idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
02/25/2026 11:30

Beim Hören zählt die Zeit

Theresa Mair Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Medizinische Universität Innsbruck

    MED-EL stiftet Professur für Experimentelle Audiologie – Philipp Zelger ist seit dem 1. Februar Professor für Experimentelle Audiologie. Diesen Lehrstuhl hat die Medizinische Universität Innsbruck gemeinsam mit MED-EL an der Univ.-Klinik für Hör-, Stimm- und Sprachstörungen geschaffen. Das global tätige Unternehmen entwickelt hochpräzise implantierbare Hörsysteme und wird als erstes gemeinsames Projekt mit Zelger die frühe Anpassung von Cochlea-Implantaten erforschen und dabei auch KI einbinden.

    Innsbruck, 25. Februar 2026: MED-EL ist europaweit führend in der Entwicklung und Herstellung von Cochlea-Implantaten. In den kommenden fünf Jahren finanziert das in Innsbruck ansässige Unternehmen eine Stiftungsprofessur für Experimentelle Audiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck – und Philipp Zelger ist der erste Professor, der am 1. Februar berufen wurde. „Mit Philipp Zelger wurde ein visionärer Physiker und Audiologe berufen, mit dem wir bereits in der Vergangenheit erfolgreich Forschungsprojekte umgesetzt haben. Mit ihm werden wir auch in Zukunft in Innsbruck ambitionierte Forschung im Sinne der weltweit rund 1,5 Milliarden Menschen mit Hörbeeinträchtigungen vorantreiben“, sagt Ingeborg Hochmair, die mit ihrem Ehemann Erwin Hochmair das Unternehmen gegründet und aufgebaut hat.
    Der Rektor der Medizinischen Universität Innsbruck, Gert Mayer, freut sich, dass die seit Jahrzehnten auf wissenschaftlicher Ebene bestehende Partnerschaft mit MED-EL mit einer Stiftungsprofessur weiter gestärkt wird: „Als langjähriger Kliniker weiß ich um die Bedeutung von Zusammenarbeit mit engagierten Partner:innen innerhalb der Kliniken, der Medizinischen Universität und auch darüber hinaus, damit Forschungserkenntnisse in Medizinprodukten aufgehen und den Patient:innen zugutekommen können. Ich wünsche Philipp Zelger und MED-EL viel Erfolg für ihre Vorhaben.“
    Simone Graf, Direktorin der Universitätsklinik für Hör-, Stimm- und Sprachstörungen (HSS), an der die Professur angesiedelt ist: „Wir betreuen pro Jahr an unserer Klinik 5.000 Patient:innen mit Hörbeeinträchtigung, Hörverlust und angeborener Gehörlosigkeit. Aufgrund der demografischen Entwicklung rechnen wir in den nächsten Jahren damit, noch viel stärker mit dem Thema Hörbeeinträchtigung und den Folgen, wie z.B. ein erhöhtes Risiko für Demenz, konfrontiert zu werden. Die WHO geht davon aus, dass im Jahr 2050 beinahe jeder vierte Mensch von einer Hörstörung, das sind dann 2,5 Milliarden, betroffen sein wird – und das betrifft nicht nur ältere Menschen, sondern auch Kinder. Beim diesjährigen Welttag des Hörens, der nächste Woche begangen wird, geht die WHO besonders auf Kinder ein. Sie betont die Wichtigkeit von Früherkennung und Therapie, um Langzeitfolgen vorzubeugen, welche die Entwicklung der Kinder beeinträchtigen können. Wir sind daher auf Forschung angewiesen und ich bin dankbar, dass wir diese Forschung nun mit Unterstützung von MED-EL intensivieren können.“

    „Nicht sehen trennt von den Dingen, nicht hören trennt von den Menschen.“ Dieses Zitat, das dem Philosophen Immanuel Kant zugeschrieben wird, kann Philipp Zelger seit seiner Zeit als Zivildiener in einem Seniorenheim gut nachvollziehen, wie er erzählt. Der 42-jährige Südtiroler hat mit 29 Jahren an der Universität Innsbruck sein Physik-Studium begonnen und mit dem Doktorat im Jahr 2021 erfolgreich abgeschlossen. Seit 2021 ist er an der HSS tätig und hat schon mehrmals auf Projektebene mit MED-EL kooperiert. Er schätzt die kurzen Wege, den kollegialen und fachlichen Austausch.

    Als Audiologe ist er auch an den jährlich rund 50 Operationen (darunter zwei bis fünf Babys) zur Implantation von Hörsystemen beteiligt, die an der Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde (Direktor: Benedikt Hofauer) durchgeführt werden. Zelger ist Mitglied des Implant-Boards: „Chirurg:innen, Logopäd:innen, Psycholog:innen und Audiolog:innen treffen miteinander die Entscheidung, ob jemand ein Hörimplantat erhält und, wenn ja, welches“, erklärt er.

    Eine Frage der Zeit
    Die Versorgung mit Cochlea-Implantaten ist zeitkritisch, vor allem in Patient:innen, die gehörlos geboren sind. Ab dem zehnten Lebensmonat werden in Innsbruck Cochlea-Implantate eingesetzt. „Je länger ein Kind nichts hört, desto schwieriger wird es, Hören, Verstehen und Sprechen zu lernen“, so Zelger. Genauso ist es für Erwachsene ratsam, z.B. nach einem Hörsturz mit einseitigem Gehörverlust oder schlechter werdendem Hörvermögen nicht lange zu warten. Bisher sieht es das Innsbrucker Protokoll vor, dass ein Implantat erst vier bis sechs Wochen nach der OP eingeschaltet wird. Für Erwachsene, die schon einmal gehört haben, bedeutet dies eine verlängerte Zeit des Wartens und der Stille. Für Babys heißt es, dass noch weitere wertvolle Zeit, in denen sie das Hören und das Verstehen lernen könnten, verstreicht. Erst danach starten bisher die Anpassungssitzungen mit den Audiolog:innen und das Hörtraining mit den Logopäd:innen. Dabei wird mit unterschiedlichen Methoden das Gerät bzw. die Lautstärke optimal angepasst „Das ist sehr aufwändig. Ein Cochlea-Implantat hat zwölf Elektroden, die alle eingestellt werden müssen“, verdeutlicht Zelger.

    Early Activation ist erstes gemeinsames Ziel
    Neue Studien weisen nun aber darauf hin, dass ein früheres Einschalten des Geräts nach der Implantation die Heilung sogar fördern könnte. Als erstes Projekt im Rahmen der Stiftungsprofessur haben MED-EL und Zelger entschieden, diesen Ansatz weiter zu verfolgen und die so genannte Early Activation zu untersuchen. „Einerseits nehmen wir die Elektrode des Implantats und verwenden sie wie ein winzig kleines EEG, um damit die Reaktion des Hörnervs zu messen. Andererseits wollen wir auch den Stapedius-Reflex verwenden: Wenn es zu laut ist, löst der Stapedius (Steigbügelmuskel, Anm.) eine Bewegung aus, die wir bei der OP sehen“, sagt Zelger. Erste Anpassungen könnten somit eventuell schon während des Eingriffs durchgeführt werden, sodass die Patient:innen ihr Implantat direkt am Tag nach der Operation verwenden könnten.

    Das Ohr wacht mit KI auf
    Zelger ist seit mehreren Jahren auch in der Lehre an der Med Uni Innsbruck engagiert, wo er den Student:innen Grundlagen der Künstlichen Intelligenz näherbringt. Auch im Early Activation-Prozess werden seine Fähigkeiten im Bereich der Künstlichen Intelligenz zum Einsatz kommen. Denn: Wer schläft oder sich unter Narkose befindet, hört weniger. Mithilfe von KI-Algorithmen werden die Einstellungen, die beim Eingriff durchgeführt werden, auf das Hörvermögen im Wachzustand hochgerechnet, um beim ersten Einschalten eine möglichst genaue Einstellung der Lautstärke zu erzielen. Das Feintuning erfolgt aber im Wachzustand.


    Contact for scientific information:

    Univ.-Prof. Philipp Zelger PhD
    Universitätsklinik für Hör-, Stimm- und Sprachstörungen
    E-Mail: Philipp.Zelger@i-med.ac.at


    More information:

    https://experts.i-med.ac.at/experte/philipp-zelger/ Philipp Zelger im Expert:innenverzeichnis
    https://hss.tirol-kliniken.at/page.cfm?vpath=hss Univ.-Klinik für Hör-, Stimm- und Sprachstörungen
    https://www.medel.com/de Website von MED-EL


    Images

    Philipp Zelger ist seit dem 1. Februar Professor für Experimentelle Audiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck
    Philipp Zelger ist seit dem 1. Februar Professor für Experimentelle Audiologie an der Medizinischen ...
    Source: F. Lechner
    Copyright: MUI

    Ein Arbeitsort von Philipp Zelger, neuberufener Professor für Experimentelle Audiologie an der Medizinischen Univerisität, ist die Camera Silenta. Im stillsten Raum Tirols führt Hör-Experimente durch.
    Ein Arbeitsort von Philipp Zelger, neuberufener Professor für Experimentelle Audiologie an der Mediz ...
    Source: F. Lechner
    Copyright: MUI


    Criteria of this press release:
    Journalists, all interested persons
    Economics / business administration, Medicine, Physics / astronomy
    transregional, national
    Personnel announcements
    German


     

    Philipp Zelger ist seit dem 1. Februar Professor für Experimentelle Audiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck


    For download

    x

    Ein Arbeitsort von Philipp Zelger, neuberufener Professor für Experimentelle Audiologie an der Medizinischen Univerisität, ist die Camera Silenta. Im stillsten Raum Tirols führt Hör-Experimente durch.


    For download

    x

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).