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05/11/2026 17:00

Besseres Leben unter Schutz? ALKOR-Expedition AL652 untersucht Fischgemeinschaften und Algen in der Ostsee

Ilka Thomsen Kommunikation und Medien
GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

    Wie wirken sich Meeresschutzgebiete auf Fischbestände und Nahrungsnetze aus? Und in welchem Maße tragen Algenriffe zur Kohlenstoffspeicherung im Meer bei? Dies sind nur zwei Fragen, die ein Forschungsteam des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel während der Expedition AL652 beantworten möchte, die am Wochenende gestartet ist. Die Fahrt führt in Ostsee-Schutzgebiete in der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone.

    Verbessern Meeresschutzgebiete den ökologischen Zustand von Fischpopulationen? Wie verändern sich Bewegungsmuster, Aufenthaltsorte und Wechselwirkungen im Nahrungsnetz, wenn menschliche Eingriffe reduziert werden? Das sind nur einige der Fragen, die mit der jetzt gestarteten ALKOR-Expedition „IMBOMPA“ beantwortet werden sollen.

    Offshore-Schutzgebiete Pommersche Bucht, Kadetrinne und Fehmarnbelt

    Der Name der Expedition steht für „Improved Monitoring of Baltic Offshore Marine Protected Areas”, auf Deutsch „Verbessertes Monitoring von Offshore-Meeresschutzgebieten in der Ostsee“. Sie gliedert sich in zwei Fahrtabschnitte mit unterschiedlichen Forschungsschwerpunkten. Während im ersten Teil unter Leitung von Dr. Jan Dierking und Femke Thoben Fischgemeinschaften und Nahrungsnetze untersucht werden, konzentriert sich der zweite Abschnitt unter Leitung von Prof. Dr. Jens Greinert und Anne Hennke auf Riffe und Algenbestände in Offshore-Schutzgebieten der Ostsee.

    Im Fokus steht in diesem Jahr die Pommersche Bucht, eines der größten Offshore-Schutzgebiete der Ostsee. Daneben werden auch die Schutzgebiete Kadetrinne und Fehmarnbelt in den Blick genommen.

    Wie wirksam sind Meeresschutzgebiete?

    Bei den Fischuntersuchungen setzen die Forschenden auf möglichst schonende Methoden. Statt Schleppnetzfischerei nutzen sie akustische Telemetrie: Einzelne Fische werden mit kleinen Sendern ausgestattet, deren Signale von einem Netzwerk aus Empfängern registriert werden. So lassen sich Aufenthaltsorte und Wanderbewegungen nachvollziehen, ohne die Tiere zu beeinträchtigen. Ergänzend analysiert das Team genetische Spuren aus Mageninhalten und untersucht die Struktur der Nahrungsnetze.
    Durch die Kombination aus Bewegungsdaten, Nahrungsanalysen und Habitatkarten entsteht erstmals ein umfassendes Bild davon, wie Fische diese Schutzräume tatsächlich nutzen.

    „Wir wollen wissen, ob Meeresschutzgebiete tatsächlich dazu beitragen, Fischgemeinschaften und Nahrungsnetze zu stabilisieren“, sagt Dierking, Meeresbiologe am GEOMAR.

    Die Untersuchungen sind Teil des vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) geförderten Projekts SCHUFI („Unterstützung bei der Maßnahmenentwicklung und Umsetzung von Schutzkonzepten für Fische“), das im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) neue Methoden für ein möglichst schonendes Monitoring von Meeresschutzgebieten entwickelt.

    Algen als natürliche Kohlenstoffspeicher

    Der zweite Fahrtabschnitt sammelt Daten für das Projekt „ROVKA – Riffe der Ostsee – Vorkommen und Klimaschutzleistung von Fucus und Saccharina in der deutschen AWZ“. Dafür erfassen die Forschenden systematisch die Verbreitung zweier Braunalgenarten: Sägetang (Fucus serratus) und Zuckertang (Saccharina latissima). Beide Arten wachsen bevorzugt auf steinigen Riffen und gelten als potenzielle natürliche Kohlenstoffspeicher.

    „Wir wollen verstehen, wie stark diese Algen zur langfristigen Speicherung von Kohlenstoff beitragen können“, sagt Geowissenschaftlerin Hennke. „Dafür brauchen wir präzise Karten ihrer Verbreitung und langfristige Beobachtungen.“

    Das Team setzt moderne Unterwassertechnik ein: Autonome Unterwasserfahrzeuge (Autonomous Underwater Vehicles, AUVs) kartieren den Meeresboden mit Sonarsystemen und Kameras. Zusätzlich dokumentieren geschleppte Kameraplattformen und hydroakustische Messsysteme die Struktur der Riffe und die Ausbreitung der Algenbestände. An ausgewählten Stationen entnehmen die Forschenden außerdem Sedimentproben.

    Die wiederholte Untersuchung derselben Gebiete über mehrere Jahre soll zeigen, wie stabil die Algenvorkommen sind und wie sie sich unter dem Einfluss von Erwärmung, Nährstoffeinträgen und anderen Umweltveränderungen entwickeln. Die Daten fließen in ein langfristiges Monitoring ein.

    Die Ostsee als Testsystem des globalen Wandels

    Die Ostsee gilt als „Zeitmaschine“, als sensibles Testsystem für den globalen Wandel: steigende Temperaturen, sinkender Sauerstoffgehalt und menschliche Nutzung verändern die Ökosysteme stark. Schutzgebiete gelten als wichtige Maßnahme, doch wie wirksam sie wirklich sind, lässt sich nur bewerten, wenn belastbare Daten vorliegen. Solche Daten werden während der Expedition AL652 gesammelt. Sie können als Ausgangspunkt dienen, an denen sich künftige Veränderungen messen lassen. Damit trägt die Ausfahrt dazu bei, Schutzkonzepte gezielt weiterzuentwickeln und die Anforderungen der europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie zu erfüllen.

    „Schutzgebiete auszuschreiben ist kein Zweck an sich“, sagt Dierking. „Erst wenn wir verstehen, wie Tiere sie nutzen und wie sich Nahrungsnetze verändern, können wir beurteilen, ob sie ihren Zweck erfüllen.“

    Expedition in Kürze
    Name: AL652 (Improved Monitoring of Baltic Offshore Marine Protected Areas, IMBOMPA)
    Zeitraum: 9. Mai bis 2. Juni 2026
    Start / Ende: Kiel
    Fahrtgebiet: Ostsee


    More information:

    https://www.geomar.de/n10280 Bildmaterial zum Download
    https://www.oceanblogs.org/baltic-rvalkor/ Blog zur Fahrt


    Images

    Criteria of this press release:
    Journalists
    Biology, Environment / ecology, Oceanology / climate
    transregional, national
    Research projects
    German


     

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