Flüsse, Moore und Auen stehen unter Druck – und mit ihnen zentrale Lebensgrundlagen für Mensch und Natur. Doch wie lassen sich zerstörte Ökosysteme nicht nur lokal, sondern europaweit wirksam wiederherstellen? Ein Team um Daniel Hering von der Universität Duisburg-Essen hat darauf nun eine Antwort gefunden: mit fünf zentralen „Bausteinen“, die den Weg für eine umfassende Renaturierung ebnen. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Conservation veröffentlicht.
Flüsse, Auen und Feuchtgebiete übernehmen essenzielle Funktionen wie Wasserreinigung, Hochwasserschutz und Lebensraum für zahlreiche Arten. Dennoch sind sie durch menschliche Eingriffe wie Verschmutzung, Flussregulierungen und Landnutzungsänderungen massiv beeinträchtigt. Obwohl sogenannte naturbasierte Lösungen (Nature-based Solutions, NbS) als vielversprechender Ansatz gelten, bleibt ihre Umsetzung bislang oft lokal begrenzt und fragmentiert, mit entsprechend begrenzter Wirkung.
Fünf Bausteine für die Renaturierung
Die Studie basiert auf der Auswertung von 18 Renaturierungsmaßnahmen in Europa, die im Rahmen des EU-geförderten MERLIN-Projekt umgesetzt wurden. Das Projekt wird von der Universität Duisburg-Essen koordiniert und mit rund 21 Millionen Euro durch die Europäische Union gefördert.
Ziel war es, Erfolgsfaktoren zu identifizieren, die eine Übertragung und Ausweitung solcher Maßnahmen ermöglichen. Die Analyse zeigt, dass erfolgreiche Renaturierung nicht auf Einzelmaßnahmen beruht, sondern auf dem Zusammenspiel mehrerer zentraler Elemente. Die Forschenden definieren fünf sogenannte „Bausteine“: eine fundierte Analyse des Ausgangszustands, die Entwicklung gemeinsamer Zukunftsvisionen, ein evidenzbasierter Ansatz, effektives Ressourcenmanagement sowie die aktive Einbindung relevanter Akteure.
Vom Einzelprojekt zur systemischen Transformation
Ein zentrales Ergebnis der Arbeit ist, dass Renaturierung nicht allein eine ökologische oder technische Aufgabe darstellt. Vielmehr handelt es sich um einen komplexen gesellschaftlichen Prozess. Die Umsetzung naturbasierter Lösungen ist stark von institutionellen Rahmenbedingungen, politischer Unterstützung und der Zusammenarbeit verschiedener Interessengruppen abhängig.
Die im Rahmen des MERLIN-Projekts untersuchten Fallstudien zeigen, dass Fortschritte insbesondere dort erzielt werden, wo langfristige Strategien, stabile Governance-Strukturen und verlässliche Finanzierungsmodelle vorhanden sind. Gleichzeitig wird deutlich, dass großflächige Renaturierung nur gelingt, wenn Maßnahmen an lokale ökologische und gesellschaftliche Gegebenheiten angepasst werden, anstatt standardisierte Lösungen zu übertragen.
Darüber hinaus verändert sich die Rolle der Wissenschaft: Sie agiert zunehmend als vermittelnde Instanz, die unterschiedliche Perspektiven zusammenführt, Wissen bereitstellt und gemeinsame Lernprozesse unterstützt.
Neue Perspektiven für Politik und Praxis
Die Studie liefert wichtige Impulse für europäische Umweltstrategien wie den European Green Deal. Eine breit angelegte Wiederherstellung von Süßwasserökosystemen gilt als zentral, um Biodiversitätsziele zu erreichen, Klimafolgen abzumildern und die Versorgung mit sauberem Wasser langfristig zu sichern.
Anstatt einheitliche Lösungen vorzugeben, bietet der entwickelte Ansatz eine praxisnahe Orientierung, die unterschiedliche regionale Bedingungen berücksichtigt. Langfristig können diese Erkenntnisse dazu beitragen, Renaturierungsmaßnahmen effektiver zu planen, besser zu vernetzen und ihre Wirkung deutlich zu erhöhen – ein entscheidender Schritt hin zu resilienten Ökosystemen und nachhaltigen Lebensgrundlagen.
Prof. Dr. Daniel Hering, Biologie, Tel. 0201/18 3-3084, daniel.hering@uni-due.de
https://natureconservation.pensoft.net/article/148938/
Probenentnahme an einem Bach
Source: Andre Zelck
Copyright: UDE/Andre Zelck
Criteria of this press release:
Journalists, Scientists and scholars
Biology, Environment / ecology
transregional, national
Scientific Publications
German

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