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04/24/2026 07:15

Riesenfischsaurier aus Nordbayern schwamm verletzt durchs Jurameer

Katja Henßel Öffentlichkeitsarbeit
Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns

    Ein Fossilfund aus Mistelgau in Nordbayern zeigt: Offenbar haben die letzten Vertreter der riesigen Fischsaurier der Gattung Temnodontosaurus im südwestdeutschen Meeresbecken länger existiert als bisher angenommen. Das Meeresreptil aus der frühen Jurazeit ist außergewöhnlich gut erhalten. SNSB-Forschende fanden neben Verletzungen am Skelett des Meeresräubers auch Magensteine im Bauchraum des Tiers – ein Phänomen, das man in der Regel von Vögeln, Dinosauriern oder Krokodilen kennt. Die Ergebnisse ihrer Untersuchung veröffentlichen die Forschenden in der paläontologischen Fachzeitschrift Zitteliana.

    Die Tongrube Mistelgau nahe Bayreuth ist bekannt für ihre gut erhaltenen Meeresfossilien, insbesondere für ihren Reichtum an Fischsauriern (Ichthyosaurier). Die großen Meeresreptilien ähnelten in ihrer Gestalt heutigen Delfinen und lebten weltweit zur Zeit des frühen Jura vor rund 180 Millionen Jahren. Der jetzt untersuchte Fischsaurier aus Mistelgau gehört zur Gattung Temnodontosaurus. Erhalten sind mehrere Teile seines Skeletts: Fragmente des Schädels und Unterkiefers, der Schultergürtel, Vorderflossen, die Wirbelsäule sowie über 100 Zähne. Die außergewöhnliche dreidimensionale Erhaltung erlaubt den Forschenden detaillierte Einblicke in bislang nur selten überlieferte anatomische Strukturen, etwa im Bereich des Gaumens, der Augen und der Flossen. Vergleiche zeigen deutliche Ähnlichkeiten, aber auch Unterschiede zur Art Temnodontosaurus trigonodon – Tiere dieser Art gehören zu den größten bekannten Fischsauriern überhaupt. Basierend auf seiner Schädellänge von 1,5 Metern dürfte das Tier etwa 6,6 Meter lang gewesen sein.

    „Unser Temnodontosaurus-Fossil gehört zu den jüngsten Funden dieser Fischsauriergattung überhaupt. Bisher kennen wir deren Vertreter hauptsächlich aus älteren Fundschichten, wie dem Posidonienschiefer von Holzmaden. Der Fund aus Mistelgau zeigt nun, dass diese großen Meeresreptilien im südwestdeutschen Meersebecken länger überlebt haben als bisher dokumentiert“, sagt SNSB Paläontologin Dr. Ulrike Albert, Autorin der Studie. Albert forscht am Urwelt-Museum Oberfranken in Bayreuth, einem von zehn Museen der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns. Das Team des Urwelt-Museums Oberfranken führt seit 1998 regelmäßige Ausgrabungen in Mistelgau durch. Die dort geborgenen Fossilien werden im Urwelt-Museum präpariert und anschließend wissenschaftlich untersucht.

    Besonders auffällig sind mehrere, vermutlich verletzungsbedingte Veränderungen des Skeletts, unter anderem am Schultergelenk und Kiefergelenk des Reptils. „Die Verletzungen dürften das Tier beim Beutefang deutlich eingeschränkt haben“, erklärt Stefan Eggmaier, Präparator am Urwelt-Museum und ebenfalls Autor der Studie. „Dass es dennoch überlebt hat, zeigen unter anderem seine stark abgenutzten Zähne und Magensteine, die wir im Bauchraum nachweisen konnten.“ Magensteine sind bei Ichthyosauriern wie Temnodontosaurus extrem selten. Möglicherweise musste das Tier seine Nahrung umstellen, um die Verletzungen zu überleben, vermutet Eggmaier.

    Die aktuellen Ergebnisse sind Teil laufender Forschungen zur Ökologie des Jurameeres in Oberfranken. Geplant sind Analysen an Zähnen und Knochenstrukturen, mit dem Ziel, die Ökologie der Lebensräume dieser Tiere besser zu verstehen.


    Contact for scientific information:

    Dr. Ulrike Albert
    SNSB – Urwelt-Museum Oberfranken
    Kanzleistraße 1, 95444 Bayreuth
    Tel.: 0921-511 211
    E-Mail: albert@snsb.de


    Original publication:

    Eggmaier SA, Albert UEG (2026) A partial skeleton of Temnodontosaurus cf. trigonodon in three-dimensional bone preservation from the upper Toarcian of Mistelgau, Germany. Zitteliana 100: 39-80. https://doi.org/10.3897/zitteliana.100.172724


    More information:

    https://www.snsb.de - Staatliche Naturwissenschaftliche Sammlungen Bayerns (SNSB)
    https://urwelt-museum.snsb.de - Urwelt-Museum Oberfranken (SNSB-UMO)


    Images

    Rekonstruktion des beschriebenen Temnodontosaurus cf. trigonodon.
    Rekonstruktion des beschriebenen Temnodontosaurus cf. trigonodon.
    Source: Joschua Knüppe (Künstler)

    Fossil Temnodontosaurus cf. trigonodon (UMO BT 011237.00), in Ansicht von unten, mit Schä-del- und Rumpfplatte, einschließlich aller isolierten Knochen und Zähne, die aus dem umgeben-den Sediment geborgen wurden.
    Fossil Temnodontosaurus cf. trigonodon (UMO BT 011237.00), in Ansicht von unten, mit Schä-del- und R ...
    Source: Ulrike Albert
    Copyright: Urwelt-Museum Oberfranken


    Criteria of this press release:
    Journalists, Scientists and scholars, Teachers and pupils, all interested persons
    Biology, Geosciences
    transregional, national
    Miscellaneous scientific news/publications, Research results
    German


     

    Rekonstruktion des beschriebenen Temnodontosaurus cf. trigonodon.


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    Fossil Temnodontosaurus cf. trigonodon (UMO BT 011237.00), in Ansicht von unten, mit Schä-del- und Rumpfplatte, einschließlich aller isolierten Knochen und Zähne, die aus dem umgeben-den Sediment geborgen wurden.


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