Demokratie wird nicht nur in Parlamenten verhandelt, sondern im Alltag gelebt – in Sportvereinen, Feuerwehren, Kulturinitiativen oder ehrenamtlichen Zusammenschlüssen. Genau dort gerät sie zunehmend unter Druck. Wie sich diese Entwicklungen konkret in Hessen zeigen, untersucht die Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Charlotte Dany von der Hochschule Darmstadt (h_da) im hessenweiten Forschungsverbund „DemoReg“.
Der Forschungsverbund „DemoReg“ – kurz für „Demokratische Regression“ – vereint rund 35 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Hochschulen für Angewandte Wissenschaften, Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen in ganz Hessen. Ziel ist es, den vielfach diagnostizierten „Druck auf die Demokratie“ empirisch zu untersuchen und präziser zu fassen. Statt von einem linearen Rückschritt sprechen die Forschenden von Regression als komplexem Transformationsprozess: demokratische Praktiken werden verschoben, neu verhandelt – oder ausgehöhlt.
Die h_da bringt dabei eine spezifische Perspektive ein: Prof. Dr. Charlotte Dany aus dem Fachbereich Gesellschaftswissenschaften erforscht, wie sich regressive Tendenzen in der Zivilgesellschaft bemerkbar machen. Im Fokus stehen hessische Vereine und Initiativen – von klassischen Ehrenamtsstrukturen bis hin zu politischen oder kulturellen Zusammenschlüssen. „Rechtsextreme Akteure versuchen gezielt, über Vereine Anschluss zu finden, Vertrauen aufzubauen und insbesondere junge Menschen zu erreichen“, so Dany. Gleichzeitig geraten zivilgesellschaftliche Organisationen zunehmend unter politischen und finanziellen Druck, etwa durch Zweifel an ihrer Gemeinnützigkeit oder den Entzug von Fördermitteln.
Methodisch arbeitet das Forschungsteam mit qualitativen Interviews, Medienanalysen und partizipativen Formaten vor Ort. Geplant sind unter anderem Workshops mit Jugendlichen sowie öffentliche Diskussionsveranstaltungen, etwa in Kooperation mit der Evangelischen Akademie Frankfurt. „Wir wollen zuhören und verstehen, wie Konflikte erlebt und ausgehandelt werden – auch jenseits klassischer Demokratiearbeit“, erklärt Dany. Deshalb werden bewusst auch Vereine einbezogen, die nicht automatisch mit aktivem Engagement für die Demokratie assoziiert werden, etwa Schützenvereine oder die Landfrauen.
Im Kern geht es um ein grundlegendes Dilemma der Demokratie: Wie viel Offenheit verträgt, wieviel Abgrenzung braucht sie? Konkret: Wie offen kann und muss ein Verein sein, wenn einzelne Mitglieder antidemokratische Positionen vertreten? Wann untergräbt Toleranz demokratische Werte, wann ist womöglich ein Ausschluss von Mitgliedern nötig? Dieses Spannungsfeld lässt sich nicht mit einfachen Regeln auflösen. Neben wissenschaftlichen Publikationen sollen deshalb auch praxisnahe Ergebnisse entstehen: ein Wegweiser für Vereine, der typische Konfliktlagen beschreibt, bewährte Strategien bündelt und Orientierung bietet – zugeschnitten auf die hessische Zivilgesellschaft. Erkenntnisse aus ostdeutschen Bundesländern, wo ähnliche Fragen bereits intensiver erforscht wurden, fließen dabei ein.
Das Projekt „DemoReg“ läuft bis 2028. Ziel ist es, eine belastbare empirische Grundlage zu schaffen – und Impulse zu geben, die über die Wissenschaft hinauswirken. „Demokratieprobleme lösen sich nicht von selbst“, betont Professorin Dany. „Umso wichtiger ist es, diejenigen zu stärken, die Demokratie im Alltag tragen.“
Ein ausführlicher Artikel zum Thema findet sich in unserem Wissenschaftsmagazin impact: https://impact.h-da.de/demokratieforschung
Hochschule Darmstadt (h_da)
Die Hochschule Darmstadt (h_da) ist eine der größten deutschen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAWs). Sie bietet ihren aktuell 14.000 Studierenden ein praxisnahes und anwendungsorientiertes Studium in den Bereichen MINT, Wirtschaft und Gesellschaft sowie Architektur, Medien und Design. Viele Projekte und Inhalte in Studium, Forschung und gesellschaftlichem Transfer beschäftigen sich mit den Zukunftsthemen Nachhaltige Entwicklung, Mobilität und Digitalisierung. Die h_da betreibt ein eigenes Promotionszentrum Nachhaltigkeitswissenschaften und vergibt als erste und einzige deutsche Hochschule den akademischen Grad eines Doktors der Nachhaltigkeitswissenschaften. Visionär ist die europäische Hochschulallianz „European University of Technology (EUT+)“, der die h_da angehört: Gemeinsam mit acht weiteren Hochschulpartnern und gefördert von der EU-Kommission möchte die h_da zu einem neuen Hochschultyp zusammenwachsen – zur „Europäischen Universität“.
Website h_da: https://h-da.de
Website EUT+: https://www.univ-tech.eu
Fachliche Ansprechpartnerin für die Medien
Hochschule Darmstadt
Fachbereich Gesellschaftswissenschaften
Prof. Dr. Charlotte Dany
Schöfferstraße 12 – 64295 Darmstadt
Tel +49 6151 – 533 60586
Mail charlotte.dany@h-da.de
Prof. Dr. Charlotte Dany vom Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Hochschule Darmstadt (h_da) ...
Source: Samira Schulz
Copyright: h_da/Samira Schulz
Criteria of this press release:
Business and commerce, Journalists, Scientists and scholars, Students, Teachers and pupils, all interested persons
Social studies, Teaching / education
transregional, national
Cooperation agreements, Research projects
German

Prof. Dr. Charlotte Dany vom Fachbereich Gesellschaftswissenschaften der Hochschule Darmstadt (h_da) ...
Source: Samira Schulz
Copyright: h_da/Samira Schulz
You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.
You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).
Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.
You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).
If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).