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04/14/2026 12:12

Trinkwasser in Küstennähe weltweit bedroht

Kathrin Voigt Kommunikation und Medien
Johannes Gutenberg-Universität Mainz

    Aktuelle Studie zeigt, wie Versalzung von Grundwasser durch Überentnahme und steigenden Meeresspiegel zum Problem wird

    Grundwasser nahe der Küste ist in vielen Regionen der Erde eine zentrale Trinkwasserquelle. Allerdings ist diese Quelle durch Überentnahme und die daraus folgende potenzielle Versalzung bedroht – und der Anstieg des Meeresspiegels verschlimmert die Situation weiter. Das zeigt die aktuelle Studie eines Forschungsteams um Prof. Dr. Robert Reinecke vom Institut für Geographie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und Annika Nolte vom Climate Service Center Germany (GERICS) in Hamburg, die heute in der Fachzeitschrift Nature Water veröffentlicht wurde. "Im Zeitraum von 1990 bis 2024 zeigen mehr als 20 Prozent der von uns untersuchten Küstengebiete signifikante Veränderungen des Grundwasserspiegels, teilweise ist er um mehr als 50 Zentimeter pro Jahr gesunken. Das weist auf eine Überentnahme und damit das potenzielle Eindringen von Meerwasser und eine damit einhergehende Versalzung hin", erklärt Prof. Dr. Robert Reinecke. Dabei sei vor allem das Zusammenspiel von Überentnahme und dem durch die Erderwärmung weltweit steigenden Meeresspiegel gefährlich: "Denn sinkt das Grundwasser, kann das Meerwasser leichter eindringen."

    Daten zu 480.000 Brunnen verknüpft

    Grundlage der Studie sind Daten zu rund 480.000 Brunnen in verschiedenen Ländern, die die Forschenden zusammengetragen haben – den bislang größten globalen Datensatz zu Küstengrundwasser-Messungen. "Unsere Studie leistet drei wesentliche Beiträge: Erstens übersetzt sie die verfügbaren Messdaten von den verschiedenen Orten in global vergleichbare Größen, anhand derer sich die Lage erstmals großflächig bewerten lässt. Zweitens weist sie auf Gebiete, die besonders gefährdet sind, und die dortigen Veränderungen hin. Und drittens liefert sie Indikatoren, mit denen die Entwicklung an bislang nicht beobachteten Küsten simuliert werden kann", so Reinecke.

    Wie sich der Grundwasserspiegel in den betroffenen Gebieten verändert hat, ist sehr unterschiedlich – teilweise ist er gestiegen, teilweise gesunken. Allerdings registrieren die Forschenden seit 2016 zunehmend sinkende Pegel. "In welchem Maße sich die Grundwasserspiegel verändern, variiert deutlich – innerhalb vieler Regionen auch kleinräumig", berichtet Reinecke. Sinkende Pegel zeigten sich vor allem an Küsten der USA und Zentralamerikas, im Mittelmeerraum, in Südafrika, in Indien sowie im Süden Australiens.

    Im Mittelpunkt der jetzt vorgelegten Studie stand die Frage, wo Küstengrundwasser besonders anfällig für eindringendes Salzwasser ist. "Besonders gefährdet sind Küstengebiete, in denen das Grundwasser in der Nähe des Meeresspiegels liegt, sowie generell trockene Gebiete, in denen die Bevölkerung sich besonders auf Grundwasser verlassen muss. Unsere Studie liefert weltweite Belege, dass das küstennahe Grundwasser von Versalzung bedroht ist und priorisiert überwacht und gemanagt werden muss", so Reinecke. "In den kommenden 50 Jahren kann es in allen Küstengebieten der Welt zu Trinkwasserproblemen kommen." Das sei nicht nur problematisch für die Trinkwasserversorgung der dort lebenden Menschen und damit mehr als 30 Prozent der Weltbevölkerung, sondern auch für die dortige Lebensmittelerzeugung und die dortigen Ökosysteme.

    Bildmaterial:
    https://download.uni-mainz.de/presse/09_geo_grundwasserpumpe_kalifornien.jpg
    Grundwasserpumpe in Kalifornien
    Foto/©: Robert Reinecke

    Weiterführende Links:
    https://erdsysmod.uni-mainz.de/ – Arbeitsbereich Erdsystemmodellierung am Geographischen Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
    https://www.geo.uni-mainz.de/ – Geographisches Institut der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
    https://www.climate-service-center.de/ – Climate Service Center Germany (GERICS)

    Lesen Sie mehr:
    https://presse.uni-mainz.de/wmo-bericht-zu-weltwasserressourcen-2024-war-gepraeg... – Pressemitteilung "WMO-Bericht zu Weltwasserressourcen: 2024 war geprägt von extremen Dürren und Starkregen" (18.09.2025)
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    https://www.magazin.uni-mainz.de/wasserforschung-mit-internationaler-relevanz/ – JGU-Magazin: "Wasserforschung mit internationaler Relevanz" (04.04.2024)
    https://presse.uni-mainz.de/zweiter-bericht-ueber-zustand-der-globalen-wasserres... – Pressemitteilung "Zweiter Bericht über Zustand der globalen Wasserressourcen veröffentlicht" (12.10.2023)
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    Contact for scientific information:

    Prof. Dr. Robert Reinecke
    Erdsystemmodellierung
    Geographisches Institut
    Johannes Gutenberg-Universität Mainz
    55099 Mainz
    Tel.: 06131 39-27875
    E-Mail: reinecke@uni-mainz.de
    https://erdsysmod.uni-mainz.de/robert-reinecke/


    Original publication:

    A. Nolte et al., Coastal groundwater-level trends reveal global susceptibility to seawater intrusion, Nature Water, 14. April 2026,
    10.1038/s44221-026-00619-8,
    https://www.nature.com/articles/s44221-026-00619-8


    Images

    Grundwasserpumpe in Kalifornien
    Grundwasserpumpe in Kalifornien
    Source: Foto/©: Robert Reinecke


    Criteria of this press release:
    Journalists, all interested persons
    Environment / ecology, Geosciences, Oceanology / climate
    transregional, national
    Research results, Scientific Publications
    German


     

    Grundwasserpumpe in Kalifornien


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