Der Klimawandel hat Folgen für die Wasser-, Nahrungsmittel- und Gesundheitsversorgung im Kongobecken. Ein internationales Team unter der Führung eines Würzburger Forschers widmet sich nun dieser Problemlage.
Das Kongobecken beinhaltet das zweitgrößte zusammenhängende Tropenwald-Gebiet der Erde. Knapp 25 Prozent der weltweiten tropischen Regenwälder liegen in dem Tiefland, das sich wie eine Schüssel über die Demokratische Republik Kongo und benachbarte zentralafrikanische Staaten erstreckt. Der Klimawandel setzt dem Becken jedoch zu: Er fördert dort die Ausbreitung von Krankheiten wie Ebola und Malaria, bedroht die Biodiversität und könnte durch Hitze das Gebiet unbewohnbar machen.
Ein internationales Projekt untersucht nun den „Gesundheitszustand“ des Kongobeckens auf mehreren Ebenen. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) fördert das Vorhaben. Die Federführung hat Professor Freddy Bangelesa, Klimatologe an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg (JMU) und Forscher an der School of Public Health der Universität Kinshasa. Er ist Mitglied der Arbeitsgruppe Klimatologie unter Leitung von Professor Heiko Paeth.
„Wir möchten die klimabedingten Dynamiken im Kongobecken umfassend verstehen. Das Klima hat nämlich auch Einfluss auf die Versorgung mit Wasser, Energie und Nahrung sowie auf die Gesundheit der Bewohner“, so Bangelesa. Zum Projekt gehören Fragen wie: Ist die Wasserversorgung wegen steigender Temperaturen bedroht? Wie beeinflusst das Klima die Ausbreitung von Krankheiten? Welche Auswirkungen sind für Ernten zu erwarten?
Würzburger Team wertet Klimadaten aus
Zu diesen Fragen gebe es über das Kongobecken bisher nur wenig Forschung und kaum systematische Ansätze, sagt der Klimatologe. Um ein solches interdisziplinäres Vorhaben stemmen zu können, koordiniert Bangelesa ein internationales Forschungsteam.
Die Forschenden an der JMU konzentrieren sich auf das Klima. Sie werten hochaufgelöste Klimadaten aus, die zeigen sollen, wie sich die Temperaturen und die Niederschläge im Becken bisher verändert haben, welche Folgen schon sichtbar sind und welche Schäden noch eintreten können.
„Unsere ersten Simulationen zeigen, dass dem Kongobecken ein jährlicher Rückgang des Niederschlags von 500 Milliliter pro Quadratmeter drohen könnte. Das entspricht nahezu der jährlichen Regenmenge, die auf der gleichen Fläche in Würzburg fällt“, warnt Bangelesa. Das sei für einen aktuellen Wert von knapp 6000 Milliliter je Quadratmeter ein enormer Verlust.
Ein internationales Team
Die Dimension der Gesundheit übernimmt ein Team der School of Public Health der Universität Kinshasa. Es tritt dafür in den Austausch mit lokalen Gemeinschaften, um die Gesundheit der Bewohner zu dokumentieren und zu beobachten. Forschende der südafrikanischen Universität Witwatersrand erfassen gefährdete Ökosysteme und entwickeln mögliche Schutzmaßnahmen.
Forschende der Universität Neuenburg (Schweiz) untersuchen, wie die Politik das Leben im Kongobecken nachhaltig verbessern könnte. Die Congolese Young Academic of Science wird bei der Verbreitung der Ergebnisse unterstützen. Für Würzburg, Südafrika und Kinshasa sind zudem drei Doktorandenstellen für das Projekt eingerichtet worden.
„Wir bringen Forschende der Nord- und der Südhalbkugel zusammen, um ein Problem gemeinsam zu lösen. Außerdem wird ein kongolesischer Doktorand an der JMU mitwirken und nach seiner Promotion im Kongo weiterforschen“, so Bangelesa. Das helfe, vor Ort das Bewusstsein für den Klimawandel und seine lokalen Auswirkungen zu schärfen.
Ziel des Projektes ist es, Handlungsempfehlungen für die Anwohner, die Bauern und die kongolesischen Behörden zu geben. „Wir bilden die Fachleute dort aus, wo sie benötigt werden, um die Zukunft des Kongobeckens zu sichern“, sagt der Klimatologe.
Förderung
Das Projekt „Integration von Klima- Wasser-, Nahrungsmittel- und Energiesystemen für nachhaltige Entwicklung und Gesundheitsresilienz im Kongobecken“ erhält eine Förderung von insgesamt knapp 650.000 Euro. Das Vorhaben wird auch vom Belmont Forum unterstützt. Förderer sind die National Research Foundation (Südafrika), der Schweizerische Nationalfonds, das internationale Forschungsprogramm Future Earth und das BMFTR. Letzteres fördert das Würzburger Team mit rund 150.000 Euro. Die Laufzeit des Projekts beträgt drei Jahre.
Prof. Dr. Freddy Bangelesa, Arbeitsgruppe Klimatologie, Institut für Geographie und Geologie, T +49 931 31-81168, freddy.bangelesa@uni-wuerzburg.de
https://belmontforum.org/ Webseite des Belmont Forums
Criteria of this press release:
Journalists, Scientists and scholars
Biology, Geosciences, Oceanology / climate
transregional, national
Research projects
German

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