Zum heutigen Welt-Tuberkulose-Tag erscheint eine neue Folge des Podcasts „Mikroben im Visier“ des Forschungsverbunds Leibniz INFECTIONS. Darin gibt Prof. Christoph Lange detaillierte Einblicke in die aktuelle Forschung und die Herausforderungen der globalen Tuberkulose-Bekämpfung und erklärt, warum die tödlichste Infektionskrankheit der Welt trotz moderner Medizin nicht weicht.
Die Tuberkulose (TB) gehört zu den ältesten bekannten Infektionskrankheiten und ist dennoch hochaktuell. Trotz moderner Medizin verharren die Fallzahlen auf einem sehr hohen Niveau: Nach Schätzungen erkrankten im Jahr 2024 weltweit 10,7 Millionen Menschen an Tuberkulose; mehr als 1,2 Millionen starben daran. Besonders stark betroffen sind Länder in Südostasien und Afrika. Damit ist sie weiterhin die häufigste tödliche Infektionskrankheit durch einen einzelnen Erreger. Zum Welt-Tuberkulose-Tag am 24. März widmet sich eine neue Folge des Wissenschaftspodcasts „Mikroben im Visier“ dieser globalen Herausforderung. Zu Gast ist der Lungenarzt, Infektiologe und Tuberkuloseforscher Professor Christoph Lange, Medizinischer Direktor des Forschungszentrums Borstel, Leibniz Lungenzentrum.
Ein Erreger im biologischen Versteck
Verursacht wird Tuberkulose durch das Bakterium Mycobacterium tuberculosis. Die Übertragung erfolgt über die Luft, meist durch Husten oder Niesen infizierter Personen. „Beim Husten entstehen winzige Tröpfchen, die lange in der Luft schweben können“, erklärt Lange. Viele Infektionen bleiben zunächst unbemerkt. Schätzungen zufolge hat etwa ein Viertel der Weltbevölkerung Kontakt mit dem Erreger, aber nur 5 bis 10 Prozent entwickeln eine aktive Erkrankung.
Ein Grund für die schwierige Kontrolle der Krankheit ist die Fähigkeit der Bakterien, lange im Körper zu verbleiben. Das Immunsystem kapselt die Erreger häufig in sogenannten Granulomen ein. „Die Bakterien können sehr wahrscheinlich ein Leben lang in einem menschlichen Körper überleben“, erklärt Prof. Lange. Diese latenten Infektionen können jederzeit aktiv werden, wenn das Immunsystem nicht mehr in der Lage ist, die Erreger in Schach zu halten.
Armut und Krieg sind Treiber der Tuberkulose
Zum Welt-Tuberkulose-Tag betont Lange, dass Tuberkulose weit mehr als ein rein medizinisches Problem ist. Als Hauptrisikofaktor gilt weltweit die Mangelernährung, gefolgt von Diabetes, Rauchen, Alkoholabhängigkeit und HIV-Infektionen. „Das Entscheidende ist der Unterschied zwischen Arm und Reich, der Unterschied zwischen Zugang zum Gesundheitssystem oder keinem Zugang“, so Lange.
Wie stark politische und soziale Faktoren wirken, zeigt der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine. Innerhalb von zwei Jahren nach der russischen Invasion stieg die Tuberkulose-Inzidenz in der Ukraine massiv an, nachdem sie in den zehn Jahren zuvor deutlich zurückgegangen war. Zudem spielen multiresistente Tuberkuloseerreger eine zunehmende Rolle. Diese sind gegen wichtige Standardmedikamente resistent und deutlich schwieriger zu behandeln. In einigen Regionen Osteuropas, z. B. Russland, betrifft das bis zur Hälfte aller Fälle.
Forschung allein reicht nicht
Weltweit arbeiten Forschende, darunter auch Mitglieder des Forschungsverbunds Leibniz INFECTIONS, an neuen Impfstoffen, Medikamenten und Diagnoseverfahren. 17 Impfstoffkandidaten befinden sich in der Entwicklung, 20 Medikamente werden klinisch getestet, und es gibt zudem neue diagnostische Ansätze. Trotz dieser Fortschritte bleibt Tuberkulose eine komplexe Herausforderung. „Wir können die besten Medikamente und Impfungen haben“, sagt Lange. „Aber die sozialen Faktoren sind so stark, dass Forschung allein nicht ausreicht.“ Sein Fazit: „Wir werden Tuberkulose nur erfolgreich bekämpfen, wenn es mehr Gerechtigkeit, Wohlstand und Sicherheit auf der Welt gibt.“
Der Podcast „Mikroben im Visier. Infektionen verstehen, Resistenzen besiegen!“ ist auf allen gängigen Podcast-Plattformen verfügbar. Hier geht es direkt zur neunten Folge.
https://mikroben-im-visier.podigee.io/12-neue-episode
Über den Forschungsverbund Leibniz INFECTIONS
Antimikrobielle Resistenzen (AMR) sind eine wachsende globale Bedrohung für die Gesundheit. Seit 2015 untersucht der Forschungsverbund Leibniz INFECTIONS die Ausbreitung von Infektionen im Sinne des One-Health-Ansatzes, der die enge Verbindung zwischen Mensch, Tier und Umwelt berücksichtigt. Seit 2021 konzentriert sich die Forschung speziell auf die Entstehung und Verbreitung antimikrobieller Resistenzen.
Der Forschungsverbund Leibniz INFECTIONS bündelt die Expertise von 16 Leibniz-Instituten und weiteren wissenschaftlichen Partnern darunter das Robert-Koch und das Friedrich-Löffler-Institut. Durch die enge Zusammenarbeit von Lebens-, Umwelt- und Ingenieurwissenschaften, Medizin, Agrar- und Sozialforschung schafft der Verbund Synergien, die weit über einzelne Fachdisziplinen hinausgehen. Ziel der gemeinsamen Forschung ist es, die Entstehung und Ausbreitung antimikrobieller Resistenzen umfassend zu verstehen, Risiken frühzeitig zu erkennen und wissenschaftlich fundierte Lösungen für Prävention, Kontrolle und Behandlung zu entwickeln.
Webseite: https://leibnizinfections.de
Criteria of this press release:
Journalists, Scientists and scholars, Students, Teachers and pupils, all interested persons
Biology, Medicine
transregional, national
Advanced scientific education, Transfer of Science or Research
German

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