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04/23/2026 11:43

Welttag des Labors 2026: „Ohne Labor geht in der Gesundheitsversorgung fast nichts“

Markus Wolters Geschäftsstelle
Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin e. V.

    DGKL-Vorstand Jan Wolter geht im NACHGEFRAGT-Interview auf die Bedeutung der Labormedizin aus Sicht der Patienten ein. Anlass ist der heutige Welttag des Labors.

    MedLabPortal: Herr Wolter, wie jedes Jahr ist der 23. April der Welttag des Labors. Wozu brauchen wir den?

    Wolter: Die Labormedizin ist die kritische Infrastruktur innerhalb der kritischen Infrastruktur Gesundheitsversorgung. Oder um es einfacher zu formulieren: Ohne Labor geht in der Gesundheitsversorgung fast nichts. Dafür leisten Mediziner, klinische Chemiker aber auch Medizinische Technologen und weiteres Fachpersonal jeden Tag, jede Nacht, am Wochenende und an Feiertagen ihren Dienst. Dabei tragen sie eine enorme Verantwortung. Das wissen leider nur die wenigsten. Der Welttag des Labors steht für die Leistung dieser engagierten Menschen und die Bedeutung ihrer Tätigkeiten für unsere Gesundheit.

    MedLabPortal: Die Angabe, wonach rund 70 Prozent aller Diagnosen mit Hilfe der Labormedizin erstellt werden ist zwar bekannt. Unser Hausarzt steht aber zur Maxime, dass er Menschen, und keine Blutwerte behandelt. Wie eng arbeitet die Labormedizin mit praktizierenden Arztpraxen zusammen?

    Wolter: Die Laborwerte müssen immer im Kontext gesehen werden. Und genau dabei hilft der Labormediziner. Natürlich muss der Hausarzt nicht bei jedem Blutbild im Labor anrufen, um es sich erklären zu lassen. Aber nicht immer nimmt man die Ergebnisse in die Hand und weiß sofort etwas damit anzufangen. Und tatsächlich kann die Beratung auch schon vorher anfangen: Welche Parameter sollen überhaupt abgefragt werden?

    MedLabPortal: Bleiben wir beim Alltag. Eine 92-jährige Diabetikerin musste vergangene Woche mit Blaulicht aus dem Pflegeheim ins 25 km entfernte Krankenhaus transportiert werden, weil das Pflegeheim den Blutzucker lediglich ein Mal im Monat gemessen hat. Sie kollabierte und überlebte nur knapp. Nötig wären Messungen drei Mal täglich gewesen, dass hätte den Notfall verhindert. Verursacht der Wegfall von Labormedizin-Leistungen nicht enorme Kosten?

    Wolter: Eine moderne medizinische Versorgung ist ohne Labor gar nicht denkbar. Um Medikamente richtig einzustellen, sind Laboruntersuchungen vorab oftmals unerlässlich, beispielsweise bei der Wahl des richtigen Antibiotikums; aber auch in der Vorsorge. Je früher eine Krankheit diagnostiziert werden kann, umso besser, schneller und kostengünstiger kann sie behandelt und im besten Fall geheilt werden.

    MedLabPortal: Uns hat verwundert, dass viele labormedizinische Untersuchungen für Selbstzahler deutlich günstiger sind, als gedacht. Ein PSA-Test beispielsweise kostet keine 50 Euro – kann aber wertvolle Hinweise über Sein oder Nichtsein eines Prostatatumors liefern. Warum verlassen sich alle nur auf die Kassenleistungen?

    Wolter: Sogar weniger als 30 Euro! Ich bin ein großer Freund davon, dass die Krankenkassen Vorsorgeuntersuchungen erstatten – gerade auch einen PSA-Test, der in einer S3-Leitlinie auch empfohlen wird. Gleichzeitig haben wir uns hier in Deutschland sehr daran gewöhnt, dass sich um unsere Gesundheit die Krankenkasse kümmert und nicht wir selbst. Nicht alles, was eine Krankenkasse nicht erstattet, ist auch nicht sinnvoll. Jeder muss hier mehr Verantwortung für sich selbst übernehmen.

    MedLabPortal: Wenn wir schon bei niedergelassenen Arztpraxen sind: Welche Rolle spielt die Präanalytik bei einer Blutentnahme?

    Wolter: Sie ist von entscheidender Bedeutung. Ohne eine saubere Präanalytik ist die Probe mitunter wertlos. Wird sie also zu stark geschüttelt oder nicht richtig gelagert, kann das Ergebnis verfälscht sein.

    MedLabPortal: Also muss ich als Patient der MFA erklären, wann ich die Faust für wie lange oder überhaupt ballen soll? Bei allem Respekt – niemand würde sich nach meinen Anweisungen richten.

    Wolter: Als Patient muss ich mich darauf verlassen können, dass die Fachkraft sich auskennt. Leider habe ich schon selbst erleben müssen, dass das nicht immer der Fall ist. Hier besteht offensichtlich noch Aufklärungsbedarf.

    MedLabPortal: Der Deutschen liebstes Kind ist bekanntlich das Auto, dafür geben sie allein für TÜV oder DEKRA regelmäßig viel Geld aus. Wie wollen Sie als DGKL-Vorstand der Öffentlichkeit klarmachen, dass Labormedizin ebenfalls eine Art TÜV für die eigene Gesundheit darstellen kann?

    Wolter: Der Vergleich ist gut. Mit einer Laboruntersuchung kann man für viele Bereiche oder Funktionen des Körpers feststellen, ob noch alles in Ordnung ist und das schnell und unkompliziert. Leider sind viele eher bereit, Geld in ihr Auto zu investieren, als in ihre Gesundheit. Gleichzeitig muss ich aber auch vor einer Überdiagnostik warnen. Wer wissen möchte, was neben den gängigen Vorsorgeuntersuchungen sinnvollerweise noch getestet werden kann, sollte sich hierzu mit einem Facharzt für Labormedizin beraten. Dadurch erspart man sich unnötige und oftmals teure Tests und ist für den Fall der Fälle gleich in Fachhänden.

    MedLabPortal: Vielen Dank für Ihre Zeit.

    Die Fragen stellte Vlad Georgescu.


    More information:

    https://medlabportal.de/welttag-des-labors-2026-ohne-labor-geht-in-der-gesundhei...


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    Jan Wolter, Vorstand der DGKL
    Jan Wolter, Vorstand der DGKL

    Copyright: DGKL


    Criteria of this press release:
    Business and commerce, Journalists, Scientists and scholars, Students, Teachers and pupils, all interested persons
    Medicine
    transregional, national
    Miscellaneous scientific news/publications
    German


     

    Jan Wolter, Vorstand der DGKL


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