Die Forschenden des Max Delbrück Center und seiner Partnerinstitutionen haben 2025 fast ein Drittel weniger Tiere als im Vorjahr zu wissenschaftlichen Zwecken eingesetzt. Insgesamt waren es 23.878 Tiere. Die Zahlen hat das Zentrum an das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales übermittelt.
Die Zahl der Versuchstiere, die das Max Delbrück Center dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales gemeldet hat, ist erneut gesunken. Insgesamt 23.878 Tiere haben die Forschenden im Jahr 2025 für Experimente eingesetzt, mit deren Hilfe sie neue Therapien für den Menschen entwickeln wollen. Im Vorjahr waren es 31.517 Tiere gewesen. Bereits dieser Wert war der niedrigste seit zehn Jahren.
Die meisten der 2025 verwendeten Tiere waren Mäuse. Von ihnen wurden 20.802 Tiere genutzt, 5.262 weniger als im Jahr zuvor. Die anderen eingesetzten Tiere waren Ratten (1.521), Zebrafische (1.406) und Nacktmulle (149), diese werden in der Statistik unter „Andere Nagetiere“ geführt.
Die Experimente haben Forschende des Max Delbrück Center vorgenommen sowie kooperierende Arbeitsgruppen der Charité – Universitätsmedizin Berlin, des Leibniz-Forschungsinstituts für Molekulare Pharmakologie (FMP), des Berlin Institute of Health in der Charité (BIH), des Forschungszentrums DESY (Deutsches Elekronen-Synchrotron) am Standort Zeuthen und des Biotechnologie-Unternehmens T-knife, einer Ausgründung des Max Delbrück Center auf dem Campus Berlin-Buch.
Die meisten Versuchstiere waren gering belastet
4.933 der eingesetzten Tiere waren den Wissenschaftler*innen zufolge genetisch nicht verändert. 17.837 Tiere waren genetisch verändert, ohne pathologische Symptome zu zeigen. 1.108 Tiere waren so verändert, dass sie Symptome entwickelten. Durch die gezielten Eingriffe ins Erbgut gelingt es den Forschenden, physiologische Prozesse im gesunden und erkrankten Organismus besser zu verstehen.
Fast die Hälfte der Tiere (10.644) wurden für wissenschaftliche Zwecke getötet, sie gelten als nicht belastet. Auch bei den anderen Versuchstieren (insgesamt 13.234) war der Belastungsgrad laut Angaben der Forschenden meist gering. Bei 3.579 Tieren haben die Teams ihn als mittel und bei 184 Tieren als schwer eingestuft.
Unabhängig vom Belastungsgrad sind die Wissenschaftler*innen des Max Delbrück Center verpflichtet, Beschwerden der Tiere so gut es geht, zum Beispiel durch geeignete Schmerzmittel, zu reduzieren. Außerdem müssen sie die Belastungen gegen den erwarteten medizinischen und wissenschaftlichen Nutzen abwägen.
Grundsätzlich gilt die 3R-Regel (Replace, Reduce, Refine). Sie besagt, dass alle Forschenden angewiesen sind, die Zahl ihrer Versuchstiere so gering wie möglich zu halten, Schmerzen und Leid der Tiere zu minimieren und, wann immer es geht, auf Ersatzmethoden zurückzugreifen.
Für die sinkenden Zahlen gibt es mehrere Gründe
Dass Letzteres insbesondere durch den technologischen Fortschritt immer leichter möglich wird, zeigen die seit Jahren sinkenden Zahlen der am Max Delbrück Center eingesetzten Versuchtiere. Viele Arbeitsgruppen des Zentrums, die in den vergangenen Jahren neu entstanden sind, haben sich zum Beispiel auf Bioengineering oder Data Science spezialisiert – Forschungsfelder, für die weniger Versuchstiere benötigt werden.
Andere Teams, in denen mehr Tiere genutzt wurden, haben sich aufgelöst, zum Beispiel weil ihre Gruppenleiter*innen sich in den Ruhestand verabschiedet haben. Wieder andere Gruppen arbeiten inzwischen vermehrt mit Organoiden – winzigen Organ-Modellen, die aus Stammzellen gezüchtet werden.
Komplett auf Tierexperimente verzichten kann das Max Delbrück Center auf absehbare Zeit nicht. Für viele Fragestellungen in den Lebenswissenschaften gebe es bislang keine Alternative, betonen die Wissenschaftler*innen des Zentrums übereinstimmend. Der menschliche Körper ist äußerst komplex, fast immer beeinflussen Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Zellen, Geweben und Organen seine Funktionen und auch die Effekte, die mögliche neue Medikamente haben. Dieses Zusammenspiel lässt sich oft nur im lebenden Organismus erforschen.
Das Max Delbrück Center gilt als einer der Vorreiter in der offenen Kommunikation zu Tierversuchen in der Wissenschaft. Unter anderem gehört es zu den Erstunterzeichnenden der bundesweiten „Initiative Transparente Tierversuche“. Zudem zeichnete die Informationsinitiative „Tierversuche verstehen“ das Zentrum im Jahr 2024 bereits zum zweiten Mal für seine vorbildliche Kommunikation zu tierexperimenteller Forschung aus. Seit 2012 setze das Max Delbrück Center kontinuierlich Maßstäbe in der Aufklärung über Tierversuche, heißt es in der Begründung, mit einem klaren Fokus auf den aktiven Dialog mit der Öffentlichkeit.
Max Delbrück Center
Das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft legt mit seinen Entdeckungen von heute den Grundstein für die Medizin von morgen. An den Standorten in Berlin-Buch, Berlin-Mitte, Heidelberg und Mannheim arbeiten unsere Forschenden interdisziplinär zusammen, um die Komplexität unterschiedlicher Krankheiten auf Systemebene zu entschlüsseln – von Molekülen und Zellen über Organe bis hin zum gesamten Organismus. In wissenschaftlichen, klinischen und industriellen Partnerschaften sowie in globalen Netzwerken arbeiten wir gemeinsam daran, biologische Erkenntnisse in praxisnahe Anwendungen zu überführen – mit dem Ziel, Frühindikatoren für Krankheiten zu identifizieren, personalisierte Behandlungen zu entwickeln und letztlich Krankheiten vorzubeugen. Das Max Delbrück Center wurde 1992 gegründet und vereint heute eine vielfältige Belegschaft mit rund 1.800 Menschen aus mehr als 70 Ländern. Wir werden zu 90 Prozent durch den Bund und zu 10 Prozent durch das Land Berlin finanziert.
https://www.mdc-berlin.de/de/ueber/werte/tierversuche-ethik - Tierversuche und Ethik am Max Delbrück Center
Criteria of this press release:
Journalists
Medicine
transregional, national
Miscellaneous scientific news/publications
German

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