Die deutsche Wirtschaft bekommt zögerlich wieder Boden unter die Füße. Die Auftriebskräfte bleiben jedoch verhalten und werden zudem durch den jüngsten Anstieg der Energiepreise gedämpft. Das zeigt die aktuelle Frühjahrsprognose des Kiel Instituts. Demnach wird das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr voraussichtlich um 0,8 Prozent zulegen, für das kommende Jahr steht ein Plus von 1,4 Prozent in Aussicht. Insgesamt geht die fast vierjährige Schwächephase nun allmählich in eine moderate Expansionsphase über, wobei vor allem die expansive Finanzpolitik für Impulse sorgt.
Die Inflation zieht im Zuge steigernder Energiepreise im laufenden Jahr auf eine Rate von 2,5 Prozent an. Aber auch der Kerninflationsdruck bleibt im gesamten Prognosezeitraum deutlich über der 2-Prozentmarke.
Die aktuelle geopolitische Lage schürt erhebliche Unsicherheit bei den Unternehmen. „Durch den militärischen Konflikt im Iran droht der deutschen Wirtschaft Gegenwind“, sagt Moritz Schularick, Präsident des Kiel Instituts. Es bleibe zu hoffen, dass die Rohstoffpreisanstiege – entsprechend den Markterwartungen seit Beginn des Konflikts – begrenzt bleiben.
Im für die Prognose unterstellten Szenario beläuft sich der Kaufkraftentzug für die deutsche Wirtschaft infolge einer höheren Nettoimportrechnung für Rohöl, Mineralölerzeugnisse und Erdgas auf 0,6 Prozent in Relation zum jährlichen Bruttoinlandsprodukt. Dies bewirke einen spürbaren Dämpfer, aber keinen Einbruch der Konjunktur.
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Deutsche Wirtschaft im Frühjahr 2026: Energiepreisschub nagt an mühsamer Erholung: https://www.kielinstitut.de/de/publikationen/deutsche-wirtschaft-im-fruehjahr-20...
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Auch unabhängig von den dämpfenden Effekten höherer Energiepreise bleiben die Auftriebskräfte verhalten. „Mit dem Ballast erheblicher Standortschwächen kann die deutsche Wirtschaft derzeit keine großen Sprünge machen“, sagt Stefan Kooths, Konjunkturchef am Kiel Institut. „Ohne die mit hohen Haushaltsdefiziten erkauften Impulse fiele die Dynamik so mäßig aus, dass von einem selbsttragenden Aufschwung weiterhin keine Rede sein kann.“
Moderates Plus bei Exporten, höhere Inflation
Die deutschen Exporteure dürften ihre Geschäfte wieder ausweiten, viel Zugkraft für die Konjunktur geht davon aber nicht aus. Das Kiel Institut erwartet Anstiege von 0,3 Prozent für das laufende und von 1,6 Prozent für das kommende Jahr. Trotz des moderaten Zuwachses verliert die deutsche Exportwirtschaft damit weiter Weltmarktanteile.
Während die Wirtschaftsleistung derzeit nur 0,5 Prozent höher liegt als vor der Pandemie, nahm der private Konsum seitdem um fast drei Prozent zu. Der Energiepreisschub bremst die privaten Konsumausgaben, es reicht im laufenden Jahr aber noch für ein Plus von 0,6 Prozent. Ohne den kräftigen Anstieg der Öl- und Gasnotierungen infolge des Irankriegs hätten die Energiepreise die Inflationsrate im Prognosezeitraum gedämpft, nunmehr heben sie sie in diesem Jahr merklich an. Gegenüber der Winterprognose für das Jahr 2026 (1,8 Prozent) wird die Teuerungsrate für das laufende Jahr nunmehr auf 2,5 Prozent veranschlagt, im kommenden Jahr dürften es 2,1 Prozent sein.
Bauinvestitionen legen wieder zu
Nach den Rückgängen in den Vorjahren werden die Bauinvestitionen im Prognosezeitraum wieder spürbar zunehmen. Insgesamt rechnet das Kiel Institut mit einer Zunahme von 2,4 Prozent in beiden Prognosejahren. Zulegen wird dabei der Hoch- wie Tiefbau gleichermaßen. Die Ausrüstungsinvestitionen schrumpfen trotz kräftig zulegender staatlicher Käufe im laufenden Jahr um 0,3 Prozent und drehen erst im kommenden Jahr mit 6,1 Prozent ins Plus.
Wende am Arbeitsmarkt lässt auf sich warten, Staatsschulden steigen
Die moderate wirtschaftliche Belebung kommt nur verzögert am Arbeitsmarkt an. Spürbar steigende Erwerbstätigenzahlen sind erst im kommenden Jahr zu erwarten und auch nur möglich, weil noch aus der seit drei Jahren um 500.000 Personen angeschwollenen Arbeitslosenreserve geschöpft werden kann. Demgegenüber lässt die demografische Alterung das Erwerbspersonenpotenzial im Prognosezeitraum schrumpfen. Die Arbeitslosenquote dürfte in diesem Jahr bei 6,3 Prozent verharren und im kommenden Jahr auf 6,0 Prozent sinken. Da die Aufwärtsbewegung der Wirtschaftsleistung maßgeblich durch eine expansive Fiskalpolitik getragen wird, schwellen die öffentlichen Budgetdefizite deutlich an. In Relation zum Bruttoinlandsprodukt dürfte der Fehlbetrag nach 2,7 Prozent im Jahr 2025 auf 3,7 Prozent bzw. 4,2 Prozent in den Jahren 2026 und 2027 steigen.
Weltwirtschaft: moderater Zuwachs
Die Weltwirtschaft bleibt unter der Annahme einer zügigen Normalisierung der Öl- und Gaslieferungen aus dem Persischen Golf in der Grundtendenz aufwärts gerichtet und dürfte, getragen von kräftigen Impulsen für Handel und Investitionen vom Boom der KI-Technologie, in diesem und im nächsten Jahr um etwas mehr als 3 Prozent zulegen. In Europa wird sich die allmähliche wirtschaftliche Belebung nach einem energiepreisbedingten Dämpfer ab der zweiten Hälfte dieses Jahres fortsetzen.
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Eckdaten der Prognose für Deutschland (2024 – 2027)
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