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04/30/2026 11:16

Nachhaltigkeit im Profisport: Arminia-Profi Maël Corboz möchte OWL zusammen mit der HSBI zur Modellregion machen

Dr. Lars Kruse Ressort Hochschulkommunikation
Hochschule Bielefeld

    Sportgroßveranstaltungen und Nachhaltigkeit scheinen auf den ersten Blick unvereinbar: Die Stadionwurst aus der Pappschale, Energie für Beleuchtung und Wärme oder die An- und Abreise der Besucher:innen verbrauchen in kurzer Zeit enorme Ressourcen – und das jede Woche aufs Neue. Eine Unternehmensgründung aus Bielefeld möchte die vermeintlichen Gegensätze Profisport und Nachhaltigkeit nun zusammenbringen. Gründer und Gesicht hinter der Idee von „elevengreen“ ist der Kapitän des DSC Arminia Bielefeld, Maël Corboz. Mithilfe wissenschaftlicher Expertise vom Fachbereich Wirtschaft der HSBI und dem Transferprojekt InCamS@BI soll in OWL ein innovatives Ökosystem für nachhaltigen Sport entstehen.

    Bielefeld (hsbi). Eine typische Gründungsgeschichte, mit der alles begann, hat er nicht. Sagt er. Aber wenn Maël Corboz über Nachhaltigkeit spricht, braucht es keinen einstudierten ‚Elevator Pitch‘, um auf sehr eindringliche Weise zu verstehen: Hier meint es jemand ernst. Denn am Anfang von Corboz‘ Beziehung zur Nachhaltigkeit steht eigentlich kein Geschäftsmodell, sondern Kindheitserinnerungen: „Ich habe den Großteil meiner Kindheit in der Natur verbracht, bin im Winter mit meinen Eltern auf verschneiten Pisten Ski gefahren“, berichtet der Kapitän des DSC Arminia Bielefeld. „Dass die Umwelt meiner Kindheit durch den Klimawandel in naher Zukunft nicht mehr in dieser Form da sein wird, ist für mich kaum vorstellbar“, erzählt Corboz. Der 31-Jährige sitzt auf den weißen Stufen vor dem Schüler:innenlabor experiMint am Ende der Magistrale der Hochschule Bielefeld (HSBI) und schaut auf die grüne Wiese hinter dem Hauptgebäude.

    Corboz bringt sein Interesse an Ökologie als Gründer ein

    Mit grünem Rasen kennt sich Corboz aus. 2016 wagte er den Sprung als Fußballprofi aus den USA nach Europa. Nach verschiedenen Stationen in Deutschland und den Niederlanden führt er seit knapp anderthalb Jahren das Team von Fußball-Zweitligist Arminia Bielefeld als Kapitän aufs Feld. Doch Corboz‘ Horizont reicht schon lange über 90 Minuten Spielzeit und das Stadion hinaus. Seit 2022 bringt der Sohn französischer Eltern sein Interesse an Ökologie und Nachhaltigkeit mit seinem Hauptjob auch unternehmerisch zusammen: „elevengreen“ heißt das Startup, mit dem Corboz versucht, den Profisport durch Strategie, Bildung und Beratung grüner zu machen. Zugute kommen ihm und Co-Founder Nicolai Theilinger vom TBV Lemgo dabei ihre gewachsenen Netzwerke in den Profiligen von Fußball bzw. Handball.

    Von der persönlichen Kontaktpflege zum Beratungsunternehmen

    „Anfänglich habe ich tatsächlich einzelne Spieler aus meinem persönlichen Netzwerk kontaktiert, um an die Ansprechpartner für Nachhaltigkeit in ihrem Club zu kommen“, erinnert sich Corboz. Aus diesem persönlichen „Klinkenputzen“ ist mit „elevengreen“ ein professionelles Beratungsunternehmen für Nachhaltigkeitsthemen rund um den Profisport geworden. Sein wichtigstes Feld hat „elevengreen“ in der Beratung für die Nachhaltigkeitskriterien des DFL-Lizenzierungsverfahrens gefunden: Wer als Fußballclub in eine der beiden Bundesligen aufsteigt, muss seit der Saison 2023/2024 für die Teilnahme an der Liga einen Katalog von rund 60 Nachhaltigkeitskriterien erfüllen. Nachhaltigkeit wird dabei bewusst weit gefasst und reicht von Fragen der Clubführung und Organisation bis zur Barrierefreiheit des Ticketings. „Wir können nicht alle Kriterien übernehmen. Der Bedarf der Vereine ist bei den Kriterien zu Klima, Umwelt und Ressourcen aber am größten. Deshalb haben wir uns mit ‚elevengreen‘ auf diese Dimension spezialisiert“, erläutert Corboz.

    Strategische Nachhaltigkeit statt Einzelprojekte

    Produkt von elevengreen können fertige Berichte, vor allem aber Analysen und Datengrundlagen für die Berichterstattung der Kund:innen sein. Ziel ist es jedoch immer, weitergehende Klimaschutzmaßnahmen zu initiieren: Die für einen Club ermittelte CO2-Bilanz soll beispielsweise nicht nur bei der Erfüllung der Lizenzauflagen helfen, sondern zum Startpunkt für ein ambitionierteres Ziel werden – zum Beispiel eine eigene Strategie zur Reduktion der PKW-Anreisen bei Heimspielen. Auch bei der Entwicklung von ganzheitlichen Strategieprozessen bietet „elevengreen“ Hilfe in Form von Workshops und Schulungen an. „Die Kriterienerfüllung ist wichtig und notwendig. Aber wir wollen die Vereine davon überzeugen, größer und vor allem strategischer zu denken. Nachhaltigkeit sollte fester Teil ihres Geschäftsmodells sein, sonst wird der Verein nicht mehr zukunftsfähig sein“, bringt Maël Corboz die Mission seines Startups auf den Punkt.

    Ziel ist ein Innovationsökosystem für nachhaltigen Sport

    Dafür wollen und sollen Corboz und sein Team in Zukunft nicht mehr als Einzelkämpfer auftreten. Stattdessen soll in Ostwestfalen-Lippe ein regionales Netzwerk von Nachhaltigkeitsakteuren rund um den Profisport entstehen. Akteur:innen aus Sport, Wirtschaft, Verbänden, Kommunen und der Fanschaft sollen darin zukünftig beständig neue Ideen und Lösungen für die Herausforderungen des Sports in der Region und darüber hinaus generieren. Den Auftakt für diesen Prozess bildet eine Anfang Mai vom Transferprojekt InCamS@BI und „elevengreen“ ausgerichtete Veranstaltung. Kopf hinter der Verbindung ist Prof. Dr. Ingo Ballschmieter vom Fachbereich Wirtschaft der HSBI. Sowohl in InCamS@BI als auch im Center for Entrepreneurship (CfE) beschäftigen sich Ballschmieter und sein Team mit der Verbindung von Innovation und nachhaltigen Geschäftsmodellen.

    ‚Expert Panel‘ soll die wichtigsten Herausforderungen benennen

    „Mit Blick auf den kommenden Strategieprozess haben wir die Veranstaltung bewusst interdisziplinär besetzt. Nur durch die Einbindung unterschiedlicher Perspektiven können wir herausfinden, wo Umsetzungsbarrieren für Nachhaltigkeit in OWL liegen und worauf wir unseren Fokus legen wollen“, erklärt Ballschmieter den Anlass für die Auftaktveranstaltung. Beiträge zur Veranstaltung kommen aus Wissenschaft, Vereinen, Wirtschaft und Stadtwerken. Einen wichtigen Impuls erhofft sich das Team vom ebenfalls eingeladenen Nachhaltigkeitsmanager des Deutschen Fußballbunds (DFB), Simon Rasch. „Unser Ziel ist es, aus konkreten Handlungsfeldern heraus gemeinsam mit den Partnern des Netzwerks eine Roadmap für die Umsetzung eines Innovationsökosystems zu entwickeln“, beschreibt Ballschmieter die mittelfristige Vision der Zusammenarbeit. Zu den Themen des Netzwerks könnten neben der Mobilität auch Energie und Infrastruktur, Sportbekleidung sowie Catering gehören.

    Interdisziplinärer Blick für Innovationspotenzial

    Weil in vielen dieser Themen Kunststoffe eine Rolle spielen, kommt das Team des interdisziplinären Transferprojekts Innovation Campus for Sustainable Solutions (InCamS@BI) ins Spiel. In unterschiedlichen Veranstaltungsformaten unterstützt das InCamS@BI-Team seit 2023 kunststoffverarbeitende Unternehmen der Region, die ihr Geschäftsmodell oder Teile davon auf Zirkuläre Wertschöpfung umstellen wollen, mit Know-how. Neben der betriebswirtschaftlichen Perspektive auf Innovationen, die durch Prof. Ballschmieter und seine Forschungsgruppe vertreten wird, kann das Projekt u.a. auf Ingeneur:innen, Wirtschaftspsychologinnen oder Spezialistinnen für Circular Economy von HSBI und Uni Bielefeld aufbauen. „In Formaten wie dem ‚Tech Check‘ bringt unser Team schon jetzt seinen umfassenden Blick für nachhaltige Innovierungen vorhandener Prozesse ein“, berichtet Ballschmieter. „Genau diese Fähigkeit wollen wir auch in die Initiative zum Profisport einbringen.“

    Hebel für mehr Nachhaltigkeit liegen in Strukturveränderungen

    Bei der nachhaltigen Umgestaltung des Geschäftsmodells Profisport geht es nicht selten auch um das Aufbrechen von Routinen, weiß Corboz: „Zwischen 60 und 80 Prozent der CO2-Emissionen bei Sportevents entstehen durch die An- und Abreise der Fans. Aber die Art der Anreise gehört selbst zu bestimmten Traditionen rund um das Stadionerlebnis der Fans. Hier Verhaltensänderungen zu bewirken, ist kompliziert, aber auch spannend.“ Die möglichen Hebel in Richtung Nachhaltigkeit liegen also gleichermaßen in Detailfragen wie Strukturen: Kann der Geltungsbereich des Spieltagstickets ausgeweitet werden? Wo können Shuttlebusse eine Option sein? Und welche Bedarfe haben die Verkehrsunternehmen oder Caterer, um nachhaltiger zu wirtschaften?

    Startschuss für ein mittelfristig angelegtes Projekt für mehr Nachhaltigkeit

    Vielleicht liegt ein Teil der Antworten darin, zuerst einmal möglichst viele Perspektiven an einen Tisch zu bringen. „Diese Gespräche finden aber bisher nicht statt, das wollen wir ändern“, bilanziert Corboz. „Wie in einem Ökosystem sollen sich durch unsere Initiative feste Nachhaltigkeitspartnerschaften zusammenschließen. Damit profitieren nicht nur alle Beteiligten von gemeinsamen Innovationen, sondern nicht zuletzt der Sport in OWL“, ergänzt Ballschmieter. Das wäre am Ende doch eine echte Gründungsgeschichte.


    More information:

    https://www.hsbi.de/presse/pressemitteilungen/nachhaltigkeit-im-profisport-armin... Pressemitteilung auf www.hsbi.de


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    Wollen die aktuellen Barrieren für nachhaltigeren Profisport in OWL analysieren und beseitigen: Maël Corboz (li.) und Prof. Dr. Ingo Ballschmieter.
    Wollen die aktuellen Barrieren für nachhaltigeren Profisport in OWL analysieren und beseitigen: Maël ...

    Copyright: P. Pollmeier/HSBI

    Von erneuerbaren Energien über Abfallwirtschaft bis Mobilität: Die Hebel für nachhaltigere Geschäftsmodelle im Profisport sind vielfältig.
    Von erneuerbaren Energien über Abfallwirtschaft bis Mobilität: Die Hebel für nachhaltigere Geschäfts ...

    Copyright: P. Pollmeier/HSBI


    Criteria of this press release:
    Business and commerce, Journalists, all interested persons
    interdisciplinary
    transregional, national
    Cooperation agreements, Transfer of Science or Research
    German


     

    Wollen die aktuellen Barrieren für nachhaltigeren Profisport in OWL analysieren und beseitigen: Maël Corboz (li.) und Prof. Dr. Ingo Ballschmieter.


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