Forschende der LMU evaluieren einen Test zur Beurteilung der Immunreaktion bei Tuberkulose für Hochrisikokontakte in afrikanischen Haushalten
Kontaktpersonen von Menschen mit Tuberkulose (TB) haben ein hohes Risiko, selbst an TB zu erkranken – die Ansteckungswahrscheinlichkeit liegt bei etwa 2 Prozent. Derzeit ist es schwierig, TB im Frühstadium zu erkennen oder vorherzusagen, wer an TB erkranken wird; weshalb entsprechende Präventivbehandlungen noch nicht weit verbreitet sind. Die meisten Kontaktpersonen sind asymptomatisch – aktuelle Ansätze stützen sich aber hauptsächlich auf symptomorientiertes Screening und Sputumtests, bei denen frühe oder versteckte Krankheitsstadien oft übersehen werden. Infolgedessen werden viele Infektionen erst erkannt, wenn die Krankheit bereits fortgeschritten ist.
Eine im Fachmagazin The Lancet Infectious Diseases veröffentlichte Studie unter Leitung der LMU-Forschenden Professorin Katharina Kranzer und Privatdozent Dr. Norbert Heinrich im Rahmen des ERASE-TB-Konsortiums verfolgt daher einen anderen Ansatz: Wirtsreaktionstests. Die Forschenden untersuchten, ob ein blutbasierter 3-Gen-Wirt-Reaktions-Test aktive Tuberkulose nachweisen und dabei helfen kann, den weiteren Krankheitsverlauf vorherzusagen. Im Gegensatz zu Standardtests, welche die Bakterien direkt nachweisen, messen diese Testverfahren die Immunreaktion des Körpers, was eine frühere Erkennung der Infektion und die Identifizierung von Personen mit erhöhtem Krankheitsrisiko ermöglichen könnte.
Langzeitstudie in afrikanischen Haushalten
In einer großen prospektiven Studie, die von der European and Developing Countries Clinical Trials Partnership (EDCTP2) finanziert wurde, evaluierte das Team den sogenannten Cepheid Xpert MTB Host Response (MTB-HR)-Bluttest bei mehr als 2.000 Haushaltskontakten in Tansania, Simbabwe und Mosambik. Teilnehmende ab 10 Jahren wurden bis zu zwei Jahre lang mit regelmäßigen klinischen, bildgebenden und labortechnischen Untersuchungen begleitet. Bei jedem Besuch wurde eine Blutprobe aus der Fingerspitze mit Hilfe der GeneXpert-Plattform analysiert.
Der MTB-HR-Assay zeigte eine hohe Genauigkeit beim Nachweis aktiver Tuberkulose und konnte gut zwischen Personen mit und ohne Erkrankung unterscheiden. Seine Fähigkeit, zukünftige Erkrankungen vorherzusagen, war mäßig; er zeigte die beste Leistung kurz vor Ausbruch der Erkrankung, war jedoch weniger präzise bei der Vorhersage eines TB-Ausbruchs in der ferneren Zukunft. Der positive Vorhersagewert des Tests für das Auftreten der Erkrankung war höher als der von derzeit verwendeten immunologischen Tests, obwohl er insgesamt die WHO-Kriterien als eigenständiges Screening- oder Vorhersageinstrument nicht erfüllte.
Effizienz der Tuberkulose-Vorbeugung verbessern
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass immunbasierte Tests sowohl zur Erkennung aktiver Tuberkulose beitragen als auch zur Identifizierung von Personen dienen können, bei denen das Risiko besteht, die Krankheit in Zukunft zu entwickeln. Die Forschenden betonen, dass Haushaltskontakte zum Zeitpunkt des Screenings trotz einer potenziellen Infektion oft asymptomatisch sind. Aktuelle Standardtests sind nur begrenzt in der Lage, vorherzusagen, bei wem sich die Krankheit zu einer aktiven Form entwickeln wird.
Insgesamt liefert die Studie wichtige Belege dafür, dass Tests zur Messung der Wirtsreaktion zu gezielteren Screening- und Präventionsstrategien beitragen könnten, wodurch unnötige vorbeugende Behandlungen potenziell reduziert und die Effizienz der Tuberkulose-Bekämpfung verbessert werden könnten. Gleichzeitig betonen die Autorinnen und Autoren, wie wichtig es ist, solche Instrumente in den realen Umgebungen zu bewerten, in denen sie eingesetzt werden sollen.
Judith Eckstein
Institut für Infektions- und Tropenmedizin
LMU Klinikum
Tel.: +49 089 4400 59839
E-Mail: judith.eckstein@med.uni-muenchen.de
Larsson L, Olaru I, Behnke A et al.: Diagnostic and prognostic accuracy of the Mycobacterium tuberculosis host response 3-gene cartridge among tuberculosis household contacts in Mozambique, Tanzania, and Zimbabwe: a prospective, longitudinal, diagnostic and prognostic accuracy cohort study. The Lancet Infectious Diseases, 2026
https://www.thelancet.com/journals/laninf/article/PIIS1473-3099(26)00114-3/fullt...
DOI: https://doi.org/10.1016/S1473-3099(26)00114-3
Criteria of this press release:
Journalists
Medicine
transregional, national
Research results, Scientific Publications
German

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