DGS-Präsident Dr. Richard Ibrahim über Ursachen, chronische Verläufe und die Rolle digitaler Gesundheitsanwendungen bei Rückenschmerzen.
München, 5. März 2026: Rückenschmerzen sind nach wie vor die häufigste Form chronischer Schmerzen in Deutschland. Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) nutzt den Tag der Rückengesundheit am 15. März, um für eine bessere Prävention und Versorgung zu sensibilisieren. Dr. Richard Ibrahim, Orthopäde, Schmerzmediziner und DGS-Präsident, erklärt, warum der Weg von der Hausarztpraxis zu spezialisierten Medizinern entscheidend ist – und warum moderne Schmerztherapie heute weit mehr ist als Tabletten und Operationen.
Frage: Herr Dr. Ibrahim, was sind derzeit die häufigsten Ursachen für Rückenschmerzen?
Dr. Richard Ibrahim: Rückenschmerz ist ein Symptom mit unterschiedlichen Ursachen. Von Muskel- und Gelenkproblemen bis hin zu Veränderungen im Bereich des Spinalkanals kann vieles eine Rolle spielen. Zuletzt sahen wir vor allem unfallbedingte Rückenschmerzen – etwa durch Stürze beim Wintersport oder auf vereisten Wegen. Wenn man nicht richtig reagiert, können daraus leider schnell chronische Beschwerden werden.
Frage: Ab wann spricht man von chronischem Rückenschmerz – und was bedeutet das für Betroffene?
Dr. Richard Ibrahim: Chronisch bedeutet zunächst nur, dass Schmerzen länger als drei bis sechs Monate bestehen. Das ist keine Prognose, sondern eine zeitliche Definition. Entscheidend ist, dass in dieser Phase neben körperlichen Faktoren auch Schlafstörungen, Stress, Ängste oder depressive Verstimmungen eine Rolle spielen. Schmerz entwickelt sich zu einem eigenständigen Krankheitsbild. Deshalb braucht es eine multimodale Therapie, die Bewegung, medizinische Behandlung und psychologische Aspekte kombiniert.
Frage: Wann reicht die Behandlung durch Haus- oder Fachärzte nicht mehr aus?
Dr. Richard Ibrahim: Das Versorgungssystem ist sinnvoll gestuft aufgebaut. Aber wenn Schmerzen chronisch werden und Standardtherapien nicht greifen, sollte eine spezialisierte Schmerztherapie erfolgen. Hier kommen auch Fachärzte an ihre Grenzen, daher sollte man sich zu einem Arzt oder einer Ärztin mit der Zusatzbezeichnung „Spezielle Schmerztherapie“ überweisen lassen. Dort stehen deutlich erweiterte Therapieoptionen zur Verfügung – etwa spezialisierte medikamentöse Strategien, interventionelle Verfahren oder strukturierte multimodale Programme.
Frage: Wann ist eine Operation nötig? Und wie findet man Spezialisten?
Dr. Richard Ibrahim: Akute Fälle mit Warnsignalen wie Lähmungen, Schwäche in den Beinen oder Entzündungen erfordern rasches Handeln. In solchen Fällen kann eine Operation notwendig sein, um dauerhafte Schäden zu vermeiden. Bei chronischen Rückenschmerzen gilt jedoch: Zunächst werden alle konservativen und multimodalen Therapieoptionen ausgeschöpft. Schmerzmedizin arbeitet interdisziplinär – wir stimmen uns eng mit Orthopädie, Neurochirurgie, Psychologie und weiteren Fachrichtungen ab. Eine operative Maßnahme erfolgt nur dann, wenn sie medizinisch wirklich indiziert ist und im gemeinsamen Konsens aller beteiligten Disziplinen sinnvoll erscheint.
Frage: Viele Betroffene wünschen sich vor allem eines – schmerzfrei zu sein. Wie realistisch ist das?
Dr. Richard Ibrahim: Der Wunsch nach Schmerzfreiheit ist absolut verständlich. Unser Ziel ist es jedoch in vielen Fällen zunächst, Schmerz zu reduzieren und Funktion wiederherzustellen. Chronischer Schmerz lässt sich nicht immer „wegoperieren“ oder „wegmedikamentieren“. Entscheidend ist, dass Patienten wieder aktiv werden, Bewegung nicht aus Angst vermeiden und lernen, mit dem Schmerz umzugehen, ohne dass er ihr Leben bestimmt.
Frage: Welche Rolle spielen KI und digitale Gesundheitsanwendungen dabei?
Dr. Richard Ibrahim: Digitale Tools sind eine wichtige Ergänzung. In der ärztlichen Sprechstunde bleibt oft wenig Zeit für ausführliche Erklärung oder wiederholte Anleitung. Rückenschmerz-Apps auf Rezept, Podcasts oder virtuelle Anwendungen ermöglichen es, Inhalte zu vertiefen, Übungen regelmäßig durchzuführen und Ängste vor Bewegung abzubauen. KI erkennt dabei Fehlhaltungen und passt Übungen individuell an. Die digitalen Hilfsmittel ersetzen keine ärztliche Behandlung – aber sie unterstützen sie. Gerade bei chronischen Rückenschmerzen kann das helfen, langfristig Verhaltensänderungen zu stabilisieren.
Frage: Wo finden Betroffene Orientierung?
Dr. Richard Ibrahim: Informationen bietet die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin über ihre Website (www.dgschmerzmedizin.de) und ihre Landeszentren in allen Bundesländern. Haus- und Fachärzte können zudem gezielt an spezialisierte Schmerzmediziner überweisen.
Vielen Dank für das Gespräch!
>>> Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin e.V. (DGS) <<<
Die DGS ist mit 4.035 Mitgliedern, 16 Landeszentren und 121 Schmerzzentren die führende Fachgesellschaft zur Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen. Ihr Ziel ist die Verbesserung der Lebensqualität von Schmerzpatienten – durch eine bessere Diagnostik und eine am Lebensalltag des Patienten orientierte Therapie. Mit Kongressen wie den Schmerz- und Palliativtagen vom 19.-21. März 2026 in Frankfurt/Main fördert die DGS den interdisziplinären Austausch und die Weiterentwicklung der Schmerz- und Palliativmedizin. Rücken- und Gelenkschmerzen sind in diesem Jahr Schwerpunkt der Deutschen Schmerz- und Palliativtage. Dazu gibt es zahlreiche Vorträge und Symposien. Im Symposium „Digitale Schmerzmedizin – Chancen und Herausforderungen in der Ärzte- und Patientenedukation“ zeigen Experten konkrete Versorgungsmodelle – von Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) über edukative Podcasts bis hin zu Virtual-Reality-Techniken zur Unterstützung bei Schmerzbewältigung und Bewegungsangst. Zum Kongress sind Pressevertreter herzlich eingeladen. Akkreditierungen bitte an dgschmerzmedizin@b2-berlin.de. Die Pressekonferenz findet am Do, 19.03.2026, 13:00 -13:45 Uhr im Raum: Conclusio 1+2 statt.
https://www.dgschmerzmedizin.de/kongresse/deutsche-schmerz-und-palliativtage/
Criteria of this press release:
Journalists, all interested persons
Medicine
transregional, national
Scientific conferences, Transfer of Science or Research
German

You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.
You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).
Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.
You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).
If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).