idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
03/05/2026 12:34

Nature-Studie: Klimawandel bringt tropische Insekten an ihre Hitzegrenze

Sarah Batelka Hochschulkommunikation und -marketing
Universität Bremen

    Bis zur Hälfte der Insekten im Amazonasraum könnte durch die fortschreitende menschengemachte Erderwärmung in lebensbedrohliche Hitzebereiche geraten. Das zeigt eine aktuelle Studie der Universität Bremen und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg zur Anpassungsfähigkeit von Insekten an steigende Temperaturen, die im renommierten Fachmagazin „Nature“ veröffentlicht wurde.

    „Aktuelle Auswertungen zur Hitzetoleranz von Insekten wie Faltern, Fliegen und Käfern zeichnen ein differenziertes und zugleich alarmierendes Bild“, erläutert Studienautorin Dr. Kim Holzmann, Tierökologin und Tropenbiologin am Biozentrum der Universität Würzburg. Demnach passt sich die Fähigkeit vieler Insekten, hohe Temperaturen zu ertragen, nicht einfach an ihre jeweilige Umwelt an. „Während Arten in höheren Lagen ihre Hitzetoleranz zumindest kurzfristig erhöhen können, fehlt diese Fähigkeit bei vielen Tieflandarten weitgehend.“

    Drohende Folgen für ganze Ökosysteme

    Die Studie „Limited thermal tolerance in tropical insects and its genomic signature“ („Begrenzte Hitzetoleranz bei tropischen Insekten und ihre genomische Signatur“) macht deutlich, dass tropische Insekten insgesamt nur eine sehr begrenzte Anpassungsfähigkeit an den Klimawandel besitzen. Studienautor Dr. Marcell Peters, Tierökologe der Universität Bremen , sagt: „Gerade in Regionen mit der weltweit höchsten Artenvielfalt könnten steigende Temperaturen massive Auswirkungen auf Insektenpopulationen haben. Da Insekten zentrale Funktionen in Ökosystemen erfüllen, etwa als Bestäuber, Zersetzer oder Räuber, drohen weitreichende Folgen für ganze Ökosysteme.“

    Auffällig seien zudem starke Unterschiede zwischen verschiedenen Insektengruppen. Die Forschenden führen diese Unterschiede auf den Aufbau und die Hitzestabilität von Proteinen zurück: „Diese Eigenschaften sind im evolutionären Stammbaum der Insekten vergleichsweise konserviert und lassen sich nur begrenzt verändern. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass grundlegende Merkmale der Hitzetoleranz tief biologisch verankert sind und sich nicht schnell an neue Klimabedingungen anpassen lassen“, so Peters.
    Für den Amazonasraum fällt die Prognose besonders alarmierend aus, wie Holzmann betont. „Sollten sich die globalen Ökosysteme weiter ungebremst erwärmen, werden künftig erwartete Temperaturen bei bis zu der Hälfte der dortigen Insektenarten zu kritischen Hitzebelastungen führen.“

    Bislang geringe Zahl an Messdaten

    Insekten machen rund 70 Prozent aller bekannten Tierarten aus, die meisten von ihnen leben in den Tropen. Dennoch ist bislang wenig darüber bekannt, wie gut tropische Insekten steigende Temperaturen verkraften. Ein Grund dafür ist die bislang geringe Zahl experimenteller Messdaten zur Temperaturtoleranz sowie die unzureichende Erforschung vieler Insektengruppen. Durchgeführt wurde die Studie von einem internationalen Forschungsteam und mit Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

    Für die Studie untersuchten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler experimentell die Temperaturtoleranzgrenzen von mehr als 2.000 Insektenarten. Die Daten wurden in den Jahren 2022 und 2023 in unterschiedlichen Höhenlagen in Ostafrika und Südamerika erhoben, von kühlen Bergwäldern bis zu heißen Regenwäldern und Savannen im Tiefland. Ergänzend analysierte das Team die Genome zahlreicher Arten, um die Stabilität ihrer Proteine zu untersuchen und besser zu verstehen, warum einige Insektengruppen Hitze besser ertragen als andere.


    Contact for scientific information:

    Dr. Kim Lea Holzmann, Department of Animal Ecology and Tropical Biology, Biocenter, University of Würzburg, Tel.: +49 931 31-86716, E-Mail: kim-lea.holzmann@uni-wuerzburg.de

    Dr. Marcell Peters, BIOM, Universität Bemen, Tel.: + 49 421 218-63481, E-Mail: marcell.peters@uni-bremen.de


    Original publication:

    https://doi.org/10.1038/s41586-026-10155-w


    More information:

    https://www.uni-bremen.de/universitaet/hochschulkommunikation-und-marketing/aktu...


    Images

    Ein Malachitfalter der Familie Nymphalidae aus dem Amazonastiefland von Peru.
    Ein Malachitfalter der Familie Nymphalidae aus dem Amazonastiefland von Peru.
    Source: Kim Lea Holzmann

    Eine wahrscheinlich unbeschriebene Mottenart (Perigramma sp. aus der Familie der Geometridae), welche vom Amazonas-Tiefland bis in mittleren Höhenlagen in den östlichen Anden zu finden ist.
    Eine wahrscheinlich unbeschriebene Mottenart (Perigramma sp. aus der Familie der Geometridae), welch ...
    Source: Gunnar Brehm
    Copyright: Gunnar Brehm


    Criteria of this press release:
    Journalists
    Biology, Oceanology / climate
    transregional, national
    Research results
    German


     

    Ein Malachitfalter der Familie Nymphalidae aus dem Amazonastiefland von Peru.


    For download

    x

    Eine wahrscheinlich unbeschriebene Mottenart (Perigramma sp. aus der Familie der Geometridae), welche vom Amazonas-Tiefland bis in mittleren Höhenlagen in den östlichen Anden zu finden ist.


    For download

    x

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).