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04/13/2026 09:00

Klimaerwärmung verändert den Schlupfzeitpunkt von Bienen und Wespen

Robert Emmerich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    Ein groß angelegtes Experiment zeigt: Wärme holt Bienen und Wespen früher aus der Winterruhe – viele von ihnen haben dann schlechtere Startbedingungen. Das gilt besonders für Arten in kühleren Regionen, die im Frühling schlüpfen.

    Die meisten Wildbienen überwintern als verpuppte Larven in ihren Kokons im Boden, in Holz oder an anderen geschützten Orten. Arten, die im zeitigen Frühjahr schlüpfen, überwintern als voll entwickelte Erwachsene im Kokon. Dagegen müssen Arten, die im Sommer schlüpfen, ihre Entwicklung im Frühjahr noch abschließen.

    Weltweit verändert der Klimawandel den Zeitpunkt, zu dem Insekten im Frühjahr oder Sommer aus ihrer Winterruhe erwachen. Diese Verschiebungen können Folgen haben: Wenn Insekten wegen höherer Temperaturen zu früh schlüpfen, finden sie eventuell noch nicht die Blüten oder die Beutetiere, von denen sie sich ernähren. Außerdem verbrennen sie ihre lebenswichtigen Fettreserven bei höheren Temperaturen schneller. Das kann ihre Überlebenschancen und Fortpflanzungsmöglichkeiten verringern.

    Insekten von 160 Standorten in Bayern untersucht

    Wie steht es um die körperliche Fitness von Bienen und Wespen, wenn sich die Temperaturen rund um den Schlupfzeitpunkt verändern? Das hat ein Team um Dr. Cristina Ganuza und Professor Ingolf Steffan-Dewenter vom Biozentrum der Universität Würzburg untersucht. Dazu betrachteten die Forschenden fünf wildlebende Bienen- und Wespenarten, die in Bayern vorkommen und zu unterschiedlichen Jahreszeiten schlüpfen.

    Für die Studie stellte sich das Team einer Mammutaufgabe: Es sammelte fast 15.000 in Winterruhe befindliche Individuen aus über 160 Regionen in Bayern und zog sie dann an der Uni unter kontrollierten kalten, warmen und heißen Frühjahrsbedingungen auf, um verschiedene Klimaszenarien nachzustellen.

    Weibchen verlieren bis zu 34 Prozent ihrer Körpermasse

    Alle fünf Arten schlüpften bei wärmeren Frühlingstemperaturen früher. Doch dabei unterschieden sich die Populationen nach ihrer klimatischen Herkunft: Frühjahrsarten aus wärmeren Regionen wie Unterfranken erschienen bei warmen Frühlingstemperaturen besonders früh und behielten in der Zeit danach mehr Körpermasse als Individuen aus kühleren Regionen wie dem Bayerischen Wald.

    Im Gegensatz dazu schlüpften bei den Spätsommerarten nur die Individuen aus kühleren Regionen früher. Weibchen der Sommerarten verloren unter wärmeren Bedingungen schneller an Körpermasse – in einigen Fällen bis zu 34 Prozent.

    Insekten aus kühleren Regionen, die im Frühling fliegen, haben Nachteile

    „Unsere Daten zeigen, dass Insekten aus kühleren Regionen besonders anfällig für warme Frühjahre sind. Sie verlieren schneller ihre Energiereserven und haben dadurch schlechtere Startbedingungen“, sagt Dr. Cristina Ganuza. Die Erstautorin der Studie forscht am Lehrstuhl für Zoologie III (Tierökologie und Tropenbiologie) der Universität Würzburg.

    Die Ergebnisse der Studie sind im Journal Functional Ecology veröffentlicht. Sie sind Teil des LandKlif-Projekts, das Professor Steffan-Dewenter im Bayerischen Klimaforschungsnetzwerk (bayklif) leitet.

    Die Forschenden sehen mehrere offene Fragen, die als nächstes zu klären sind:

    • Wie beeinflussen zusätzliche extreme Hitzetage das Schlüpfen?
    • Welche Folgen haben die Energiereserven der Insekten für deren Bestäubungsleistungen?
    • Wie schnell können sich Populationen an veränderte Temperaturen anpassen?


    Contact for scientific information:

    Dr. Cristina Ganuza, Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie, Biozentrum der Universität Würzburg, T +49 931 31-86893, cristina.ganuza_vallejo@uni-wuerzburg.de

    Prof. Dr. Ingolf Steffan-Dewenter, Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie, Biozentrum der Universität Würzburg, T +49 931 31-86947, ingolf.steffan@uni-wuerzburg.de


    Original publication:

    Climatic origin and plasticity shape emergence timing and fitness in bees and wasps under experimental climate regimes. Functional Ecology, 13. April 2026, DOI 10.1111/1365-2435.70309


    More information:

    https://www.biozentrum.uni-wuerzburg.de/zoo3/ JMU-Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie
    https://www.landklif.biozentrum.uni-wuerzburg.de/ Forschungsprojekt Landklif


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    Eine rote Mauerbiene (Osmia bicornis) in ihrem Winterquartier, einem Schilfhalm. Sie ist frisch geschlüpft und schickt sich an, das Nest zu verlassen.
    Eine rote Mauerbiene (Osmia bicornis) in ihrem Winterquartier, einem Schilfhalm. Sie ist frisch gesc ...
    Source: Cristina Ganuza
    Copyright: Cristina Ganuza


    Criteria of this press release:
    Journalists, all interested persons
    Biology, Environment / ecology, Oceanology / climate
    transregional, national
    Research results, Scientific Publications
    German


     

    Eine rote Mauerbiene (Osmia bicornis) in ihrem Winterquartier, einem Schilfhalm. Sie ist frisch geschlüpft und schickt sich an, das Nest zu verlassen.


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