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04/09/2026 10:09

Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession: Extremismus präventiv meistern

Nils Fabisch Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
SRH Fernhochschule

    Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter sehen sich immer häufiger mit Extremismus konfrontiert. Ein Phänomen, das vulnerablen Gruppen Zugehörigkeit verspricht und Fachkräfte vor ethische Herausforderungen stellt. Lehrende der SRH University und SRH Fernhochschule erklären, welche Auswirkungen das auf das Studium der Sozialen Arbeit hat.

    Die extremistischen Bedrohungen kommen aus allen Richtungen, berichten Betroffene. Prof. Dr. Simon W. Kolbe von der SRH University, der in der Sozialen Arbeit u. a. im Bereich bedürfnisorientierte Ethik und Menschenrechtsarbeit lehrt und forscht, erklärt: „Auch wenn Extremismus unterschiedliche Erscheinungsformen umfasst, wie etwa Linksextremismus, religiösen Fanatismus oder staatsverneinende Bewegungen, zeigt sich in Forschung und Praxis sehr deutlich, dass Rechtsextremismus die dominante und derzeit gravierendste Gefährdungslage darstellt. Er prägt nicht nur gesellschaftliche Konfliktlinien, sondern wirkt in besonderer Weise in die Handlungsfelder Sozialer Arbeit hinein.“

    Extremismus als Alltagsherausforderung der Sozialen Arbeit
    In der Praxis der Sozialen Arbeit manifestiert sich Extremismus nicht primär durch Schlagzeilen, sondern durch Bedrohungen der Klient:innen, die als Geflüchtete, Arbeitssuchende, Obdachlose, Suchtkranke oder als Teil anderer vulnerabler Gruppen kaum gesellschaftlichen Rückhalt genießen. Hinzu kommen schleichende Prozesse: Anfeindungen in Beratungsgesprächen, Rekrutierungsversuche unter Jugendlichen oder interne Spaltungen in Teams, wenn diskriminierende Haltungen toleriert werden. Prof. Dr. Simon W. Kolbe beschreibt diesen Wandel prägnant: „Extremistische Positionen sind heute im öffentlichen Raum und in digitalen Medien deutlich sichtbarer als noch vor einigen Jahren. Das betrifft besonders rechtsextreme Strömungen, aber auch andere ideologisch aufgeladene Debatten, die in den Berufsalltag dringen.“

    Henning Schulz-Hunger von der SRH Fernhochschule ergänzt: „Studierende berichten zunehmend von extremistischen Vorfällen in ihren Handlungsfeldern, sei es in Schulen, Kitas oder Jugendarbeit, von rassistischen Äußerungen bis zu queerfeindlichen Attacken.“ Formen des Extremismus, insbesondere der Rechtsextremismus sowie religiös begründeter und verschwörungsgetriebener Extremismus, weisen zentrale gemeinsame Strukturmerkmale auf: Ideologien der Ungleichwertigkeit, die Legitimation von Gewalt sowie die Ablehnung demokratischer Grundprinzipien. Kolbe fasst dies für die Soziale Arbeit zusammen: „Soziale Arbeit ist eine Menschenrechtsprofession mit klaren normativen Grundlagen. Für Menschenverachtung, Rassismus und Demokratiefeindlichkeit darf es in ihren Handlungsfeldern keinen Raum geben.“

    Risiken und Dynamiken
    Vulnerable Klient:innen wie Geflüchtete, Menschen mit Behinderung, Armutsbetroffene oder LGBTQIA+-Personen sind laut den beiden Experten doppelt gefährdet. Sie sind einerseits Zielscheibe extremistischer Anfeindungen und Gewalt, andererseits verstärkt Adressat:innen von Rekrutierungsversuchen, da ihre Lebenslagen gezielt instrumentalisiert werden. Schulz-Hunger erklärt: „Klient:innen können Opfer von Bedrohungen, Hass, Ausgrenzung oder Gewalt werden, etwa aufgrund von Herkunft, Religion, Geschlecht oder Lebensweise. Gleichzeitig machen belastende Lebenssituationen empfänglich für einfache Antworten, starke Autoritätsfiguren und Zugehörigkeitsversprechen.“ Kolbe ergänzt: „Extremistische Akteur:innen nutzen Ängste vor Migration, instrumentalisieren soziale Ungleichheit, versprechen spirituell-religiöse Lösungen und exklusive Zugehörigkeit oder propagieren vermeintliche Freiheit vom Staat. Digitale Plattformen und soziale Medien fungieren dabei als zentrale Verstärker und zugleich als nur unzureichend regulierte Kommunikationsräume, in denen solche Narrative niedrigschwellig verbreitet, normalisiert und gezielt zur Verbreitung und Rekrutierung eingesetzt werden.“

    Präventive Strategien und berufliche Qualifikation
    Die Soziale Arbeit reagiert mit professioneller Abgrenzung und mit einem politischen Mandat. Das bedeutet Orientierung an Menschenrechten, Hinweise auf Bedrohungslagen oder Ausgrenzungsmechanismen und Unterstützung von Klient:innen statt parteipolitischer Einbindung. Schulz-Hunger betont: „Entscheidend sind Medienkompetenzen, Reflexionsräume, interdisziplinäre Kooperation und Auseinandersetzung mit unbequemen Themen.“ Hochschulen wie die SRH Fernhochschule und die SRH University integrieren Module zu Extremismusformen, mit Schwerpunkten auf Sensibilisierung, Interventionsstrategien und Zivilcourage. Kolbe: „Studierende lernen in unseren Lehrveranstaltungen, Vorträgen, Studientagungen und Exkursionen, Rekrutierungsstrategien zu erkennen, Grenzverletzungen professionell zu handhaben und Handlungssicherheit zu wahren.“
    Bundesprogramme wie „Demokratie leben!“ stärken dies durch Förderung von Schulsozialarbeit, Erlebnispädagogik und Streetwork, die Vorurteile abbauen und Resilienz fördern. Interdisziplinäre Ansätze mit der Polizei, der Pastoral, Vereinen oder NGOs, wie zum Beispiel DigitalSchoolStory, ermöglichen Früherkennung und Kompetenzerwerb im Bereich Demokratie, Kommunikation, Digitalisierung und Gesellschaft.

    Resilienz stärken: Ein Appell an die Profession
    Die Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession muss Extremismus präventiv begegnen: durch klare Leitlinien, Fortbildungen und Vernetzung. Ein umfangreiches Interview mit Prof. Dr. Simon W. Kolbe und Henning Schulz-Hunger liefert weitere, praxisnahe Einblicke und Strategien. Soziale Arbeit trägt zur Stabilisierung demokratischer Werte bei und wird auch künftig eine zentrale Rolle in der Bearbeitung gesellschaftlicher Polarisierung einnehmen.

    Prof. Dr. Simon W. Kolbe lehrt an der SRH University am Standort Fürth. Er promovierte am Lehrstuhl für Sozial- und Gesundheitspädagogik an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und untersuchte inklusive Kompetenzen bei Schüler:innen. Seine Forschungs- und Lehrschwerpunkte sind: Lernen durch Lehren, bedürfnisorientierte Ethik und Menschenrechtsarbeit, Flucht und Migration, Inklusion und Teilhabe sowie Religiosität und Spiritualität.
    Kontakt: simon.kolbe@srh.de

    Henning Schulz-Hunger ist Fachdozent für Soziale Arbeit an der SRH Fernhochschule – The Mobile University. Seine Themenschwerpunkte sind neben der Sozialen Gruppenarbeit die Bereiche Kitasozialarbeit, schulische Sozialisation sowie Gewalt in Kitas und Schulen. Er engagiert sich ehrenamtlich in einer Kita sowie in einer weiterführenden Schule und führt dabei regelmäßige Workshops im Bereich der Erlebnispädagogik durch.
    Kontakt: henning.schulz-hunger@mobile-university.de

    SRH University
    Die SRH University ist eine private Hochschule mit bundesweit 18 Standorten, knapp 11.000 Studierenden aus über 140 Ländern und einem Angebot von rund 120 Studiengängen. Sie gehört zum gemeinnützigen Stiftungskonzern SRH, einem der größten Bildungs- und Gesundheitsanbieter Deutschlands. Mit über 50 Jahren Erfahrung in der Hochschulbildung strebt die SRH University an, den Zugang zu qualitativ hochwertiger Bildung zu ermöglichen und Fachkräfte von morgen auszubilden. Die SRH University legt großen Wert auf Offenheit, Vielfalt und zeitgemäße Bildungskonzepte, die Präsenz- und Online-Lehre miteinander kombinieren.

    SRH Fernhochschule – The Mobile University
    Seit 30 Jahren setzt sich die unbefristet staatlich anerkannte SRH Fernhochschule – The Mobile University dafür ein, dass Studierende ihren Traum vom Hochschulabschluss in jeder Lebenssituation verwirklichen. Fast 200 Mitarbeitende begleiten und unterstützen rund 12.000 Menschen auf ihrem Bildungsweg. 74 staatlich anerkannte Bachelor- und Master-Studiengänge sowie über 170 Hochschulzertifikate im Online-Studium geben schon heute die Antwort auf das, was morgen gefragt ist.

    Gemeinsam mit der EBS Universität für Wirtschaft und Recht studieren aktuell über 20.000 Studierende an den Hochschulen der SRH.

    SRH | Gemeinsam für Bildung und Gesundheit
    Als Stiftung mit führenden Angeboten in den Bereichen Bildung und Gesundheit begleiten wir Menschen auf ihren individuellen Lebenswegen. Unserer Leidenschaft fürs Leben folgend, helfen wir ihnen aktiv bei der Gestaltung ihrer Zukunft, hin zu einem selbstbestimmten Leben. Mit rund 17.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und 1,2 Mio. Kunden erwirtschaften wir einen Umsatz von fast 1,5 Mrd. Euro (2024).
    Die 1966 gegründete SRH ist heute eines der größten Bildungs- und Gesundheitsunternehmen Deutschlands mit bundesweit rund 80 Standorten. Hauptsitz der SRH ist Heidelberg.


    More information:

    https://www.mobile-university.de/news/pressemitteilungen/interview-extremismus-i... Hier finden Sie das dieser Mitteilung zugrunde liegende Interview


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    Prof. Dr. Simon W. Kolbe lehrt an der SRH University am Standort Fürth
    Prof. Dr. Simon W. Kolbe lehrt an der SRH University am Standort Fürth

    Copyright: SRH University

    Henning Schulz-Hunger ist Fachdozent für Soziale Arbeit an der SRH Fernhochschule
    Henning Schulz-Hunger ist Fachdozent für Soziale Arbeit an der SRH Fernhochschule

    Copyright: SRH Fernhochschule


    Attachment
    attachment icon Interview Extremismus im Berufsalltag Sozialer Arbeit

    Criteria of this press release:
    Journalists, Students, Teachers and pupils, all interested persons
    Social studies, Teaching / education
    transregional, national
    Miscellaneous scientific news/publications
    German


     

    Prof. Dr. Simon W. Kolbe lehrt an der SRH University am Standort Fürth


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