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03/26/2026 02:00

Cochrane Review: Kann antiseptische Nabelpflege bei Neugeborenen Infektionen und Todesfälle verhindern?

Mirjam Mischke-Stöckel Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Cochrane Deutschland

    Sperrfrist: 26.3.2026, 02:00 Uhr MEZ
    Freiburg, 26.3.2026: Entzündungen des Nabelschnurrests gehören weltweit zu den Ursachen schwerer Infektionen bei Neugeborenen – insbesondere in Ländern, in denen die medizinische Versorgung und die Hygienemöglichkeiten eingeschränkt sind. Ein jetzt veröffentlichter Cochrane Review zeigt: In Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen verringert Chlorhexidin – ein Antiseptikum, das das Wachstum von Mikroorganismen auf der Haut hemmt – dieses Infektionsrisiko wahrscheinlich. Möglicherweise senkt es zudem das Risiko der Kinder, an einer solchen Infektion zu sterben.

    Allerdings: Für die Nabelpflege von Neugeborenen in Deutschland lassen sich aus dem neuen Review keine verlässlichen Schlüsse ziehen. Dazu ist die Datenbasis aus Ländern mit vergleichsweise guten Hygienebedingungen und vergleichsweise gutem Zugang zu Gesundheitsversorgung derzeit zu dünn.
    „In vielen Teilen der Welt kommen Neugeborene noch immer unter schlechten hygienischen Bedingungen zur Welt“, ordnet Dr. Aamer Imdad von der „University of Iowa“, Erstautor des Reviews, die Ergebnisse ein. „Einfache und gut verfügbare Maßnahmen zur Nabelpflege können Infektionen in solchen Umgebungen deutlich reduzieren. Das ist besonders wichtig, weil ein großer Teil der Todesfälle bei Neugeborenen auf Infektionen zurückzuführen ist.“

    Für den neuen Review haben die Forschenden aus Großbritannien, Kanada, Pakistan und den USA 18 randomisiert kontrollierte Studien mit insgesamt über 143.000 Neugeborenen ausgewertet. Diese Studien verglichen die antiseptische Nabelpflege mit der so genannten trockenen Nabelpflege, bei der kein Antiseptikum verwendet wird. (Bei der trockenen Nabelpflege vertrocknet der Nabelschnurrest offen und ohne Cremes, Puder oder sonstige Substanzen und fällt schließlich von alleine ab.). Die meisten der 18 Studien wurden in ländlichen Regionen in Südasien und Afrika durchgeführt – also in Ländern mit mittlerem und niedrigem Einkommen. Häufig ging es dabei um Hausgeburten oder Geburtssituationen, in denen – anders als in Deutschland – der Zugang zu medizinischer Versorgung bzw. die Hygienemöglichkeiten eingeschränkt waren. Der Review kommt bei der Auswertung zu folgenden Ergebnissen:

    - Das Antiseptikum Chlorhexidin verringert das Risiko für Nabelinfektionen wahrscheinlich um knapp 29 Prozent: Ohne Chlorhexidin infizierte sich der Nabelschnurrest bei 87 von 1000 Neugeborenen. Mit Chlorhexidin waren es unter 1000 Neugeborenen nur 62 Infektionen. (5 Studien, 128 486 Neugeborene, Vertrauenswürdigkeit nach GRADE: moderat)

    - Möglicherweise senkt Chlorhexidin auch die Sterblichkeit von Neugeborenen: Ohne Chlorhexidin lag sie bei 1,8 Prozent – und mit Chlorhexidin bei 1,5 Prozent. Anders ausgedrückt: Möglicherweise verhindert Chlorhexidin drei Todesfälle durch Nabelschnur-Infektionen je 1000 Neugeborene. (5 Studien, 129 381 Neugeborene, Vertrauenswürdigkeit nach GRADE: niedrig)

    - Die Zeit bis zum Abfallen des Nabelschnurrests verlängert sich durch Chlorhexidin wahrscheinlich um etwa ein bis zwei Tage (6 Studien, 47 533 Neugeborene, Durchschnitt 1,85 Tage, Vertrauenswürdigkeit nach GRADE: moderat).

    Der Review zeigt auch: Für andere antiseptische Substanzen – etwa Alkohol, Povidon-Iod oder Silberverbindungen – ist die Datenlage deutlich unsicherer. Die vorhandenen Studien liefern keine verlässliche Grundlage, um zu beurteilen, ob diese Mittel Nabelinfektionen verhindern oder andere relevante Effekte haben.

    Für Länder wie Deutschland mit hohem Einkommen sowie besserer medizinischer Versorgung und besseren Hygiene-Bedingungen gibt es bislang nur sehr wenige Studien. Deshalb lässt sich auf Basis der verfügbaren Evidenz derzeit nicht zuverlässig beurteilen, ob antiseptische Nabelpflege hierzulande Vorteile gegenüber einer einfachen trockenen Nabelpflege hätte.

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    Zum Hintergrund
    Nach der Geburt wird die Nabelschnur durchtrennt. Der verbleibende Nabelschnurrest trocknet normalerweise aus und fällt innerhalb von etwa fünf bis fünfzehn Tagen von selbst ab. Während dieser Zeit kann der Bereich jedoch leicht mit Bakterien besiedelt werden. In manchen Fällen kann daraus eine lokale Infektion des Nabels (Omphalitis) entstehen, die sich zu einer schweren Infektion des gesamten Körpers entwickeln und im schlimmsten Fall zum Tod führen kann. Das Risiko für eine Nabelentzündung hängt unter anderem von den Hygienebedingungen und der Art der Nabelpflege ab.
    Welche Form der Nabelpflege empfohlen wird, hängt stark von den hygienischen Bedingungen und der medizinischen Versorgung vor Ort ab: In Deutschland empfiehlt die entsprechende medizinische Leitlinie für gesunde Neugeborene eine offene, trockene Nabelpflege. Eltern sollten den Nabelschnurrest so lange sauber und trocken halten und außerhalb der Windel positionieren, bis er sich von alleine ablöst.

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    Hinweis für Journalist*innen:

    Um schon vor Ablauf der Sperrfrist (26.3.2026, 02:00 Uhr MEZ) auf den Entwurf des Manuskripts „Umbilical cord antiseptics for preventing sepsis and death among newborns“ zuzugreifen, verwenden Sie bitte folgenden Link:

    https://cochranecollaboration.sharepoint.com/:b:/s/COCHRANE-EXTERNAL/IQAfKizS5kx...
    Das Zugangspasswort lautet: EmbargoMar2026

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    Über Cochrane Deutschland und Cochrane Reviews:
    Cochrane Deutschland mit Sitz in Freiburg ist Teil der internationalen, gemeinnützigen Cochrane Collaboration. Dieses Netzwerk unabhängiger Wissenschaftler*innen erstellt systematische Übersichtsarbeiten zu verschiedensten medizinischen und gesundheitlichen Fragen – die so genannten Cochrane Reviews. Darin fassen die Forschenden die weltweite Studienlage transparent zusammen und bewerten deren Qualität. Ziel ist es, dadurch eine evidenzbasierte, verlässliche Grundlage für medizinische und gesundheitspolitische Entscheidungen zu schaffen. Seit seiner Gründung 1993 hat das Netzwerk bereits etwa 9.500 Cochrane Reviews veröffentlicht. Eine der vielen Tätigkeiten von Cochrane Deutschland ist es, besonders relevante Reviews aus dem Englischen ins Deutsche zu übersetzen und sie so der Öffentlichkeit hierzulande leichter zugänglich zu machen.

    In allen Cochrane Reviews wird das vierstufige GRADE-System verwendet, um auszudrücken, wie vertrauenswürdig die Evidenz zur jeweiligen Fragestellung ist. Ist die Vertrauenswürdigkeit „hoch“, sind wir annähernd sicher, dass die vorhandenen Studienergebnisse die Wirklichkeit gut widerspiegeln. Eine „moderate“ Vertrauenswürdigkeit heißt, dass eine etwas größere Restunsicherheit besteht. Wir machen das durch einschränkende Formulierungen mit „wahrscheinlich“ deutlich – beispielsweise „Medikament X senkt Fieber wahrscheinlich nicht besser als Medikament Y“. Bei Evidenz mit „niedriger“ Vertrauenswürdigkeit ist die Unsicherheit noch grösser, ausgedrückt durch Formulierungen mit „möglicherweise“. Wird die Vertrauenswürdigkeit der Evidenz im GRADE-System mit „sehr niedrig“ bewertet, sind gar keine Schlussfolgerungen möglich. Den Nutzen einer untersuchten Maßnahme bezeichnen wir dann als „unklar“. Das heißt aber nicht, dass die Maßnahme sicher nutzlos ist – sondern eben nur, dass die vorliegende Evidenz nicht ausreicht, um etwas über ihre Wirksamkeit zu sagen.

    https://www.cochrane.de


    Original publication:

    Imdad A, Medina M, Cooper C, Bhutta ZA, supported by the Cochrane Neonatal Review Group: „Umbilical cord antiseptics for preventing sepsis and death among newborns“ wird in der Cochrane Database of Systematic Reviews veröffentlicht werden. Nach Ablauf der Sperrfrist (26.3.2026, 02:00 Uhr MEZ) ist der Review hier abrufbar:

    https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD015610.pub2


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    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars, all interested persons
    Medicine, Nutrition / healthcare / nursing
    transregional, national
    Research results, Scientific Publications
    German


     

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