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03/24/2026 20:45

ZKI-Top-Trends 2026: Hochschul-IT zwischen KI-Offensive, Sicherheitsdruck und kooperativer Souveränität

Kati Kupetz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Zentren für Kommunikation und Informationsverarbeitung in Lehre und Forschung e. V.

    Die ZKI Top-Trends-Umfrage 2026 zeigt: Künstliche Intelligenz ist der Haupttrend an Hochschulen, doch ihre Umsetzung erfolgt unter starkem Kostendruck und wachsenden Sicherheitsanforderungen. Als strategische Antwort setzen IT-Leitungen konsequent auf digitale Souveränität und interpretieren dies überwiegend als Kontrolle über die eigenen Daten. Da eigene Ressourcen oft fehlen, wird Kooperation zum Schlüssel: Statt im Alleingang agieren Hochschulen vermehrt in Verbünden und Shared-Service-Modellen, um gemeinsam Infrastruktur zu betreiben, Lizenzkosten zu reduzieren und die notwendige technologische Souveränität wirtschaftlich zu ermöglichen.

    Der Arbeitskreis Strategie und Organisation des ZKI-Vereins führt jährlich eine Umfrage zu den wichtigsten Themen und Schwerpunkten seiner Mitgliedseinrichtungen durch. Ziel ist es, die zentralen Fragestellungen von IT-Einrichtungen an Hochschulen und Forschungseinrichtungen regelmäßig zu erfassen und zu dokumentieren. Die Umfrage richtet sich an CIOs, Leiterinnen und Leiter von Rechenzentren, IT-Direktorinnen und -Direktoren sowie Personen in vergleichbaren Funktionen.

    TOP-TRENDS 2026

    Die ZKI-Top-Trends-Umfrage 2026 arbeitet eine IT-Landschaft heraus, die sich zwischen technologischer Transformation sowie Sicherheits- und Souveränitätsbestrebungen positioniert. Als zentrale Handlungsachsen lassen sich hierbei Künstliche Intelligenz (KI) und IT-Sicherheit identifizieren.

    ZUSAMMENFASSUNG

    > Digitale Souveränität und strategische Unabhängigkeit als Trend

    Über die verschiedenen Hochschulsysteme hinweg zeigt die Thematik der digitalen Souveränität eine herausragende Bedeutung. Ein bedeutender Teil der Befragten benennt Aspekte wie die Implementierung von Open-Source- und On-Premise-Strategien sowie die Vermeidung von Vendor-Lock-in-Effekten durch Multi-Vendor-Ansätze als zentrale Handlungsfelder. Dabei lässt sich beobachten, dass der souveräne Einsatz europäischer IT-Lösungen, die lokale und sichere Infrastruktur sowie das strategische Lieferanten- und Risikomanagement als wesentliche Säulen einer unabhängigen IT-Landschaft wahrgenommen werden. Die Datensouveränität, insbesondere die Gewährleistung von DSGVO-Konformität und die Speicherung sensibler Daten innerhalb europäischer Rechtssphären, wird dabei als konstitutives Element verstanden.

    > Governance-Strukturen zwischen strategischer Führung und operativer Umsetzung

    Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Hochschulen gegenwärtig verstärkt nach klaren Strukturen für das Zusammenspiel zwischen strategischer IT-Führung und operativer Umsetzung suchen. Dabei scheinen sowohl die Einrichtung von CIO-Gremien und strategischen Steuerungsgremien als auch die Optimierung der operativen IT-Implementierung von Relevanz zu sein. Die organisatorische Einbindung der IT in die Gesamtstrategie der Hochschulen wird dabei als zunehmend bedeutsam erachtet, wobei unterschiedliche Schwerpunkte in der Ausgestaltung von Governance-Strukturen erkennbar sind.

    > Kompetenzentwicklung: Künstliche Intelligenz, Sicherheit und Infrastruktur

    Hinsichtlich der aufzubauenden Kompetenzen für das Jahr 2026 lassen sich drei Bereiche identifizieren. Zunächst scheinen KI-Kompetenzen und die Integration künstlicher Intelligenz in Hochschulprozesse einen hohen Stellenwert einzunehmen. Darüber hinaus wird IT-Sicherheit und Compliance als kritisches Kompetenzfeld betrachtet, gefolgt von Cloud- und Infrastrukturmanagement. Ergänzend dazu werden auch Themen wie digitale Bildung und die Vorbereitung der Studierenden auf digitale Anforderungen sowie projekt- und prozessbezogene Kompetenzen als relevant eingestuft.

    > Modernisierung durch Konsolidierung und Automatisierung

    Ein weiterer erkennbarer Trend betrifft die notwendige Modernisierung bestehender IT-Landschaften. Hierbei scheint die Konsolidierung und Standardisierung von Systemen sowie die Reduktion von Redundanzen eine zentrale Rolle zu spielen. Die Automatisierung von Prozessen und die damit einhergehende Prozessoptimierung werden als wesentliche Hebel zur Steigerung der Effizienz und zur Bewältigung wachsender Komplexität angesehen.

    > Kooperation als strategischer Erfolgsfaktor

    Schließlich lässt sich feststellen, dass die gemeinsame Entwicklung, Bereitstellung oder Finanzierung souveräner IT-Lösungen in Kooperation mit anderen Hochschulen oder regionalen und nationalen Verbünden ein bedeutsamer Trend ist. Dies deutet darauf hin, dass die Bewältigung komplexer IT-Herausforderungen zunehmend als kollektive Aufgabe verstanden wird, die über die Grenzen einzelner Institutionen hinaus gemeinsam angegangen werden sollte.

    THEMENFELDER

    >> Künstliche Intelligenz und IT-Sicherheit

    Rund 90 Prozent der Befragten attestieren KI-Technologien eine weiter zunehmende Relevanz. Der aktuelle Einsatz konzentriert sich dabei zunächst eher auf administrative Prozesse und den IT-Support; Lehre und Forschung folgen mit etwas Abstand. Gegenüber dem zweitplatzierten Trend IT-Sicherheit positioniert sich KI als Schwerpunkttechnologie, was sich in laufenden Einführungsprojekten sowie Vorhaben zum Kompetenzaufbau zeigt.

    Während Cybersicherheit und Cyberresilienz als eigenständige Themenbereiche hohe strategische Priorität genießen und die Umsetzung regulatorischer Anforderungen (NIS2-Richtlinie, EU-KI-Verordnung) erhebliche Ressourcen bindet, rangieren reine Sicherheitstechnologien bei den als wichtiger werdenden Technologien hinter Cloud- Infrastrukturen und Automatisierungslösungen. Digitale Souveränität und Abhängigkeitsstrukturen. Ein zentrales Spannungsfeld ergibt sich aus der Differenz zwischen dem Bekenntnis zur digitalen Souveränität und den dokumentierten Abhängigkeitsstrukturen. Das Verständnis von Souveränität fokussiert überwiegend auf die Kontrolle über Speicherorte und Verarbeitung eigener Daten sowie auf Unabhängigkeit von nicht-europäischen Cloud-Anbietern.

    Dementsprechend werden Kooperationen, Open-Source-Transformationen und On-Premise- Infrastrukturen priorisiert. Als stärkste externe Abhängigkeiten werden das Microsoft-Ökosystem und Fachanwendungen genannt. Diese Lock-in-Situation trifft auf Kostendruck, der sich in stagnierenden oder reduzierten IT-Budgets bei einem bedeutenden Anteil der Einrichtungen sowie in signifikanten Steigerungen der Lizenzkosten bei großen Anbietern manifestiert.

    >> Kooperative Versorgungsmodelle

    Als Reaktion auf diese ökonomischen und strukturellen Restriktionen zeigt sich eine verstärkte Hinwendung zu kooperativen Versorgungsmodellen. Über die Hälfte der Hochschulen charakterisieren ihre IT-Versorgungsstrategie als Mischmodell aus Eigen- und Fremdleistungen, wobei andere Hochschulen gegenüber kommerziellen Anbietern als Kooperationspartner priorisiert werden. In Shared-Service-Modellen agieren die Einrichtungen überwiegend als Leistungsempfänger, übernehmen dabei jedoch auch zusätzliche Funktionen des technischen Betriebs und der Entwicklung. Diese kollektiven Ansätze manifestieren sich in gemeinsamen Souveränitätslösungen und der Nutzung verteilter Infrastrukturen, insbesondere im Bereich Forschungsdatenmanagement und Wissensaustausch.

    >> Infrastrukturelle Entwicklungen und Personalsituation

    Infrastrukturell zeichnet sich ein Wandel hin zu Cloud-Technologien und der Automatisierung von Betriebsprozessen ab, während gleichzeitig veraltete On-Premise-Systeme und proprietäre Virtualisierungslösungen abgelöst werden. Diese Modernisierung erfolgt unter dem Druck eines anhaltenden Fachkräftemangels und drohenden Wissensverlusts durch Personalwechsel. Der Aufbau von Kompetenzen in den Bereichen Projektmanagement, Cloud-Technologien, KI sowie IT-Sicherheit wird daher zu einer zentralen Personalstrategie.

    >> Organisation und Governance

    Gremienbasierte IT-Governance organisiert das Zusammenspiel von strategischer und operativer IT über Lenkungsausschüsse und CIO-Gremien. Die Position eines Informationssicherheitsbeauftragten (CISO) ist mit einer Verbreitung von 88 Prozent nahezu flächendeckend etabliert, während nur etwa ein Viertel der Einrichtungen über einen Chief Digital Officer verfügt. Dies lässt auf unterschiedliche Reifegrade bei der digitalen Transformation schließen.

    >> Strategische Prioritäten

    Die strategischen Schwerpunkte für 2026 liegen weniger in der reinen Technologieeinführung als in der Stärkung von Governance, organisationaler Prozessoptimierung und dem Aufbau kooperativer Strukturen zur Sicherung der digitalen Souveränität unter den Bedingungen knapper Ressourcen und wachsender regulatorischer Komplexität.


    Contact for scientific information:

    Malte Dreyer, Humboldt Universität zu Berlin
    Thomas Bieker, Hochschule Ruhr West


    Original publication:

    Die Auswertungsdokumente stehen auf Deutsch, Englisch und Französisch zur Verfügung:

    https://doi.org/10.5281/zenodo.18520230

    Das interaktive Dashboard mit allen Ergebnissen finden Sie hier:

    https://hu.berlin/tt26


    More information:

    https://www.zki.de/ueber-hochschulrechenzentren/top-concerns-umfragen/


    Images

    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars, all interested persons
    Information technology
    transregional, national
    Scientific Publications, Transfer of Science or Research
    German


     

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