 519995690
    info@dgthg.de


    Original publication:

    https://dgthg.de/aktuelles/ausstellung-auf-dgthg-jahrestagung-in-koeln-kuenstler...


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    Kunstausstellung auf der DGTHG-Jahrestagung
    Kunstausstellung auf der DGTHG-Jahrestagung
    Source: Jörg Heupel
    Copyright: DGTHG

    Tina Reichel auf der 55. Jahrestagung der DGTHG
    Tina Reichel auf der 55. Jahrestagung der DGTHG
    Source: Jörg Heupel
    Copyright: DGTHG


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    attachment icon Tina Reichel auf der 55. Jahrestagung der DGTHG in Köln

    Criteria of this press release:
    Journalists
    Medicine
    transregional, national
    Miscellaneous scientific news/publications, Scientific conferences
    German


     

    Kunstausstellung auf der DGTHG-Jahrestagung


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