Konkrete Wege für die Transformation urbaner Zentren
Wie lassen sich Stadtzentren als multifunktionale Orte des nachhaltigen Konsums gestalten? Dieser Frage sind Forschende im Rahmen des Projekts SONa nachgegangen. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Die nachhaltige Entwicklung von Innenstädten braucht einen ganzheitlichen Ansatz und neue politische Instrumente, um mit leerstehenden Gewerbeflächen umzugehen. In den Städten Duisburg, Schwentinental und Würzburg wurden verschiedene Ansätze in Reallaboren erprobt. Nun liegen sowohl der Abschlussbericht als auch ein Policy Paper mit konkreten Handlungsempfehlungen vor.
Innenstädte stehen an einem Wendepunkt: Vermehrt leerstehende Gebäude, veränderte Konsumgewohnheiten und Nutzungskonkurrenzen sowie die immer dringlichere Notwendigkeit von Klimaanpassungsmaßnahmen verschärfen die ohnehin bestehenden Herausforderungen. Zugleich wächst der Anspruch, urbane Räume und vor allem Stadtzentren als Orte mit Aufenthaltsqualität, Möglichkeit der sozialen Teilhabe und ökologischer Verantwortung zu gestalten. Vor diesem Hintergrund untersuchten die SONa-Projektbeteiligten, welche Rolle nachhaltige Konsumangebote in der Transformation der Innenstädte haben können. Ziel war es, Maßnahmen zu entwickeln und zu testen, um die Aufenthaltsqualität zu sichern bzw. zu steigern und gleichzeitig nachhaltige Konsummuster – also leihen, mieten, tauschen oder reparieren – vor Ort zu etablieren oder zu stärken. Hierfür wurden mittels eines bundesweiten Ideenwettbewerbs drei Pilotprojekte ausgewählt:
- der Pop-up-Store „Nachhaltig made by Duisburg“
- die Kleidertauschbörse „TauschRausch“ in Schwentinental sowie
- das Zukunftshaus Würzburg mit einem nachhaltigen Liefer- und Abholservice
Jedes Pilotprojekt erhielt finanzielle und wissenschaftliche Unterstützung, um die Umsetzung ihrer Idee für nachhaltigen Konsum umzusetzen.
Als zentrales Ergebnis zeigt sich: Erfolgreiche Innenstadt-Projekte sind kein Produkt einzelner Maßnahmen, sondern die Summe vieler. Vor allem politisches Engagement, eine enge Zusammenarbeit zwischen den Ämtern sowie eine klar benannte Ansprechperson, die sich kümmert, sind entscheidend für den Erfolg der Projekte. So lassen sich durch nachhaltige Angebote die Leerstände in Innenstädten oder brachliegende Flächen temporär oder dauerhaft wiederbeleben. Dabei stärken Beteiligungsangebote, Pop-up-Formate und digitale Plattformen die Akzeptanz der Maßnahmen in der Stadtgesellschaft. „Damit diese Transformation gelingt, braucht es politisches Commitment, einen flexiblen Handlungsrahmen und Experimentierräume, um neue Ideen testen und die Stadtgesellschaft dabei aktiv einbinden zu können“, stellt Dr. Franziska Stelzer, Leiterin des SONa-Projekts und Senior Researcherin im Forschungsbereich Innovationslabore am Wuppertal Institut, heraus.
Begleitendes Policy Paper widmet sich leerstehenden Gewerbeflächen
Auf Basis der Projekterfahrungen widmen sich die Autorinnen im begleitenden Policy Paper „Wiederbelebung von Innenstädten nachhaltig gestalten” gezielt einer der größten Herausforderungen: dem Zugang von leerstehenden Gewerbeflächen. Im Fokus stehen die finanzielle Unterstützung von Gründer*innen bei der Anmietung von Gewerbeflächen über sogenannte Anmietungsfonds und das kommunale Instrument des Vorkaufsrechts.
Eine ergänzende, nicht-repräsentative Kommunalbefragung zeigt: Anmietungsfonds besitzen ein hohes Potenzial zur Belebung von Innenstädten – sofern ausreichende finanzielle Mittel vorhanden sind. Allerdings: „Bislang spielen soziale und ökologische Kriterien bei der Vergabe selten eine Rolle. Damit bleiben wichtige Potenziale und Gestaltungsmöglichkeiten bisher ungenutzt. Daher ist es ratsam, Anmietungsfonds mit klaren Nachhaltigkeitskriterien und entsprechenden Beratungsangeboten zu verknüpfen“, erläutert Michaela Roelfes, Senior Researcherin im Forschungsbereich Stadtwandel am Wuppertal Institut und Mitautorin des Policy Papers.
Das kommunale Vorkaufsrecht wird zwar vereinzelt erfolgreich eingesetzt, jedoch nicht durchgängig als wirksam eingeschätzt. Es gilt als aufwändig, rechtlich begrenzt und ist bislang wenig verbreitet. Hier sehen die Autorinnen weiteren Forschungsbedarf – etwa in Form einer vergleichenden Evaluation des bisherigen Einsatzes im Bereich von Innenstädten. Die Forscherinnen regen an, dass der Bund eine entsprechende, transformativ ausgerichtete Forschung fördern sollte und bestehende Förderprogramme, insbesondere zur Einrichtung von Anmietungsfonds, fortgeführt und administrativ vereinfacht werden.
Der Abschlussbericht sowie das Policy Paper sind in den nachfolgenden Links verfügbar.
https://wupperinst.org/c/wi/c/s/cd/1077/ | Dr. Franziska Stelzer, Senior Researcherin im Forschungsbereich Innovationslabore am Wuppertal Institut
https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/stadtzentren-als-orte-nachhaltigen-... | SONa-Abschlussbericht: Stadtzentren als Orte nachhaltigen Konsums gestalten
https://www.umweltbundesamt.de/dokument/wiederbelebung-von-innenstaedten-nachhal... | Policy Paper: Wiederbelebung von Innenstädten nachhaltig gestalten
https://wupperinst.org/p/wi/p/s/pd/2192/ | Projektbeschreibung: SONa – Stadtzentren als Orte nachhaltigen Konsums – Post-Corona-Zeit als Chance für zukünftige Konsumkulturen
Criteria of this press release:
Business and commerce, Journalists
Economics / business administration, Environment / ecology, Oceanology / climate, Politics
transregional, national
Research projects, Research results
German

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