Achtung, SPERRFRIST: 1. April 2026
Wirtschaftskennzahlen zwischen Moves und Memes: Komplexe ökonomische Theorien in Kurzvideos populär machen und dabei fachlich bleiben – in Lehre und Forschung übersetzt.
Berlin, 1. April 2026 – Was haben steigende Mieten, Leitzinsen und ein viraler Sound gemeinsam? Die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin) richtet am 1. April 2026 eine Professur für Digitale Wirtschaftskommunikation mit Schwerpunkt Ökonomie in Kurzformaten ein. Damit reagiert die Hochschule auf den Trend, dass volkswirtschaftliche Zusammenhänge zunehmend über Clips und Algorithmen erklärt, verstanden, kommentiert und weitergescrollt werden.
„Wer heute über Inflation spricht, konkurriert nicht mehr nur mit Fachartikeln, sondern mit Social-Media-Trends“, heißt es aus dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften. Die neue Professur soll genau hier ansetzen: Studierende lernen, komplexe volkswirtschaftliche Kennzahlen wie Bruttoinlandsprodukt, Arbeitslosenquote oder Geldpolitik so aufzubereiten, dass sie auch zwischen zwei Swipe-Bewegungen Bestand haben – im besten Fall als Meme, im Idealfall sogar als Choreografie für einen Flashmob, der viral geht.
Im Zentrum der Wissensvermittlung steht die Frage, wie sich ökonomische Inhalte fachlich korrekt und gleichzeitig plattformgerecht vermitteln lassen. Denn während sogenannte FinTok-Formate Millionen junger Nutzerinnen und Nutzer erreichen, weist dieses Feld eine Schattenseite auf: Eine Studie von DayTrader.com, einer Plattform für Einzelanleger*innen, stellt im September 2025 fest, dass etwa 70 Prozent der am häufigsten angesehenen Finanz- und Anlage-Videos auf TikTok als irreführend einzustufen sind. Demnach thematisieren sie Risiken unzureichend oder wecken durch starke Vereinfachung komplexer Themen falsche Erwartungen. Dieser Herausforderung wird sich die HWR Berlin nun wissenschaftlich widmen.
„Wir sehen es als unsere Aufgabe, das ‚public understanding of economics‘ dorthin zu bringen, wo Öffentlichkeit heute stattfindet“, erklärt die designierte Professorin Prof. Dr. Leonie Schubert, die künftig zwischen Makroökonomie, Tanz und Medienästhetik vermitteln wird. „Wenn ein kurzer Clip mehr Menschen erreicht als ein Lehrbuchkapitel, sollten wir nicht fragen, ob das legitim ist, sondern wie wir es besser machen.“
Die Professur ist bewusst interdisziplinär angelegt: Volkswirtschaftslehre trifft auf Data Storytelling, klassischen und modernen Tanz, Schauspiel, Medienwissenschaft und Didaktik. Perspektivisch plant die HWR Berlin Kooperationen mit Schauspielschulen und Dance Academies, um Methoden zu entwickeln und zu vermitteln, um ökonomische Inhalte performativ erlebbar zu machen. Was bislang in Diagrammen und Gleichungen stattfand, könnte künftig auf Bühnen, in Studios und vor Smartphone-Kameras übersetzt werden. Dabei will die neue Professorin mit gutem Beispiel vorangehen.
Prof. Dr. Leonie Schubert bringt für diese ungewöhnliche Schnittstellenprofessur einen ebenso vielseitigen wie internationalen Werdegang mit. Nach ihrem Studium der Volkswirtschaftslehre und Medienkommunikation in Mannheim und Amsterdam promovierte sie an der renommierten University of Applied Memetics in Rotterdam, wo sie zur Wirkung verkürzter Videoformate auf das ökonomische Verständnis vor allem junger Zielgruppen forschte. Sie entwickelte einen Algorithmus-Simulator, der vorgab, Trends in FinTok-Videos sechs Monate vor ihrer Verbreitung vorherzusagen – allerdings mit einer Erfolgsquote von null Prozent, wie eine Studie später einräumte.
Es folgten Stationen als wissenschaftliche Beraterin für digitale Finanzbildung bei einer europäischen Zentralbank-Initiative sowie als Leiterin des Projekts „MacroMoves“, das ökonomische Zusammenhänge in performative Formate übersetzte. Die Ökonomin trainierte eine Gruppe von 120 Studierenden in synchronen Tanz-Moves, die exakt den Verlauf eines theoretischen Konjunkturzyklus nachbildeten. Die Gruppe konnte nach sieben Monaten intuitiv Arbeitslosenquoten vorhersagen, allerdings nur während der Probe. Zuletzt war Schubert als Gastprofessorin für „Economics and Digital Narratives“ tätig und betrieb einen vielbeachteten Wissenschaftskanal, auf dem sie regelmäßig aktuelle Wirtschaftsthemen zwischen Analyse und Augenzwinkern aufbereitet.
„Denkbar ist zum Beispiel, Geldpolitik als Dialogszene zu inszenieren oder Konjunkturzyklen choreografisch zu interpretieren“, sagt Schubert, die an einem Modul „TikTok-Ökonomie“ arbeitet. Erste Seminarthemen reichen von der „Inflation-Challenge“ (Preissteigerungen in Tanzschritten) bis zur „Zentralbank als POV-Story“ und „Sunshine Boy“-Clips zur Konjunkturentwicklung.
Ein Teil der Lehre wird über Social-Media-Kanäle erfolgen. Die HWR Berlin hat eine eigene TikTok-Lab-Kammer eingerichtet, in der Studierende unter strengster Netzzensur untersuchen, wie sich die Länge von Hashtags auf die Aufmerksamkeitsspanne auswirkt. VWL-Studierende sollen auf fundiertem volkswirtschaftlichem Wissen aufbauend Kurzformate für TikTok entwickeln, in denen wirtschaftliche Zusammenhänge verdichtet, visualisiert und in narrative oder körperliche Ausdrucksformen übertragen werden. Ziel ist es, neue Wege der Wissenschaftskommunikation zu erproben, die sowohl analytisch fundiert als auch anschlussfähig für eine mediengeprägte Öffentlichkeit sind – und im besten Fall dort verstanden werden, wo sonst nur gescrollt wird.
Als praxisorientierte Hochschule mit engem Bezug zur Berliner Wirtschaft und einem klaren Fokus auf Digitalisierung und Transformation sieht sich die HWR Berlin gut aufgestellt, neue Wege in der wirtschaftswissenschaftlichen Lehre und Forschung zu gehen. Die Hauptstadt gilt zudem als einer der wichtigsten europäischen Knotenpunkte für digitale Medien und Plattformökonomie.
„Unsere Studierenden sollen nicht nur verstehen, wie Märkte funktionieren“, so Schubert, „sie sollen auch lernen, wie man darüber spricht – und zwar so, dass man weder durch den Algorithmus geschwärzt noch weggewischt wird.“
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin) ist eine fachlich breit aufgestellte, international ausgerichtete Hochschule für angewandte Wissenschaften, einer der bundesweit größten staatlichen Anbieter für das duale Studium und im akademischen Weiterbildungsbereich. Sie sichert den Fachkräftebedarf in der Hauptstadtregion und darüber hinaus. Rund 12 000 Studierende sind in über 60 Studiengängen der Wirtschafts-, Verwaltungs-, Rechts-, Ingenieur- und Polizei- und Sicherheitswissenschaften sowie in internationalen Master- und MBA-Studiengängen eingeschrieben. Die HWR Berlin ist die viertgrößte Hochschule für den öffentlichen Dienst in Deutschland und mehrfach prämierte Gründungshochschule. Über 700 Kooperationen mit Partnern in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst garantieren den ausgeprägten Praxisbezug in Lehre und Forschung. 195 aktive Partnerschaften mit Universitäten auf allen Kontinenten fördern einen regen Studierendenaustausch und die internationale Forschungszusammenarbeit. Die HWR Berlin ist Mitglied im Hochschulverbund „UAS7 – Alliance for Excellence“ und unterstützt die Initiative der Hochschulrektorenkonferenz „Weltoffene Hochschulen – Gegen Fremdenfeindlichkeit“.
https://www.hwr-berlin.de
Zwischen Analyse und Algorithmus: Die HWR Berlin erprobt mit einer neuen Professur ab 1. April, wie ...
Source: Donna Elliot
Copyright: Donna Elliot auf Unsplash
Criteria of this press release:
Journalists, Students
Economics / business administration, Media and communication sciences
transregional, national
Miscellaneous scientific news/publications
German

Zwischen Analyse und Algorithmus: Die HWR Berlin erprobt mit einer neuen Professur ab 1. April, wie ...
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