Prof. Dr. Caterina Schürch erhält den Nachwuchspreis für ihre herausragende Forschung zur Geschichte moderner Lebenswissenschaften
Die Technische Universität Berlin kann einen besonderen Erfolg verzeichnen: Prof. Dr. Caterina Schürch wird am 30. Juni 2026 mit dem Nachwuchspreis des Berliner Wissenschaftspreises 2025 ausgezeichnet. Die Juniorprofessorin erhält die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung für ihre herausragende Forschung im Bereich der Wissenschaftsgeschichte. Darin eröffnet sie neue Perspektiven auf die Entwicklung und Organisation moderner Lebenswissenschaften, insbesondere der Biowissenschaften.
Besondere Anerkennung finden ihre wegweisenden Arbeiten zu den Verflechtungen von Biologie, Physik und Chemie, so die Jury. Schürch mache jene Grenzbereiche sichtbar, aus denen wissenschaftliche Innovationen entstehen. Gewürdigt wird zudem ihr außerordentliches Engagement, wissenschaftliche Arbeitsweisen für ein breiteres Publikum transparent zu machen und damit das Verständnis für Forschung und ihre gesellschaftlichen Bedingungen zu vertiefen.
Der Hauptpreis des Jahres 2025 geht an Professorin Dr. Anita Traninger, Romanistin und Rhetorikspezialistin an der Freien Universität Berlin.
Stimmen zur Auszeichnung
Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner: „Der Berliner Wissenschaftspreis 2025 steht in besonderer Weise für die Exzellenz, Innovationskraft und internationale Sichtbarkeit unseres Wissenschaftsstandorts. Wir zeichnen zwei Wissenschaftlerinnen aus, die diese Stärken auf herausragende Weise verkörpern und zugleich mit großem Engagement den Dialog zwischen Forschung und Gesellschaft vorantreiben. Ihre Arbeit setzt wichtige Impulse für die Zukunft und unterstreicht die Bedeutung einer offenen, vernetzten Wissenschaft für Berlin.“
Die Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, Dr. Ina Czyborra: „Anita Traninger hat nicht nur als feministische Wissenschaftlerin die Geschlechterforschung in Berlin maßgeblich geprägt. Sie wirft mit ihrer geisteswissenschaftlichen Forschung Fragen auf, die weit über ihre Disziplin hinaus relevant sind. Caterina Schürch macht sichtbar, wie Biologie, Chemie und Physik in der Forschungspraxis zusammengewachsen sind – und warum das Verstehen dieser Geschichte für die Wissenschaft von morgen unverzichtbar ist. Beide machen auf unterschiedliche Weise deutlich, wie wichtig historische Perspektiven sind, um aktuelle wissenschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen besser verstehen zu können. Und beide stehen für eine Wissenschaft, die aktiv den Dialog mit der Öffentlichkeit sucht und neue Ideen in Gesellschaft und Zukunft trägt.“
Prof. Dr. Fatma Deniz, Präsidentin der Technischen Universität Berlin: „Die Auszeichnung von Prof. Dr. Caterina Schürch mit dem Nachwuchspreis des Berliner Wissenschaftspreises 2025 ist ein starkes Signal – für die TU Berlin und für eine Wissenschaft, die über ihre eigenen Grenzen hinausdenkt. Caterina Schürch zeigt in ihren wissenschaftshistorischen Arbeiten, wie Forschende aus Biologie, Chemie und Physik vom späten 18. bis ins 20. Jahrhundert zusammengearbeitet haben. Solche Kooperationen waren lange Zeit nicht selbstverständlich. Heute wissen wir, dass Lösungen für große Herausforderungen an den Schnittstellen der Disziplinen entstehen. Dafür steht die TU Berlin: als ein Ort, der Verantwortung übernimmt, sich einbringt und Verbindungen schafft.“
Wissenschaftsgeschichte an der TU Berlin
Prof. Dr. Caterina Schürch ist seit dem Sommersemester 2023 Juniorprofessorin für Wissenschaftsgeschichte am Institut für Philosophie, Literatur-, Wissenschafts- und Technikgeschichte der TU Berlin. Sie studierte Wissenschaftsgeschichte, Wissenschaftsphilosophie und Biologie an der Universität Bern und der LMU München, wo sie 2021 promovierte. Forschungsaufenthalte führten sie unter anderem an die University of Cambridge, das GHI Washington sowie an mehrere internationale Universitäten im Rahmen eines Early-Postdoc.Mobility-Fellowships.
Wie interdisziplinäre Forschung entsteht
Im Zentrum ihrer Forschung steht die Frage, wie interdisziplinäre Zusammenarbeit in den Naturwissenschaften konkret funktioniert. An Beispielen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeichnet sie nach, wie Biolog*innen, Physiker*innen und Chemiker*innen gemeinsam an neuen Fragestellungen arbeiteten – etwa wenn physikochemische Konzepte herangezogen wurden, um biologische Experimente zu designen und auszuwerten oder physiologische und genetische Vorgänge genutzt wurden, um chemische Prozesse zu erhellen. Sie rekonstruiert dabei gewissermaßen die „Werkstatt“ dieser Forschung: Wer arbeitete mit wem zusammen, mit welchen Zielen, welche Instrumente kamen zum Einsatz, welche Konflikte entstanden – und wann galten die Ergebnisse solcher Zusammenarbeit als Fortschritt.
Pflanzenphysiologie, Agronomie und Wettermodelle
Die Berücksichtigung der Physik und Chemie ist nicht nur wichtig, um die experimentelle Biologie des frühen 20. Jahrhunderts zu verstehen. Diese Nachbardisziplinen prägten auch wesentlich, wie und wozu in der Pflanzenphysiologie gearbeitet wurde. Schürch untersucht, wie sich die Methoden und Inhalte dieses Fachs und der sogenannten wissenschaftlichen Agronomie im 19. Jahrhundert herausbildeten.
Methoden des Experimentierens stehen auch im Mittelpunkt eines weiteren Projekts am Fachgebiet. Hier wird analysiert, wie nach dem Zweiten Weltkrieg Wetterphänomene sowohl am Computer als auch mithilfe physikalischer Apparate – rotierender Schüsseln mit geschmolzenem Paraffin, die Strömungen der Atmosphäre im Kleinen nachbildete – modelliert wurden. Das Ziel, Wetterphänomene zu verstehen und vorhersagen zu können, trieb im 18. Jahrhundert auch Maria Margaretha Kirch und ihre Kinder an. Statt zu experimentieren, setzten sie auf detailliertes Beobachten: Über sieben Jahrzehnte hielten sie das Berliner Wetter täglich fest. Dabei suchten sie nach Korrelationen zwischen Planetenkonstellationen und dem Wetter mit dem Ziel, die überlieferten astrometeorologischen Regeln zu verbessern. Hier arbeitet Schürch heraus, wie die Kirchs und ihre Zeitgenossen hofften, aus ausführlichen Beobachtungsreihen Regelmäßigkeiten im Naturgeschehen herausarbeiten zu können.
Historische Einsichten für die Wissenschaft von heute
Mit diesem Zugang veranschaulicht die Forschung von Caterina Schürch, wie wissenschaftliche Erkenntnisse entstehen – als Prozesse, die von konkreten Annahmen, Methoden, Kooperationen und Rahmenbedingungen geprägt sind. Ihre Forschung liefert damit historische Einsichten und praktische Impulse für die Organisation heutiger interdisziplinärer Projekte. Gerade für den Wissenschaftsstandort Berlin ist das besonders relevant: Sie zeigt, wie Zusammenarbeit über Fächergrenzen hinweg gelingen kann, und stärkt zugleich den Dialog zwischen Geistes- und Naturwissenschaften. „Der Preis motiviert mich, die Geschichte der Naturwissenschaften so zu erforschen, dass die Ergebnisse für aktuell tätige Naturwissenschaftler*innen relevant sind“, sagt Prof. Dr. Caterina Schürch.
Für ihre exzellenten Leistungen wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Max-Weber-Preis, dem Henry-E.-Sigerist-Preis und der Caspar-Friedrich-Wolff-Medaille. Seit 2024 ist sie zudem gewähltes Mitglied im Vorstand des Fachverbands Wissenschaftsgeschichte.
Der Berliner Wissenschaftspreis
Mit dem Berliner Wissenschaftspreis sollen in Berlin entstandene hervorragende wissenschaftliche Leistungen gezielt gefördert werden. Ein zentrales Anliegen ist dabei, eine Basis für die weitere wirtschaftliche Entwicklung Berlins zu schaffen. Neben der wissenschaftlichen Exzellenz ist deshalb auch die Möglichkeit der praktischen Umsetzung der Forschung ein entscheidendes Kriterium. Der Nachwuchspreis wird an Wissenschaftler*innen vergeben, die höchstens 35 Jahre alt sind. Die Auswahl trifft eine Jury, bestehend aus den für Wissenschaft und Forschung zuständigen Mitgliedern des Senats, dem Präsidenten der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Prof. Dr. Christoph Markschies, sowie bis zu neun weiteren herausragenden Wissenschaftler*innen. Den Vorsitz führt die Senatorin für Wissenschaft, Gesundheit und Pflege, Dr. Ina Czyborra.
Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Prof. Dr. Caterina Schürch
Fachgebietsleiterin Wissenschaftsgeschichte
Fakultät I Geistes- und Bildungswissenschaften
E-Mail: c.schuerch@tu-berlin.de oder g.finn@tu-berlin.de
Tel.: 030/ 314-77322
Criteria of this press release:
Journalists
Biology, Chemistry, History / archaeology, Physics / astronomy
transregional, national
Contests / awards, Personnel announcements
German

You can combine search terms with and, or and/or not, e.g. Philo not logy.
You can use brackets to separate combinations from each other, e.g. (Philo not logy) or (Psycho and logy).
Coherent groups of words will be located as complete phrases if you put them into quotation marks, e.g. “Federal Republic of Germany”.
You can also use the advanced search without entering search terms. It will then follow the criteria you have selected (e.g. country or subject area).
If you have not selected any criteria in a given category, the entire category will be searched (e.g. all subject areas or all countries).