idw – Informationsdienst Wissenschaft

Nachrichten, Termine, Experten

Grafik: idw-Logo
idw-Abo

idw-News App:

AppStore

Google Play Store



Instance:
Share on: 
04/16/2026 15:50

Elektrokatalysatoren: Ladungstrennung an der Fest-Flüssig-Grenzfläche modelliert

Dr. Antonia Rötger Kommunikation
Helmholtz-Zentrum Berlin für Materialien und Energie GmbH

    Wasserstoff spielt für die Wende hin zur CO₂-Neutralität eine entscheidende Rolle, sowohl als Energieträger als auch als Ausgangsstoff für die grüne Chemie. Die großtechnische Erzeugung von Wasserstoff durch Elektrolyse erfordert jedoch deutlich kostengünstigere und effizientere Katalysatoren. Um Elektrokatalysatoren gezielt zu verbessern, ist es von großem Nutzen, die Prozesse genauer zu verstehen, die an der Grenzfläche zwischen dem festen Katalysator und flüssigen Medium ablaufen. Ein europäisches Team hat in der Fachzeitschrift Nature Communications ein leistungsfähiges Modell vorgestellt, das diese Prozesse sowie ihren Einfluss auf die katalytische Aktivität hervorragend beschreibt.

    Die Elektrokatalyse ist eine Technologie mit enormem Potenzial: Mit geeigneten Elektrokatalysatoren und Ökostrom lässt sich Wasserstoff nahezu klimaneutral herstellen oder – ein weiteres wichtiges Beispiel – CO2 in Kohlenwasserstoffe umwandeln. Leider bestehen herkömmliche Katalysatoren aus seltenen Edelmetallen wie Platin oder Iridium. Kostengünstige Katalysatoren, z.B. aus Übergangsmetallhydroxiden, wurden bislang nur für bestimmte Teilreaktionen entwickelt. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass auch die Beschichtung metallischer Oberflächen mit Nickelhydroxid-Nanoclustern die katalytische Aktivität steigern kann.

    Bislang war jedoch unklar, warum dies funktioniert. „Obwohl Veränderungen in der Struktur des Elektrolyten nahe der Grenzfläche nachgewiesen wurden, war nicht wirklich verstanden, was an der Grenze zwischen der festen Elektrode und dem flüssigen Elektrolyten geschieht, wo diese Reaktionen stattfinden. Diese Grenzfläche ist von Natur aus komplex, da sie sowohl die Physik des festen Materials als auch die Chemie der Flüssigkeit umfasst“, sagt Arsène Chemin vom Institut Lumière Matière und der Université Claude Bernard Lyon 1.

    Chemin und sein Kollege David Amans haben zusammen mit Tristan Petit und Louis Godeffroy vom Helmholtz-Zentrum Berlin ein Modell entwickelt, das auf Festkörperphysik basiert und die Metall/Halbleiter/Elektrolyt-Grenzfläche während der Elektrokatalyse beschreibt. Indem das Modell das Fermi-Niveau zusammen mit dem chemischen Potential in einem einheitlichen Bild betrachtet, schlägt es eine Brücke zwischen Festkörperphysik und Chemie und stellt eine direkte Verbindung zu elektrokatalytischen Formalismen wie der Butler-Volmer-Kinetik her.

    „Konkret berücksichtigen wir die Potentialbarrieren und elektrischen Felder an der Grenzfläche, die durch den Ladungstransfer induziert werden. Dabei klären wir den Ursprung der Ladungstrennung an der Grenzfläche auf und zeigen, wie sich eine elektrische Doppelschicht bildet, die das lokale elektrische Potential beeinflusst“, sagt Petit. „Tatsächlich scheint das lokale elektrische Potential bei den meisten Metallelektroden der limitierende Faktor für die katalytische Aktivität zu sein!“, fügt Chemin hinzu. Das Modell liefert zudem Hinweise, wie die elektrokatalytische Aktivität von Dünnschichtkatalysatoren gesteigert werden kann: beispielsweise durch Aufbringen einer dünnen Halbleiterschicht (1 bis 10 nm) auf eine Metallelektrode. Das neue Modell bietet theoretische Kriterien für die Konstruktion effektiver Elektroden und kann als Leitfaden für die Entwicklung neuer Materialien dienen. Die weitaus detaillierteren Einblicke in elektrochemische Vorgänge an Fest-Flüssig-Grenzflächen, die dadurch ermöglicht werden, sind hilfreich, um mit gezielteren Designstrategien neue Materialien für die Elektrokatalyse, Batterien, aber auch für andere Energieumwandlungstechnologien zu entwickeln.


    Contact for scientific information:

    Arsène Chemin, arsene.chemin@univ-lyon1.fr
    Tristan Petit, tristan.petit@helmholtz-berlin.de


    Original publication:

    Nature Communications (2026): The role of the Helmholtz potential on electrocatalytic activity

    Arsène Chemin, Louis Godeffroy, David Amans & Tristan Petit
    DOI: 10.1038/s41467-026-70980-5


    Images

    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars
    Chemistry, Energy, Physics / astronomy
    transregional, national
    Research results, Transfer of Science or Research
    German


     

    Help

    Search / advanced search of the idw archives
    Combination of search terms

    You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.

    Brackets

    You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).

    Phrases

    Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.

    Selection criteria

    You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).

    If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).