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03/29/2026 14:09

Stärkung der Kommunen als Anker für vernetzte Versorgungsstrukturen

Solveig Giesecke Pressesprecherin
Kuratorium Deutsche Altershilfe Wilhelmine-Lübke-Stiftung e. V.

    Die Vorständin des Kuratoriums Deutsche Altershilfe, Dr. Alexia Zurkuhlen, betonte mit Blick auf die Studie "Armut in der häuslichen Pflege" die Notwendigkeit, die Pflegeversorgung und -finanzierung grundlegend zu reformieren. "Zentral ist dabei die Stärkung der Kommunen als Anker vernetzter Sorgestrukturen, in denen Prävention, Rehabilitation, ambulante Pflege und Kümmerer organisiert sind."
    Die Studie des Paritätischen Gesamtverbandes und Prof. Dr. Thomas Klie, Rechts- und Sozialwissenschaftler sowie Kurator des KDA, macht deutlich, dass Hunderttausende Menschen und ihre Angehörigen infolge von Pflegebedarfen an der Armutsgrenze leben, und dass die "Hilfe zur Pflege" nicht ankommt.

    Der Paritätische Gesamtverband hat gemeinsam mit Prof. Dr. Thomas Klie, Sozial- und Rechtswissenschaftler sowie Mitglied im Kuratorium des KDA, die Studie „Armut in der häuslichen Pflege“ vorgelegt. Die zentralen Ergebnisse: Hunderttausende pflegebedürftiger Menschen leben am Existenzminimum. Verdeckte Pflegearmut ist weiter verbreitet, als bisher bekannt. Und ein erheblicher Teil der Anspruchsberechtigten erhält keine finanzielle Unterstützung durch die „Hilfe zur Pflege“ – insbesondere gilt das für Menschen in der häuslichen Pflege. Rund 5 Millionen Menschen werden in Deutschland zu Hause gepflegt. Etwa 390.000 von ihnen haben Anspruch auf die Sozialleistung „Hilfe zur Pflege“. Das heißt, ihr Einkommen und Vermögen reicht zusammen mit den Leistungen der Pflegeversicherung nicht aus, um ihre Bedarfe zu decken. Aber nur 76.000 Berechtigte erhalten diese Hilfe tatsächlich, das sind nur rund 20 Prozent der Berechtigten.


    Damit erhält im Schnitt nur einer von fünf Armutsbetroffenen in häuslicher Pflege die ihm zustehende Hilfe – je nach Bundesland kann das stark variieren. „Es ist bedrückend wie viel verdeckte Pflegearmut es in Pflege-Haushalten gibt“, betonte Dr. Alexia Zurkuhlen, Vorständin des Kuratoriums Deutsche Altershilfe (KDA). Um zumindest das bereits vorhandene Angebot der ‚Hilfe zur Pflege‘ zugänglicher zu machen, müsse „das Antragsprocedere vereinfacht und eine zugehende pflegefachliche Begleitung frühzeitig eingesetzt werden, sowie ambulante Dienste und Arztpraxen in Informationsketten mit eingebunden werden“, so ihre Forderung. Insgesamt, so Zurkuhlen, brauche es aber gerade mit Blick auf die ambulante Versorgung eine grundlegende Versorgungs- und Finanzreform der Pflege.

    Die „Hilfe zur Pflege“ ist eine Leistung der Sozialhilfe, die einspringt, wenn die eigenen finanziellen Mittel und die Leistungen der Pflegeversicherung nicht ausreichen. Während bei Bewohnerinnen und Bewohnern in stationären Pflegeeinrichtungen die Einrichtungen die Antragstellung auf „Hilfe zur Pflege“ in der Regel begleiten, sind die privaten Haushalte auf sich allein gestellt. Gerade bei häuslicher Pflege ist sie aber für viele Menschen existenziell – dabei kommt die Hilfe hier deutlich seltener an. Wenn laut Schätzungen ca. 315.000 armutsgefährdete Menschen in der ambulanten Versorgung den Zugang zur „Hilfe zu Pflege“ nicht erreichen, dürfte die Dunkelziffer noch viel höher sein.

    Das unsichtbare Versagen der sozialen Netze

    Gründe für den Hilfe-Gap liegen etwa in Informations- und Zugangsbarrieren: Komplexe Verfahren, Unwissen oder Hürden bei der Antragstellung führen dazu, dass Leistungen nicht in Anspruch genommen werden. Aber auch Scham, eine soziale Leistung nach einem arbeitsreichen Leben in Selbstständigkeit anzufragen, ist ein Hinderungsgrund. Die Studie spricht hier von einem „weitgehend unsichtbaren Versagen“, da gesetzliche Ansprüche in der Praxis oft nicht greifen. Ein weiterer Grund des Hilfe-Gaps ist die sehr heterogene Datenlandschaft in Deutschland, die über die potentiellen Empfängerinnen und Empfänger informiert. Sozialämter, Medizinische Dienste, Kranken- und Pflegekassen: Die Informationssysteme dieser Akteure sind oft proprietär und ohne Schnittstellen zu einander.

    Zusätzlich werde die informelle Pflege noch viel zu wenig in den Blick genommen, unterstrich Zurkuhlen: „Die Studie zeigt sehr deutlich, dass die häusliche Pflege immer noch eine reine ‚Blackbox‘ ist, über die es viel zu wenig Wissen und Daten gibt.“ Dabei werde gerade der Bereich der informellen Pflege in Zukunft enorm anwachsen. „Hier müssen Prävention, Rehabilitation, Pflege, Unterstützungsangebote und weitere Angebote zusammengedacht werden. Ankerpunkte für diese Netzwerke sollten die Kommunen sein, die entsprechend mit gesetzlichen Kompetenzen, aber auch finanziellen Mitteln ausgestattet werden müssen.“

    Reform der Versorgung und Finanzierung: starke Kommunen, vernetzte Sorgeinfragstruktur

    Im Moment, so Zurkuhlen, würde genau das Gegenteil stattfinden: „Die Quote der Bezieherinnen und Bezieher von ‚Hilfe zur Pflege‘ ist inzwischen allein in stationären Pflegeeinrichtungen weit über das Höchstmaß von 30 Prozent hinausgeschossen.“ Die Eigenbeiträge seien kontinuierlich angestiegen und liegen laut Verband der Ersatzkassen im ersten Aufenthaltsjahr bereits bei 3.245 Euro pro Monat im Schnitt. Das könnten sich immer weniger Menschen leisten und beantragten ‚Hilfe zur Pflege‘.

    „Tatsächlich findet also gerade eine enorme Verschiebung der finanziellen Pflegelasten Richtung Kommunen statt, die die ‚Hilfe zur Pflege‘ aus Steuermitteln stemmen müssen“, so Zurkuheln, die fragt: „Wie lange können die Kommunen und auch die Bürgerinnen und Bürger sich diese Kostenspirale noch leisten? Könnte man diese Steuermittel nicht sinnvoller einsetzen, statt sie für immer teurere Heimplätze zu überweisen?“ Die Antwort laute: „Sehr viel sinnvoller ist es, in eine kommunale Sorgeinfrastruktur zu investierten, die sehr effizient erhebliche Mitteleinsparungen bei gleichzeitig umfassender Versorgung durch Prävention, Rehabilitation, ambulante Angebote und die Begleitung durch ‚Kümmerer‘ erzielt. Hier darf sich der Staat nicht weiter aus der Verantwortung stehlen. Pflege darf nicht in Armut führen! Die Pflegereform muss gesetzliche und finanzielle Voraussetzungen für eine vernetzte kommunale Versorgung schaffen.“

    Volkswirtschaftlich sinnvolle Vermeidung von Kostenrisiken und Arbeitskraftausfall

    Die Ergebnisse der Studie zeigen einerseits, dass finanzielle Unterstützung dort fehlt, wo sie besonders dringend benötigt wird – im Alltag pflegender Angehöriger und in der häuslichen Versorgung. Sie zeigt, dass die Bedarfe in der häuslichen Pflege oftmals das verfügbare Einkommen, etwa die Rente, übersteigen. „Es besteht die Sorge, dass in einer solchen Situation viele Menschen mit Pflegebedarf und ihre Angehörigen auf pflegerische und unterstützende Angebote verzichten, um zu sparen“, befürchtet Zurkuhlen. Dies könne einerseits zur Verschlechterung des Zustandes und somit zu einem weiter steigenden Pflegebedarf und schließlich zu stationärer Pflege führen, andererseits zu einer Überlastung pflegender Angehöriger, die womöglich dem Arbeitsmarkt fehlen.

    Anspruch auf „Hilfe zur Pflege“ haben Menschen, deren eigenes Einkommen und Familienvermögen zusammen mit den Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung nicht ausreichen, um die notwendigen Pflegekosten zu decken. Voraussetzung ist in der Regel ein anerkannter Pflegegrad, der entweder zu Hause oder in einer Einrichtung besteht.

    #Pflege #HilfezurPflege #Kommune #CaringCommunitiy #Armut


    Contact for scientific information:

    Dr. Alexia Zurkuhlen, Vorständin des Kuratoriums Deutsche Altershife (KDA): info@KDA.de


    Original publication:

    https://kda.de/studie-hilfe-zur-pflege-erreicht-viele-betroffene-nicht/


    More information:

    https://www.der-paritaetische.de/fileadmin/user_upload/Schwerpunkte/Altenhilfe-P... - Studie „Armut in der häuslichen Pflege“
    https://kda.de/reset-pflegeversicherung-das-reform-strategiepapier-des-kda-jetzt... - KDA-Strategiepapier „Reset Pflegeversicherung – Strukturreform Pflege und Teilhabe III“


    Images

    Dr. Alexia Zurkuhlen, Vorständin des Kuratoriums Deutsche Altershife (KDA)
    Dr. Alexia Zurkuhlen, Vorständin des Kuratoriums Deutsche Altershife (KDA)
    Source: Jill Flug
    Copyright: KDA


    Criteria of this press release:
    Journalists, all interested persons
    Economics / business administration, Nutrition / healthcare / nursing, Politics, Social studies
    transregional, national
    Scientific Publications, Transfer of Science or Research
    German


     

    Dr. Alexia Zurkuhlen, Vorständin des Kuratoriums Deutsche Altershife (KDA)


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