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02/26/2026 12:31

Millionen Frauen nutzen gynäkologische individuelle Ultraschall-Gesundheitsleistungen (IGeL) – wann sind diese sinnvoll?

Friederike Gehlenborg Pressestelle
Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM)

    Ultraschall-Expertinnen und Experten diskutieren auf einer Online-Pressekonferenz am 17. März 2026 über den Nutzen von IGeL-Leistungen

    Gynäkologische Ultraschalluntersuchungen zählen zu den am häufigsten in Anspruch genommenen individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) in Deutschland – und stehen zugleich seit Jahren im Zentrum gesundheitspolitischer Diskussionen. Nach Angaben des IGeL-Monitors nutzen rund 7,5 Millionen Frauen entsprechende Angebote, etwa 3,3 Millionen davon einen transvaginalen Ultraschall der Eierstöcke [1].

    Während ein bevölkerungsweites Screening auf Eierstockkrebs aus evidenzbasierter Sicht nicht empfohlen wird, gehört der Ultraschall in der täglichen Versorgungspraxis zu den wichtigsten bildgebenden Verfahren zur Beurteilung gynäkologischer Befunde. Wann also ist Ultraschall als Selbstzahlerleistung medizinisch sinnvoll – und wann nicht? Diese Frage steht unter anderem im Mittelpunkt einer Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) am 17. März 2026.
    Hier geht es zur Anmeldung: https://events.teams.microsoft.com/event/574de854-34ba-40c5-9912-2415233305c3@14...

    Der transvaginale Ultraschall der Eierstöcke wird in der gesundheitspolitischen Diskussion häufig an der Frage gemessen, ob er als bevölkerungsweites Screening die Sterblichkeit an Eierstockkrebs senken kann. Da hierfür keine ausreichende Evidenz vorliegt, wird ein generelles Screening derzeit nicht empfohlen [2, 3]. „Diese Perspektive greift jedoch zu kurz“, betont Professor Dr. med. Markus Hoopmann, Leiter der gynäkologischen Sonografie an der Frauenklinik des Universitätsklinikums Tübingen. „Die Annahme, dass die Diagnostik der Eierstöcke mittels Sonografie medizinisch wertlos oder gar schädlich ist, lässt völlig außer Acht, dass die Untersuchung überwiegend nicht zur Krebsfrüherkennung eingesetzt wird, sondern als ergänzende Methode zur Beurteilung von Eierstockbefunden – auch bei Frauen, die zunächst keine krankhaften Symptome aufzeigen.“ Während die gesetzliche Krebsfrüherkennung auf die Tastuntersuchung setzt, lassen sich Veränderungen der Eierstöcke durch Abtasten häufig erst ab einer Größe von fünf bis sieben Zentimetern – oft sogar erst darüber – zuverlässig erfassen. Die Ultraschalldiagnostik ermöglicht demgegenüber eine deutlich frühere bildgebende Beurteilung. „Hier bietet die Ultraschalldiagnostik einen bedeutenden Mehrwert“, so der DEGUM-Experte.

    Aus Sicht der DEGUM wird die öffentliche Diskussion dem klinischen Alltag daher nicht immer gerecht: Die Frage, ob ein Screening die Zahl der Todesfälle senkt, ist nicht gleichzusetzen mit der medizinischen Abklärung individueller Befunde im Einzelfall. Gerade darin sieht die Fachgesellschaft eine strukturelle Herausforderung für die Versorgung, denn für gesetzlich Versicherte ist der Zugang zu einer risikoarmen und breit verfügbaren Bildgebung häufig erst bei konkretem Krankheitsverdacht vorgesehen – nicht jedoch zur individuell begründeten diagnostischen Einordnung.

    Mammasonografie als Ergänzung in der Brustkrebsdiagnostik – nicht als Ersatz

    Auch die Mammasonografie wird häufig als IGeL-Leistung angeboten. Jedes Jahr erkranken rund 75.000 Frauen in Deutschland an Brustkrebs. Bei manchen handelt es sich um Vorstufen, bei anderen werden Veränderungen in der Brust entdeckt, bei denen noch unklar ist, wie sie sich weiterentwickeln werden. Das staatlich finanzierte Screening-Programm – die Mammografie – richtet sich an Frauen zwischen 50 bis 75 Jahren – und lässt dabei jüngere Patientinnen völlig außer Acht. „Gerade für Patientinnen unter 50 Jahren, die ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben, und für Frauen mit dichtem Brustdrüsengewebe empfehlen wir die Mammasonografie als ergänzende Methode zur Brustkrebsdiagnostik, da sie hier besonders exakte Bildergebnisse liefert“, betont Dr. med. Ellen Marzotko, Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe aus Erfurt. Und auch für jüngere Patientinnen hat eine Brustkrebsvorsorge eine große Relevanz: So liegen Krebserkrankungen der Brustdrüse bei jungen Patientinnen (15 bis 39 Jahre) an vorderer Stelle [4].

    Aktuelle Studien zeigen, dass ergänzende bildgebende Verfahren bei dichtem Brustgewebe zusätzliche Karzinome detektieren können. Gleichzeitig weist die DEGUM auf mögliche Nachteile hin: Zusätzliche Bildgebung kann die Rate falsch-positiver Befunde erhöhen. Dies kann weitere Kontrollen oder Biopsien nach sich ziehen. Entscheidend seien daher eine qualitätsgesicherte Durchführung, eine klare Indikationsstellung und eine umfassende Aufklärung der Patientinnen.

    Aus Sicht der DEGUM stellt sich daher die gesundheitspolitische Frage, wie ergänzende diagnostische Verfahren künftig stärker indikationsbezogen in bestehende Vorsorgestrukturen integriert werden können. „Die Debatte sollte sich weniger an der pauschalen Frage ‚IGeL – ja oder nein?‘ orientieren“, so Marzotko, „sondern stärker daran, für welche Patientin welche Untersuchung medizinisch angezeigt ist.“ Diese Grundsatzfrage steht auch im Mittelpunkt weiterer Beiträge der Online-Pressekonferenz. Diskutiert werden unter anderem der Einsatz des Ultraschalls zur Diagnostik von Schilddrüsenerkrankungen sowie der therapeutische Ultraschall als Selbstzahlerleistung bei der Behandlung der Kalkschulter.

    Die Pressemitteilung ist auch auf der DEGUM-Homepage zu finden: https://www.degum.de/presse/pressemitteilungen/im-detail/news/millionen-frauen-n...

    Quellen

    [1] Blume J, Drews M, Kalinowski I (im Auftrag des Medizinischen Dienstes Bund). IGeL-Bericht 2024: IGeL-Markt in Deutschland – Ergebnisse der Repräsentativbefragung 2024. https://www.igel-monitor.de/fileadmin/Downloads/Presse/2024_12_03_PK_IGeL_Report....

    [2] Menon U, Gentry-Maharaj A, Burnell M, Singh N, Ryan A, Karpinskyj C, Carlino G, Taylor J, Massingham SK, Raikou M, Kalsi JK, Woolas R, Manchanda R, Arora R, Casey L, Dawnay A, Dobbs S, Leeson S, Mould T, Seif MW, Sharma A, Williamson K, Liu Y, Fallowfield L, McGuire AJ, Campbell S, Skates SJ, Jacobs IJ, Parmar M. Ovarian cancer population screening and mortality after long-term follow-up in the UK Collaborative Trial of Ovarian Cancer Screening (UKCTOCS): a randomised controlled trial. Lancet 2021;397:2182-93. https://doi.org/10.1016/s0140-6736(21)00731-5.

    [3] Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF): S3-Leitlinie „Diagnostik, Therapie und Nachsorge maligner Ovarialtumoren“ – Langversion 6.0 2026. https://doi.org/10.1007/s12312-019-00671-4.

    [4] Egger-Heidrich K. et al.: Langzeitnachsorge junger erwachsener Krebsüberlebender: Empfehlungen, Lücken und Perspektiven; Journal Onkologie 1/2026; S. 20.

    ++++ Bei Abdruck Beleg erbeten. ++++

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    Vorläufige Themen und Referenten:

    Brustultraschall als Ergänzung der Früherkennung: für wen und wann sinnvoll?
    Dr. med. Ellen Marzotko
    Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe, Erfurt

    Sicherer Blick in die Eierstöcke: Wert und Grenzen des Eierstock-Ultraschalls als IGeL-Leistung
    Prof. Dr. med. Markus Hoopmann
    Leiter gynäkologische Sonografie an der Frauenklinik des Universitätsklinikums Tübingen

    Wenn der Kalk Schmerzen verursacht: Was können Ultraschall und Stoßwelle bei der Kalkschulter leisten?
    Dr. Peter Keysser
    Chefarzt, Waldburg-Zeil Kliniken, Klinik Oberammergau; stellv. Leiter des DEGUM-Arbeitskreises Bewegungsorgane

    Schilddrüse im Blick: Kann Ultraschall unnötige Eingriffe vermeiden?
    Dr. med. Viktoria Köhler
    Oberärztin, Medizinische Klinik 1 – Endokrinologie, Universitätsmedizin Frankfurt am Main

    Moderation: Friederike Gehlenborg, Pressestelle der DEGUM

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    Criteria of this press release:
    Journalists
    Medicine, Nutrition / healthcare / nursing
    transregional, national
    Miscellaneous scientific news/publications
    German


     

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