Ob in Kita, Schule oder Kantine – was in Mecklenburg-Vorpommern auf den Teller kommt, soll gesünder, regionaler und ökologischer werden. Beim BioBitte-Dialogforum „Die Zukunft der Gemeinschaftsverpflegung“ diskutierten Politik, Wissenschaft und Praxis über den Weg zu einer nachhaltigen Verpflegung. Vertreten waren Akteur:innen aus Landespolitik und Kommunen, Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Wissenschaft, NGOs und Catering. Dabei wurden deutliche Signale für eine engere politische Verzahnung gesendet. Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus stellte die Initiierung einer interministeriellen Arbeitsgruppe für die Erarbeitung einer Ernährungsstrategie für das Land in Aussicht.
Ziel: Bio-regional bis 2035
„Bio-regional ist erste Wahl“ – zu diesem Statement des Landwirtschaftsministers gab es unter den Teilnehmenden am Dialogforum „Die Zukunft der Gemeinschaftsverpflegung in MV“ erstaunliche Einigkeit: Es wurde das Ziel formuliert, bis 2035 wesentliche Anteile der Verpflegung in Kitas, Schulen und anderen Einrichtungen auf frische, regional und in Bio-Qualität produzierte Ware umzustellen. „Wir müssen das Potenzial von täglich 200.000 Mahlzeiten nutzen“, so Jakob Wondra vom Forschungsprojekt RegioVers, das gemeinsam mit dem Verband BIO in MV e.V. im Rahmen der Initiative BioBitte das Dialogforum ausgerichtet hat.
Hochkarätiges Podium fordert Koordination und Standards
In der lebhaften Podiumsdiskussion mit Dr. Till Backhaus (SPD), Dr. Sylva Rahm-Präger (SPD), Dirk Bruhn (Die Linke) und Dr. Harald Terpe (Bündnis 90/Die Grünen) kristallisierten sich entscheidende Forderungen heraus:
· Verbindlichkeit bei Qualitätsstandards: Die Teilnehmenden sprachen sich dafür aus, die DGE-Qualitätsstandards für Kitas und Schulen künftig verpflichtend zu verankern, statt sie wie bisher als „Soll-Regelung“ zu führen. Ziel solle sein, die Verpflegung gesünder zu gestalten, um gesellschaftliche Probleme, wie z.B. Adipositas, zu bekämpfen.
· Signale für eine ressortübergreifende Strategie: Aus der politischen Runde waren deutliche Signale zu vernehmen, die Koordination beim Thema Ernährung künftig besser zu bündeln. Offenheit für einen ressortübergreifenden Austausch sei gefordert, als wichtiger erster Schritt hin zu einer interministeriellen Zusammenarbeit, mit Blick auf die Entwicklung einer umfassenden Ernährungsstrategie für MV.
· Rechtlicher Rahmen: Diskutiert wurde zudem die Verankerung von Bio-Quoten im Kitafördergesetz (KiFoeG) sowie im kommenden Koalitionsvertrag. Dies würde Landwirten, verarbeitende Unternehmen und Caterern Planungssicherheit geben und damit die Umstellung auf Bio-Produktion ankurbeln.
· Ernährung als Bildungsauftrag: Einigkeit herrschte zudem darüber, dass Ernährung auch ein Bildungsauftrag sei – Kinder sollten stärker durch Küchenbesuche und gemeinsame Gestaltung von Speiseplänen einbezogen werden. Zugleich bestand Konsens, dass gesunde Verpflegung sozial gerecht und für alle bezahlbar bleiben muss.
Von anderen lernen
Stephanie Wunder vom Think Tank Agora Agrar ordnete das Thema in ihrem Impulsvortrag in den Kontext erfolgreicher Ernährungsstrategien anderer Bundesländer ein. Sie verdeutlichte, wie die Gestaltung von „Ernährungsumgebungen“ – also das, was uns im Alltag zum Essen angeboten wird – Menschen dabei unterstützt, sich ohne Mehraufwand gesund und nachhaltig zu ernähren.
Bio-Quoten kostenneutral umsetzbar
Dass dieser Weg machbar ist, bewiesen Praxisbeispiele wie die Fröbel-Gruppe. Robert Kapa und Christiane Oppler berichteten, wie sie nach einer gezielten Küchenberatung den Bio-Anteil binnen eines Jahres von 10 % auf über 60 % steigerten – und das kostenneutral.
Die Strategie: Weniger Fleisch, mehr frische pflanzliche Rohware und eine Planung, die den Köch:innen wieder mehr handwerklichen Spielraum gibt. Auch Leuchttürme wie der Caterer „Knirps und Knolle“, das Studierendenwerk Greifswald und die neue Rostocker Großküche „Mittagsmatrosen“ zeigen, dass die Umstellung bereits an Fahrt aufnimmt.
Fazit und Ausblick
Das Dialogforum hat gezeigt: Die Praxis ist bereit, und die Politik sendet erste positive Signale für die notwendigen strukturellen Reformen. „Wir brauchen jetzt gemeinsam abgestimmte Regelungen, die soziale Gerechtigkeit mit ökologischer Verantwortung verbinden“, resümiert Hauptveranstalterin Anna Hope vom Verband BIO in MV. Der wissenschaftlich-praktische Dialog in Schwerin markiert damit den Startpunkt für eine neue Dynamik in der Ernährungspolitik des Landes.
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Perzinasaal
Copyright: Bio in Mecklenburg-Vorpommern e.V.
Podium
Copyright: Bio in Mecklenburg-Vorpommern e.V.
Criteria of this press release:
Journalists
Nutrition / healthcare / nursing, Social studies, Zoology / agricultural and forest sciences
transregional, national
Transfer of Science or Research
German

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