Theater als einzigartiger Forschungsraum für Monster Studies: JLU-Forscherin wirbt interdisziplinäres Netzwerk „Monstrous Matters“ ein – Förderung durch die DFG
Ob als Wesen der Fantasie und Fiktion, als reale Gestalt oder als Denkfigur – das Monströse bevölkert seit der Antike den menschlichen Denk- und Handlungsraum in Europa. Es übernimmt durch die Zeitalter hindurch eine zentrale Rolle bei der Aushandlung von Ordnungen, Gesetzen und Normen. Gerade in unserer durch Krisen und Ausnahmezustände geprägten Gegenwart gilt es, einen genauen Blick auf das sogenannte „Monströse“ zu werfen, das gewohnte Grenzen übertritt und diese damit in Frage stellt. Das interdisziplinäre Netzwerk „Monstrous Matters: Interdisziplinäre Perspektiven auf Inszenierungen monströser Figuren, Körper und Ordnungen im zeitgenössischen Theater und verwandten Künsten“ setzt sich mit diesem Thema auseinander. Eingeworben hat den internationalen Verbund die Theaterwissenschaftlerin und -macherin Dr. Ekaterina Trachsel vom Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU). Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert das Netzwerk „Monstrous Matters“ ab März 2026 für drei Jahre mit insgesamt rund 77.000 Euro.
Monstrosität spielt eine bedeutende Rolle in vielen kulturellen und gesellschaftlichen Kontexten – als Ausdruck von Grenzziehungen, sozialen Ängsten und Normverschiebungen. „Obwohl die interdisziplinäre Wissenschaftsrichtung Monster Studies inzwischen global etabliert ist, wurde ihr Potenzial im deutschsprachigen Raum, insbesondere innerhalb der Theaterwissenschaft, bislang kaum genutzt“, so Dr. Trachsel, eine der beiden Koordinator*innen des Netzwerks. Hier setzt „Monstrous Matters“ an: Es sieht das Theater als einzigartigen Forschungsraum, in dem das Monströse nicht nur dargestellt, sondern in seiner Inszenierung, Verkörperung und unmittelbaren Wahrnehmung als ein Begegnungsphänomen erforscht werden kann. Denn nichts ist per se monströs – erst in der Begegnung wird etwas als monströs wahrgenommen und benannt: Menschen machen Monster.
In „Monstrous Matters“ untersuchen die Forschenden Konzepte von Monstrosität entlang zweier Achsen: Zum einen die Inszenierung monströser Körper und Figuren auf der Bühne, zum anderen die sozialen und politischen Ordnungen, die durch monströse Erzählungen hinterfragt oder stabilisiert werden. Dabei verbinden sie Aufführungsanalyse, Diskursanalyse und künstlerische Forschung und fördern so einen interdisziplinären Austausch über gesellschaftlich relevante Fragen nach Normativität, Ausgrenzung und Transformation.
Ein Schwerpunkt des Netzwerks liegt auf den darstellenden Künsten und dem Theater, die innerhalb der Monster Studies bislang – und vor allem im deutschsprachigen Raum – verhältnismäßig wenig Beachtung fanden. „Die gezielte Integration dieser Künste als zentraler Zugang erweitert das Forschungsfeld entscheidend“, sagt Dr. Trachsel. „Darüber hinaus eröffnet das Netzwerk innovative Perspektiven auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen wie Diversität, Identitätspolitik und soziale Ungleichheit.“
In dem Netzwerk arbeiten deutschsprachige und europäische Wissenschaftler*innen mit zentralen Akteur*innen der vor allem in den USA etablierten Monster Studies zusammen. Sie repräsentieren eine breite Palette akademischer Disziplinen – von Theater- und Tanzwissenschaft über Philosophie, Recht, Kulturwissenschaften, Wirtschaft, Literatur bis hin zu Molekularbiologie – und schaffen so ein internationales und multiperspektivisches Forschungsumfeld, das kleine Fächer stärken und insbesondere Nachwuchsforschende fördern soll. Ko-Koordinator ist Prof. Dr. Michael Chemers von der University of California in Santa Cruz (USA), Direktor des international renommierten Center for Monster Studies.
Mit ihrem dreijährigen Forschungsprogramm möchten die Forschenden die Basis für die Gründung eines European Center for Monster Studies legen, das als interdisziplinärer Forschungs-Hub etabliert und an der JLU angesiedelt werden soll.
Publikation
STAGING MONSTROUS BODIES – QUESTIONING NORMATIVE ORDERS
Dr. Ekaterina Trachsel
Institut für Angewandte Theaterwissenschaft
Telefon: 0641 99-31223
E-Mail: Ekaterina.Trachsel@theater.uni-giessen.de
https://www.routledge.com/Staging-Monstrous-Bodies-Questioning-Normative-Orders/...
Die JLU-Theaterwissenschaftlerin Dr. Ekaterina Trachsel ist Ko-Koordinatorin des interdisziplinären ...
Source: Jessica Reuther
Criteria of this press release:
Journalists, Scientists and scholars, Students
Cultural sciences, Language / literature, Music / theatre, Social studies
transregional, national
Research projects
German

Die JLU-Theaterwissenschaftlerin Dr. Ekaterina Trachsel ist Ko-Koordinatorin des interdisziplinären ...
Source: Jessica Reuther
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