Hamburg, 11.03.2026 - Ein starkes Signal für internationale Gesundheitsforschung: Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) hat im Rahmen der dritten Förderphase des Global Health Protection Programme (GHPP) des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) gemeinsam mit internationalen Partnerinstitutionen Fördermittel in Millionenhöhe eingeworben.
In einer Zeit, in der internationale Programme und Forschungskooperationen im Bereich der globalen Gesundheit unter politischen und finanziellen Druck geraten, setzt die Bewilligung ein klares Zeichen für Kontinuität und Zusammenarbeit. Die Vorhaben starteten Anfang 2026 und laufen über drei Jahre. Forschende des BNITM treiben darin in Afrika die Pandemievorbereitung voran, bauen die Überwachung gefährlicher Erreger aus, bekämpfen antimikrobielle Resistenzen und verbessern die klinische Versorgung bei schweren Infektionskrankheiten.
Globale Gesundheitskrisen machen nicht an Landesgrenzen halt. Genau hier setzt das GHPP an: Seit 2016 fördert es strategische Partnerschaften zwischen deutschen Einrichtungen und Institutionen in Ländern mit hoher Krankheitslast und begrenzten Ressourcen im Bereich der Infektionsforschung. Das Hamburger Tropeninstitut war von Anfang an dabei. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des BNITM arbeiten eng mit Partnerinstitutionen unter anderem in Nigeria, Guinea, Benin, Sierra Leone, Ghana und Tansania zusammen, darunter das Irrua Specialist Teaching Hospital (ISTH) in Nigeria und das Kumasi Centre for Collaborative Research in Tropical Medicine (KCCR) in Ghana. Gemeinsam bauen sie Laborkapazitäten aus, etablieren genomische Überwachung von (hochpathogenen) Krankheitserregern, entwickeln klinische Strukturen weiter und erarbeiten Strategien gegen arzneimittelresistente Erreger. Im Mittelpunkt steht dabei, diese Strukturen langfristig in Forschung und Versorgung zu verankern.
Mit der nun bewilligten dritten Förderphase setzt das BNITM diese Kooperationen gemeinsam mit seinen Partnern fort und vertieft sie strategisch. In mehreren Verbundprojekten bauen Forschende stationäre und mobile Labornetzwerke in Westafrika weiter aus (AfroLabNet3), entwickeln die genomische Überwachung ausbruchrelevanter Viren weiter (CELESTA 2.0) und stärken die intensivmedizinische Versorgung bei Lassa-Fieber sowie anderen viralen hämorrhagischen Fiebern (MEVIN 2.0). Moderne Sequenzierungstechnologien ermöglichen es Partnerlaboren, Erreger genetisch zu charakterisieren, Übertragungsketten nachzuvollziehen und Ausbrüche schneller einzugrenzen. Mobile Laboreinheiten unterstützen nationale Behörden zudem direkt im Feld, auch in schwer zugänglichen Regionen. Um die Überlebenschancen bei schweren Verläufen zu erhöhen, baut das Projektteam intensivmedizinische Behandlungskapazitäten aus. Internationale Trainings und die Etablierung eines klinischen Expert:innen-Teams am BNITM verbessern zudem die globale Pandemievorsorge.
Andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler treiben die Forschung zu antimikrobiellen Resistenzen (SCOPE-AMR) und arzneimittelresistenter Malaria (SMART II) voran. Antimikrobielle Resistenzen entstehen, wenn Bakterien unempfindlich gegenüber Antibiotika werden, eine Entwicklung, die weltweit als eine der größten Bedrohungen für die öffentliche Gesundheit gilt. Das Team analysiert Resistenzmuster, untersucht Behandlungsergebnisse und entwickelt evidenzbasierte Strategien für eine wirksamere Patientenversorgung. In der Malariaforschung überwachen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gezielt Resistenzen gegen etablierte Medikamente und bauen regionale Netzwerke weiter aus.
Auch das Fortbildungsprogramm „Fellowship in Outbreak Readiness for Global Health Protection (FOR-GHP) beruht auf langfristigen Kooperationen. Es wird gemeinsam mit dem African Field Epidemiology Network (AFENET), dem Swiss Tropical and Public Health Institute (Swiss TPH) und dem Robert Koch-Institut (RKI) umgesetzt. Das Programm qualifiziert Fachkräfte gezielt für den Umgang mit gesundheitlichen Notlagen in Subsahara-Afrika. Es setzt auf einen Multiplikator:innen-Ansatz: Erfahrene Expertinnen und Experten geben ihr Wissen weiter und stärken so die Bereitschaft, Reaktionsfähigkeit und Widerstandskraft öffentlicher Gesundheitsstrukturen. FOR-GHP kombiniert digitale Lernformate mit Präsenztrainings und entwickelt eigene simulationsbasierte Übungsformate. So trainieren die Teilnehmenden konkretes Ausbruchsmanagement und lernen, die Internationalen Gesundheitsvorschriften sicher umzusetzen. Mit Unterstützung von AFENET vernetzt das Programm Fachkräfte in der gesamten Region und hält sie über ein aktives Alumni-Netzwerk dauerhaft im Austausch.
„Diese Bewilligung zählt zu den größten Drittmittelzusagen der vergangenen Jahre für unser Institut“, sagt Prof. Dr. Jürgen May, Vorstandsvorsitzender des BNITM. „Sie ist eine große Anerkennung für die hervorragende Arbeit, die neben der Forschung am Institut geleistet wird: der Aufbau und die Unterstützung von Strukturen für Gesundheit in strukturschwachen Regionen. Dass gleich mehrere unserer Arbeitsgruppen in dieser Förderphase erfolgreich sind, zeigt die Stärke und internationale Vernetzung unseres Instituts. Unsere institutionenübergreifenden Teams verbinden exzellente Forschung mit konkreter Wirkung in den Partnerländern.“
Mit der neuen Förderphase baut das BNITM seine internationale Vernetzung weiter aus. Sie ermöglicht es, zentrale Bereiche der globalen Gesundheitsforschung weiterzuentwickeln, internationale Kooperationen langfristig zu festigen und gemeinsam mit den Partnerinstitutionen Infektionsdynamiken früh zu erkennen sowie Präventions- und Therapiestrategien voranzubringen.
Überblick über die geförderten Vorhaben
Hinweis: Bei den folgenden Angaben handelt es sich jeweils um die Gesamtzuwendung des Verbundprojekts inklusive der Mittel für internationale Partnerinstitutionen.
AfroLabNet3
Projektverantwortliche: Dr. Meike Pahlmann, Co-Leiterin der Laborgruppe Outbreak Preparedness and Response
Partnerinstitutionen: Irrua Specialist Teaching Hospital (ISTH), Irrua, Edo State, Nigeria; Laboratoire des Fièvres Hémorragiques Virales de Cotonou, Benin; Centre d'Information de Prospective et de Conseils sur les IST/VIH/Sida, Benin; Laboratoire des Fièvres Hémorragiques Virales de Guinée (LFHVG), Matoto, Conakry, Guinea; Laboratoire des Fièvres Hémorragiques Virales de Gueckédou (LFHV-GKD), Guinea; Laboratoire des Fièvres Hémorragiques Virales de l’Hôpital Régional de N’Zérékoré (HRNZE), Guinea; Njala University, Department of Environmental Health Sciences, School of Community Health Sciences, Sierra Leone; Federal Medical Centre (FMCO), Owo, Ondo State, Nigeria; Robert Koch-Institut, Deutschland
Thema: Stärkung von Labornetzwerken und mobilen Einsatzkapazitäten
Ziel: Verbesserung der regionalen Ausbruchsvorsorge und -reaktion durch nachhaltige Infrastruktur, Ausbildung und One-Health-Ansatz in Westafrika.
CELESTA 2.0
Fördervolumen: 1.904.085 €
Projektverantwortliche: Dr. Sophie Duraffour, Leitung der Infrastruktur Mobile Labore
Partnerinstitutionen: Centre de Recherche en Virologie, Laboratoire des Fièvres Hémorragiques Virales de Guinée (CRV-LFHVG), Conakry, Guinea; Laboratoire des Fièvres Hémorragiques Virales de Gueckédou (LFHV-GKD), Gueckédou, Guinée; Laboratoire des Fièvres Hémorragiques Virales de L’Hôpital Régional de N’Zérékoré (LFHV-HRNZE), N’Zérékoré, Guinea; Irrua Specialist Teaching Hospital (ISTH), Irrua, Edo State, Nigeria; Instituto Aggeu Magalhães (IAM), Fundação Oswaldo Cruz (FIOCRUZ), Recife, Pernambuco, Brasilien; National Institute for Research on Public Health (INSPI), Quito, Ecuador; Evolutionary Genetics Section, Faculty of Science, University of Uruguay (Udelar), Uruguay; Public Health Reference Laboratory - Khyber Pakhtunkhwa (PHRL-KP), Khyber Medical University (KMU), Peshawar, Pakistan; Institute of Public Health & Social Sciences (IPH&SS), Khyber Medical University (KMU), Peshawar, Pakistan; Evolutionary and Computational Virology, KU Leuven, Belgien
Thema: Genomische Überwachung ausbruchgefährdeter Virusinfektionen
Ziel: Ausbau von Sequenzierungskapazitäten und bioinformatischen Tools zur frühzeitigen Erkennung und Charakterisierung neu auftretender Viren.
MEVIN 2.0
Projektverantwortlicher: Prof. Dr. Michael Ramharter, Leiter der Abteilung Klinische Forschung
Partnerinstitution: Irrua Specialist Teaching Hospital (ISTH), Irrua, Edo State, Nigeria; Unité de Maladies Infectieuses, Faculté de Médecine de l'Université de Parakou, CHU Départemental de Borgou-Alibori, Parakou, Benin; Laboratoire des Fièvres Hémorragiques Virales de Gueckédou (LFHV-GKD), Gueckédou, Guinea.
Thema: Intensivmedizin und Ausbruchsmanagement bei Lassa-Fieber
Ziel: Ausbau intensivmedizinischer Behandlungskapazitäten für Lassa-Fieber, Stärkung regionaler Gesundheitsstrukturen in Westafrika und Etablierung einer global einsetzbaren klinischen Rapid-Response-Einheit.
SCOPE-AMR
Projektverantwortliche: Dr. Denise Dekker, Leiterin der Arbeitsgruppe One Health Bakteriologie
Partnerinstitutionen: Kumasi Centre for Collaborative Research in Tropical Medicine (KCCR), Ghana; National Institute for Medical Research (NIMR), Tansania; HJPZ, Tansania
Thema: Antimikrobielle Resistenzen
Ziel: Überwachung von Resistenzmustern, Analyse von Behandlungsergebnissen und Entwicklung patientenorientierter Strategien gegen resistente Erreger.
SMART II
Projektverantwortliche: Dr. Oumou Maïga-Ascofaré, Postdoktorandin in der Abteilung Infektionsepidemiologie
Partnerinstitution: Kumasi Centre for Collaborative Research in Tropical Medicine (KCCR), Ghana
Thema: Arzneimittelresistente Malaria
Ziel: Bewertung der therapeutischen Wirksamkeit aktueller Antimalariamittel sowie Ermittlung einer präzisen bevölkerungsbasierten Malariaprävalenz.
FOR-GHP
Projektverantwortliche: Dr. Dewi Ismajani Puradiredja, Leiterin der Interdisciplinary Academy of Competence & Education for Global Health (iACE Global Health)
Partnerinstitutionen: African Field Epidemiology Network (AFENET); Swiss Tropical and Public Health Institute (Swiss TPH), Schweiz; Robert Koch-Institut (RKI), Deutschland
Thema: Fort- und Weiterbildung in globaler Gesundheitsvorsorge
Ziel: Nachhaltige Stärkung und Vernetzung von Expertise im Bereich Ausbruchsvorsorge und -management.
Über das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM)
Das Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) ist Deutschlands größte Einrichtung für Forschung, Versorgung und Lehre auf dem Gebiet tropentypischer und neu auftretender Infektionskrankheiten. Seit jeher werden BNITM-Forschungsschwerpunkte unter dem Aspekt der Globalen Gesundheit/One Health betrachtet sowie unter dem Aspekt der Translation – des Transfers von Grundlagenforschung in die Anwendung. Dieser Forschungsansatz spiegelt sich auch in den fünf Sektionen des Instituts wider: Pathogen (Erreger) -> Interface (Immunologie, Wirt/Erreger) -> Patient (Klinik) -> Population (Epidemiologie) -> Implementation (erfolgreiche Etablierung des Wissens). Neu eingerichtet wurde gerade das Data Science Center.
Aktuelle thematische Schwerpunkte bilden Malaria, hämorrhagische Fieberviren, vernachlässigte Tropenerkrankungen (NTDs), Immunologie, Epidemiologie und die Klinik tropischer Infektionen sowie die Mechanismen der Übertragung von Viren durch Stechmücken. Für den Umgang mit hochpathogenen Viren und infizierten Insekten verfügt das Institut über Laboratorien der höchsten biologischen Sicherheitsstufe (BSL4) und ein Sicherheits-Insektarium (BSL3). Die mobilen Laboratorien des BNITM stehen für die globale Ausbruchsbekämpfung hochpathogener oder hochinfektiöser Viren bereit.
Das BNITM ist Nationales Referenzzentrum für den Nachweis aller tropischen Infektionserreger, Konsiliarlabor für Bornaviren, WHO-Kooperationszentrum für Arboviren und hämorrhagische Fieberviren, WHO-Kooperationszentrum für Verhaltensforschung zur Förderung Globaler Gesundheit und ein Institut in der Leibniz-Gemeinschaft.
Dr. Meike Pahlmann
Co-Leiterin der Laborgruppe Outbreak Preparedness and Response
Tel.: +49 40 285380-588
pahlmann@bnitm.de
Dr. Sophie Duraffour
Leiterin der Infrastruktur Mobile Labore
Tel.: +49 40 285380-641
duraffour@bnitm.de
Prof. Dr. Michael Ramharter, Leiter der Abteilung Klinische Forschung
Tel.: +49 40 285380-267
michael.ramharter@ctm.bnitm.de
Dr. Denise Dekker, Leiterin der Arbeitsgruppe One Health Bakteriologie
Tel.: +49 40 285380-521
dekker@bnitm.de
Dr. Oumou Maïga-Ascofaré, Co-Investigator AG Infectious Diseases & Epidemiology, KCCR
Tel.: +233 32 206 0351
maiga@bnitm.de
Dr. Dewi Ismajani Puradiredja, Leiterin der Interdisciplinary Academy of Competence & Education for Global Health (iACE Global Health)
Tel.: +49 40 285380-243
puradiredja@bnitm.de
Criteria of this press release:
Journalists, Scientists and scholars
Medicine, Nutrition / healthcare / nursing
transregional, national
Cooperation agreements, Research projects
German

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