Irina Dudanova ist neu in der Anatomie der Universität Würzburg. Sie erforscht molekulare und zelluläre Mechanismen neurodegenerativer Erkrankungen und will verstehen, warum manche Nervenzellen besonders anfällig für Degeneration sind.
Neurodegenerative Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson oder Chorea Huntington sind in einer alternden Gesellschaft immer häufiger anzutreffen, eine wirksame Therapie existiert noch nicht. „Das Nervensystem ist extrem komplex und besitzt eine riesige Vielfalt an Zelltypen, die unterschiedlich stark von diesen Krankheiten betroffen sind“, erklärt Irina Dudanova.
Die Wissenschaftlerin, die zum 1. April 2026 auf den Lehrstuhl für Anatomie I der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) gewechselt ist, möchte genau hier ansetzen: Sie erforscht unter anderem, warum einige Neurone absterben, während andere Zellen in der direkten Nachbarschaft lange Zeit verschont bleiben. Vielleicht verbirgt sich hinter diesem Geheimnis ein Ansatz für eine wirksame Therapie.
Ein Leuchtturm für die anatomische Forschung
Der Wechsel von Köln nach Würzburg war für Dudanova eine bewusste Entscheidung für einen traditionsreichen Standort. „Würzburg ist ein wichtiges Zentrum der deutschen Anatomie und durch Namen wie Kölliker oder Röntgen weltbekannt“, so Dudanova. In Würzburg sieht sie ideale Bedingungen, um ihre Forschung zu erweitern. Und die anstehende Sanierung des neuen Institutsgebäudes auf dem Gelände des Uniklinikums biete ihr eine klare Zukunftsperspektive.
Um die komplexen Vorgänge im Gehirn zu entschlüsseln, setzt Dudanovas Arbeitsgruppe auf eine Kombination aus modernster Technik und biologischer Grundlagenforschung. Ein Werkzeug, mit dem sie unter anderem arbeitet, ist eine eigens entwickelte „Proteostase-Sensor-Maus“.
Der Sensor macht mittels fluoreszenter Bilder sichtbar, wenn eine Zelle unter Ansammlungen geschädigter Proteine leidet, noch bevor bleibende Schäden entstehen. „So erhalten wir ein Zeitfenster, in dem wir experimentell eingreifen und versuchen können, die Schäden umzukehren“, erläutert die Professorin. Neben Mausmodellen nutzt sie auch humane Stammzellen und Gewebeproben, um ihre Erkenntnisse auf den Menschen zu übertragen.
Begeisterung für das Sezieren und für moderne Lehre
Trotz ihrer intensiven Forschung liegt Irina Dudanova die Ausbildung der Medizinstudierenden am Herzen. Den klassischen Präparierkurs, bei dem angehende Ärztinnen und Ärzte den menschlichen Körper beim Sezieren kennenlernen, sowie Anatomie-Seminare in kleinen Gruppen empfindet sie als besonders prägend. „Man arbeitet dort sehr nah mit den Studierenden zusammen, das schafft eine ganz andere persönliche Beziehung als in einer Frontalvorlesung“, sagt sie.
Dennoch möchte sie die Lehre modernisieren. Geplant sind interaktive Formate wie anonyme digitale Umfragen oder der Einsatz von 3D-Apps und VR-Brillen, um den Körper virtuell zu erkunden. Auch der frühe Bezug zur Klinik ist ihr wichtig: Durch die Einbindung beispielsweise von Ultraschall, MRT- oder Röntgenbildern sollen Studierende bereits in der Anatomie verstehen, welche Bedeutung das Gelernte für spätere Diagnosen hat. Ihre Lehrveranstaltungen in Histologie sollen darüber hinaus Kenntnisse über den zellulären und molekularen Aufbau des Körpers vermitteln, die für die personalisierte Präzisionsmedizin der Zukunft entscheidend sind.
Karriere und Familie als Teamleistung
Irina Dudanova ist Mutter von drei Kindern und möchte jungen Wissenschaftlerinnen als Vorbild dienen. Dass man sich zwischen einer Karriere in der Spitzenforschung und einer Familie entscheiden müsse, hält sie für ein veraltetes Vorurteil. „Es ist nicht immer einfach, aber mit Disziplin und einem unterstützenden Partner absolut machbar“, betont sie. Es sei ihr ein besonderes Anliegen, den weiblichen Nachwuchs zu fördern und zu ermutigen, Führungspositionen anzustreben.
Zur Person
Irina Dudanova wurde 1981 im russischen Petrozavodsk geboren; in Russland studierte sie Humanmedizin. Für ein internationales Master- und Promotionsprogramm im Bereich der Neurowissenschaften kam sie nach Göttingen, wo sie 2007 promoviert wurde. Nach langjähriger Forschung am Max-Planck-Institut für Neurobiologie/biologische Intelligenz in Martinsried, zuletzt als Leiterin der Forschungsgruppe „Molekulare Neurodegeneration“, folgte sie 2022 einem Ruf an die Universität zu Köln. Seit dem 1. April 2026 leitet sie den Lehrstuhl für Anatomie I der Universität Würzburg.
Prof. Dr. Irina Dudanova, T +49 931 31-82976, irina.dudanova@uni-wuerzburg.de
Prof. Dr. Irina Dudanova
Source: Daniel Peter
Copyright: Universität Würzburg
Criteria of this press release:
Journalists, Scientists and scholars
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German

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