Ein Bioinformatiker der LMU hat herausgefunden, wie Amazonenkärpflinge ohne sexuelle Fortpflanzung ein gesundes Genom aufrechterhalten.
Amazonenkärpflinge sind eine bemerkenswerte Art: Alle Individuen sind weiblich und vermehren sich, indem sie sich selbst klonen. Obwohl sich die Weibchen mit Männchen verwandter Arten paaren müssen, um die Fortpflanzung auszulösen, wird die DNA der Männchen nicht in die Nachkommen integriert. Diese ungewöhnliche Fortpflanzungsstrategie müsste laut Evolutionstheorie eigentlich dazu führen, dass ich im Laufe der Zeit schädliche Mutationen im Genom ansammeln und schließlich das Überleben der Art gefährden. Dennoch existieren Amazonenkärpflinge seit Tausenden von Generationen – was die Frage aufwirft, wie ihr Genom gesund bleibt.
Ein internationales Forschungsteam unter der Leitung von Dr. Edward Ricemeyer, Bioinformatiker am Lehrstuhl für Tiergenomik der Veterinärmedizinischen Fakultät der LMU, hat nun herausgefunden, wie diese ungewöhnliche Fischart genetischen Verfall vermeidet, der eigentlich bei Organismen zu erwarten ist, die sich nicht sexuell fortpflanzen.
Die in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichten Ergebnisse zeigen, dass Amazonenkärpflinge (Poecilia formosa) ihr Genom durch einen genetischen Mechanismus namens Genkonversion intakt halten, der dazu beiträgt, schädliche Mutationen auch ohne die sogenannte Rekombination zu beseitigen.
Durch Genkonversion kann die natürliche Selektion weiterwirken
Bei sich sexuell fortpflanzenden Arten hilft die Rekombination während der Fortpflanzung dabei, schädliche Mutationen von nützlichen zu trennen, sodass die natürliche Selektion schädliche Varianten entfernen kann. Bei einer klonalen Art wie den Amazonenkärpflingen fehlt dieser Mechanismus weitgehend.
Mithilfe hochauflösender Genomssequenzen zahlreicher Individuen suchten die Forschenden nach Anzeichen für eine Anhäufung von Mutationen und nach den evolutionären Einflussfaktoren auf das Genom.
Anstelle des erwarteten genetischen Verfalls fanden sie zahlreiche Hinweise auf Genkonversion, einen Prozess, bei dem eine DNA-Sequenz über eine andere, ähnliche Sequenz kopiert wird. Durch diesen Prozess können beschädigte Genvarianten durch intakte Kopien ersetzt werden.
„Die Genkonversion kann schädliche Mutationen effektiv durch gesunde Kopien desselben Gens überschreiben“, erklärt Ricemeyer. „Das bedeutet, dass die natürliche Selektion auch in einer klonal reproduzierenden Linie schädliche Mutationen entfernen kann.“
Ein Genom, das sich eher wie eine sexuelle Spezies verhält
Die Analysen des Teams legen nahe, dass die Genkonversion die Verbreitung vorteilhafter Varianten und die Beseitigung schädlicher Mutationen aus der Population ermöglicht und so zur Aufrechterhaltung der Gesamtintegrität des Genoms beiträgt.
„Das war überraschend, da man normalerweise davon ausgeht, dass klonale Genome allmählich zerfallen“, sagt Ricemeyer. „Stattdessen sehen wir Hinweise darauf, dass diese Spezies über einen Mechanismus verfügt, der das Genom bemerkenswert funktionsfähig hält.“
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Amazonenkärpflinge trotz ihrer asexuellen Fortpflanzung einige der evolutionären Vorteile behalten, die normalerweise mit sexueller Fortpflanzung verbunden sind.
Dieser Fisch scheint das Beste aus beiden Welten zu haben – die genetische Gesundheit, die normalerweise mit sexueller Fortpflanzung einhergeht, ohne dass er die DNA eines Männchens zur Fortpflanzung benötigt“, sagt der leitende Autor Professor Wesley Warren von der University of Missouri Graduate School.
Einblicke in eine der größten Fragen der Evolution
Die Studie erklärt nicht nur den langfristigen Erfolg der Amazonenkärpflinge, sondern liefert auch Antworten auf eine grundlegende Frage der Evolutionsbiologie: Warum sind Organismen, die sich nur asexuell fortpflanzen können, obwohl sie relativ selten sind, weiter verbreitet als man erwarten würde?
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Evolution möglicherweise mehr Möglichkeiten hat, die Gesundheit des Genoms zu erhalten, als bisher angenommen“, sagt Ricemeyer. „Die Untersuchung ungewöhnlicher Systeme wie der Amazonenkärpflinge hilft uns, die grundlegenden Kräfte zu verstehen, die Genome über den gesamten Stammbaum des Lebens hinweg formen.“
Die Studie wurde von Ricemeyer (LMU und University of Missouri) und Dr. Nathan Schaefer (University of California, San Francisco) unter der Leitung der leitenden Autoren Professor Manfred Schartl (Universität Würzburg) und Professor Wesley C. Warren (University of Missouri) durchgeführt und umfasste Mitarbeitende aus mehreren Institutionen.
Dr. Edward Ricemeyer
Tierärztliche Fakultät
Ludwig-Maximilians-Universität München
edsrice@gmail.com
Ricemeyer, E.S., Schaefer, N.K., Du, K. et al. Gene conversion empowers natural selection in a clonal fish species. Nature (2026). https://doi.org/10.1038/s41586-026-10180-9
Criteria of this press release:
Journalists
Biology, Environment / ecology, Oceanology / climate, Zoology / agricultural and forest sciences
transregional, national
Research results, Scientific Publications
German

You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.
You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).
Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.
You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).
If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).