European Geosciences Union (EGU) verleiht Jonathan Williams Auszeichnung für seine wegweisenden Beiträge zur Erforschung flüchtiger organischer Verbindungen und deren Rolle in der Atmosphärenchemie.
Jonathan Williams, Gruppenleiter in der Abteilung Atmosphärenchemie am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, wurde auf der Jahresversammlung der European Geosciences Union (EGU) Anfang Ma i mit der Vilhelm Bjerknes Medaille ausgezeichnet. Er erhält die Medaille für seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen sowie innovativen Forschungsideen in den Atmosphärenwissenschaften.
Williams, der auch Professor am Cyprus Institut in Nikosia auf Zypern ist, widmet sich vor allem der Erforschung organischer Spurengase. Mit außergewöhnlichen Forschungsfragen und eigens dafür entwickelten Messmethoden erzielte er zahlreiche bedeutende Entdeckungen, urteilte die Jury. Mit Feldexpeditionen rund um den Globus erweiterte Williams das allgemeine Verständnis der Prozesse, an denen organische Gase in der Atmosphäre beteiligt sind.
Nach Jos Lelieveld, ehemaliger Direktor am MPI für Chemie, ist Jonathan Williams der zweite Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Chemie, dem die Vilhelm Bjerknes Medaille verliehen wird. Lelieveld erhielt die Medaille im Jahr 2019.
Forschung am Boden, in der Luft und auf der Haut
Williams Gruppe ist auf die Messung flüchtiger organischer Verbindungen (VOC) in der Atmosphäre spezialisiert. Flüchtige organische Verbindungen (englisch: volatile organic compounds, kurz VOC) ist ein Sammelbegriff für organischer Stoffe – also kohlenstoffhaltiger Verbindungen –, die bei Raumtemperatur oder höheren Temperaturen leicht verdampfen. Mithilfe hochempfindlicher Massenspektrometer können die Forschenden hunderte flüchtige organische Moleküle identifizieren und quantifizieren, die von den verschiedensten Quellen ausgestoßen und dann in der Luft oxidiert werden.
Neben Messinstrumenten an abgelegenen Standorten wie dem Amazon Tall Tower Observatory (ATTO) im brasilianischen Regenwald betreibt sein Team auch Forschungsprojekte in geschlossenen experimentellen Freilandanlagen (bspw. BIOSPHERE im US-amerikanischen Arizona) oder auf Schiffen (bspw. im Rahmen der AQABA Kampagne 2017) und entsendet Messinstrumente an Bord von Flugzeugen (bspw. HALO).
Bei den Forschungen im brasilianischen Regenwald konnten er und sein Team unter anderem herausfinden, dass der Urwaldboden große Mengen an Sesquiterpenen produziert. Des Weiteren entdeckte sein Team, dass langanhaltende Dürre entscheidend beeinflusst, in welchem Maße Regenwaldböden biogene flüchtige organische Verbindungen (bVOC) emittieren und verbrauchen können.
Zudem untersucht Jonathan Williams Arbeitsgruppe die chemischen Vorgänge in Innenräumen und wie der Mensch das Raumklima beeinflusst. Dabei stellten sie beispielsweise fest, dass die menschliche Haut viel mehr Ammoniak (NH3) abgibt als bisher angenommen. In weiteren Studien erfasste sie erstmals die Gesamtreaktivität der menschlichen Emissionen und fanden heraus, wie empfindlich diese gegenüber Ozon sind. In einer 2025 erschienen Studie zeigten sie, dass Öle und Fette auf unserer Haut zusammen mit Ozon in direkter Nähe des Körpers ein Oxidationsfeld aus hochreaktiven Hydroxylradikalen (OH) erzeugen.
Williams reger Forschergeist spiegelt sich auch in einer außergewöhnlichen Publikationsliste in führenden wissenschaftlichen Fachzeitschriften wider. Seine Arbeiten wurden mehr als 20.000-mal zitiert.
2021 erhielt Jonathan Williams den Ig-Nobelreis. Dieser ehrt wissenschaftliche Leistungen, die „Menschen zunächst zum Lachen, dann zum Nachdenken bringen sollen“. Anlass für diese Auszeichnung war Williams Studie in Zusammenarbeit mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die den Zusammenhang zwischen der Luft in Kinos und der FSK-Altersfreigabe nachweist. Bei Nervosität und Angst, stellten die Forschenden fest, gaben Kinobesucher vermehrt Isopren ab.
Ehemalige MPIC-Forscherinnen ebenfalls geehrt
Des Weiteren erhielten auf der EGU-Hauptversammlung 2026 mit Eva Pfannerstill und Bettina Weber zwei Wissenschaftlerinnen eine Auszeichnung, die zuvor mehrere Jahre am MPI für Chemie forschten. Beide arbeiten auch weiterhin im Rahmen von Projekten mit dem Mainzer Institut zusammen. Eva Pfannerstill erhält die Auszeichnung „Outstanding Early Career Scientist” und Bettina Weber die „Alina Kabata-Pendias Medaille“.
Dr. Jonathan Williams
Max-Planck-Institut für Chemie, Abteilung Atmosphärenchemie
+49 6131 305-4500
jonathan.williams@mpic.de
https://www.mpic.de/4390639/ueberraschung-aus-dem-urwaldboden
https://www.mpic.de/4673323/die-menschliche-haut-ist-eine-wichtige-ammoniak-quel...
https://www.mpic.de/5027599/ig-nobelpreis
https://www.mpic.de/4873977/wie-der-mensch-die-luft-in-innenraeumen-beeinflusst
https://www.mpic.de/5413238/drought-stress-alters-rainforest-soil
https://www.mpic.de/5265578/spiegelmolekuele-trockenstress
https://www.mpic.de/5874889/einfluss-von-hunden-auf-innenraumluft?c=3477744
Atmosphärenforscher Jonathan Williams wurde auf der Jahresversammlung der European Geosciences Union ...
Source: Carsten Costard
Copyright: Carsten Costard
Criteria of this press release:
Journalists, Scientists and scholars
Chemistry, Environment / ecology, Oceanology / climate
transregional, national
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Atmosphärenforscher Jonathan Williams wurde auf der Jahresversammlung der European Geosciences Union ...
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