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03/25/2026 16:00

Brasilien zu Gast in Köln: Länder-Partnerschaft auf der DGTHG-Jahrestagung war voller Erfolg

Sandra Arens Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie e.V.

    Brasilien – Deutschland: Das war wohl die weiteste Anreise zur 55. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie. Den Weg nach Köln auf sich genommen hatten renommierte Herzmediziner aus Brasilien im Rahmen der diesjährigen Länder-Partnerschaft der DGTHG. Die Vertreter von LACES (Latin American Society for Cardiovascular Surgery) - dem Äquivalent der DGTHG in Lateinamerika - gaben Einblicke in ihr komplexes Gesundheitssystem und setzten damit Impulse für noch mehr Wissensaustausch und globale Vernetzung.

    Wie funktioniert ein Gesundheitssystem für mehr als 200 Millionen Einwohner:innen? Diese Frage beantwortete Mauro Paes Leme de Sá, Leiter der Klinik für Herzchirurgie am Universitätsklinikum Hospital Universitário Clementino Fraga Filho in Rio de Janeiro. Er stellte das öffentlich finanzierte System SUS (Sistema Único de Saúde) vor, das allen Bürgerinnen und Bürgern Zugang zu Prävention, Behandlung und Rehabilitation bietet und eines der größten universellen Gesundheitssysteme der Welt ist. Privat versichert sind in Brasilien etwas 25 Prozent der Bevölkerung, also rund 53 Millionen Menschen.

    Ein Gesundheitssystem unter Druck

    Das SUS bildet das Rückgrat der medizinischen Versorgung in Brasilien, stößt aber auf Herausforderungen: medizinische Zentren und hochqualifiziertes Personal konzentrieren sich überwiegend in Ballungsräumen, während Menschen aus ländlichen Regionen oft lange Wege zu spezialisierten Einrichtungen auf sich nehmen müssen. Gleichzeitig gerät das System unter zunehmenden Druck: Eine alternde Bevölkerung, steigende Lebenserwartung, die hohe Zahl kardiovaskulärer Erkrankungen sowie teure Eingriffe wie PCI, TAVI oder ECMO treiben die Hospitalisierungsraten in die Höhe. Hinzu kommt, dass die Vergütungen für Herzoperationen in den vergangenen Jahren gesunken sind.

    Zukunftsziel: Bessere Datengrundlage für fundierte Entscheidungen

    Soweit der Blick auf Brasilien. LACES ist jedoch zuständig für ganz Latein-Amerika – also für 18 Länder. „Was in Brasilien gut funktioniert, lässt sich beispielsweise nicht unbedingt auf Uruguay übertragen“, machte Rui Manuel de Sousa Sequeira Antunes de Almeida in seinem Vortrag deutlich. Der Professor für Kardiologie am University Center Assis Gurgacz sowie an der Western Paraná State University betonte, dass LACES versuche, die vielen regionalen Unterschiede zu überbrücken und die Versorgung der Länder besser zu vernetzen. Hierfür müssten jedoch noch etliche Hürden genommen werden. Eine davon: die recht schwache Datenlage. Die große Mehrheit der Länder verfüge nicht über systematische medizinische Datensysteme oder nationale Register. Dies müsse sich ändern, um Behandlungsergebnisse vergleichbar machen und im Anschluss fundierte Entscheidungen treffen zu können. Zudem bestünden Zugangslücken für Patient:innen: Manche Zentren können Herzkrankheiten diagnostizieren, verfügen aber nicht über herzchirurgische Kapazitäten; andere Zentren beherrschen komplexe Eingriffe, sind aber nicht für alle Patientinnen und Patienten erreichbar. Ziel von LACES sei deshalb, komplexe Operationen auf spezialisierte Zentren zu konzentrieren, die exzellente Ergebnisse liefern, statt zahlreiche kleine Kliniken mit begrenztem Leistungsangebot zu unterhalten.

    Vier strategische Säulen für noch bessere Patientenversorgung

    Abschließend bot der renommierte Herzchirurg Fábio Biscegli Jatene einen Einblick in das Instituto do Coração (InCor), eines der führenden Herz- und Gefäßzentren Lateinamerikas. Das InCor gehört zum Hospital das Clínicas da Faculdade de Medicina der Universidade de São Paulo und ist eng mit der Universidade de São Paulo vernetzt. Der Komplex vereint elf spezialisierte Institute mit mehr als 500 Betten und wird durch ein Großkrankenhaus ergänzt.
    Im Fokus stehen vier strategische Säulen: Qualität und Patientensicherheit, minimalinvasive Chirurgie, patientenfokussierte Betreuung und ärztliche Weiter- und Ausbildung. Seit der Gründung der Abteilung für Qualität und Sicherheit im Jahr 2015 konnte die Mortalitätsrate bei Herzoperationen trotz steigender Fallzahlen von rund fünf auf etwa ein Prozent gesenkt werden. Besonders die minimalinvasive Herzchirurgie spielt dabei eine zentrale Rolle, deren Expertise auch im Austausch mit internationalen Partnern kontinuierlich ausgebaut wird.

    Neue Perspektiven für Deutschland

    Parallel dazu optimiert das Team die Patientenversorgung: Ein strukturiertes Behandlungskonzept verkürzt die Aufenthaltsdauer nach Koronarbypass-Operationen deutlich. Weitere Schwerpunkte sind das Patient Blood Management zur Fremdblut-Ersparnis sowie die Ausbildung künftiger Herzchirurg:innen. Mit einem neuen Trainingszentrum, Virtual-Reality-Technologie und digitalen Monitoring-Systemen treibt das Institut Innovationen voran und unterstützt auch weit entfernte Kliniken.

    Die DGTHG bedankt sich herzlich bei den brasilianischen Kollegen für ihre Beiträge auf der diesjährigen Jahrestagung. Die tiefgehenden Einblicke in das Gesundheitssystem – vom universellen SUS über die Organisation der herzmedizinschen Versorgung in 18 Ländern bis hin zu den modernen Verfahren am Instituto do Coração in São Paulo – eröffneten den Teilnehmenden neue Perspektiven für Know-how-Transfer, internationale Kooperationen und gemeinsame Studien, die die Qualität der Herzmedizin in Deutschland, Europa und weltweit nachhaltig stärken können.


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    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars, Students
    Medicine, Social studies
    transregional, national
    Scientific conferences, Transfer of Science or Research
    German


     

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